Eignungsnachweis finanziell gefördert

Hamburg unterstützt Präqualifikation

Seit 30. Juni ist die so genannte Präqualifizierung für öffentliche Bauaufträge Pflicht. Den ersten 300 Betrieben, die diese Eignungsprüfung absolvieren, erstattet die Stadt Hamburg die Kosten. Das hat die Handwerkskammer bei der Behörde für Wirtschaft und Arbeit erreicht.

Öffentliche Aufträge werden stets an Betriebe vergeben, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Unternehmer, die sich um öffentliche Bauaufträge bewarben, prüften die Mitarbeiter der Hamburger Vergabestellen bisher nach drei Kriterien:
• Fachkunde (Meisterbrief und Referenzen)
• Zuverlässigkeit (zahlt Steuern und Sozialbeiträge, keine Schwarzarbeit)
• Leistungsfähigkeit (hat genügend ge-schultes Personal und Maschinen).
Diese Prüfung fand für jede Ausschreibung statt. Bei jeder Bewerbung um einen öffentlichen Auftrag erbrachten die Unternehmer deshalb einen neuen Eignungsnachweis. Ein hoher Aufwand - und Quelle für Fehler: Fügte ein Bieter seiner Bewerbung zum Beispiel versehentlich einen veralteten Nachweis bei, musste er ausgeschlossen werden.

Eignungsnachweis wird vorgezogen
Das Verfahren hat sich mit der Einführung der Präqualifizierung verändert, denn der Eignungsnachweis wird den Ausschreibungsverfahren nun vorgezogen. Das bedeutet: Unternehmen reichen ihre Dokumente nur noch einmal jährlich ein. Sie bekommen eine Nummer, die sie in jedem Ausschreibungsverfahren mit ihrem Angebot angeben. Muss ein Dokument erneuert werden, erhalten die registrierten Bieter eine Erinnerung per E-Mail.
Diesen Service leistet die Präqualifizierungsstelle (PQ-Stelle) für einen Betrag von rund 450 €. Bestimmte Dokumente kann sie dank Vollmacht des Betriebs sogar selbst aktuell abrufen.
In einer bundesweit zugänglichen Datenbank richtet die PQ-Stelle einen Datensatz für jedes registrierte Unternehmen ein: Unter www.pq-verein.de sind präqualifizierte Firmen öffentlich verzeichnet. Am 9. Juni waren dies in Hamburg 84, in Deutschland 2.075 Unternehmen - Tendenz stark steigend. In einem internen und geschützten Bereich der Webseite finden die öffentlichen Auftraggeber die eingescannten Eignungsnachweise der Bieter.

Die beste PQ-Stelle finden
Es gibt fünf PQ-Stellen, die in Konkurrenz zueinander stehen. Sie haben teilweise Sonderkonditionen mit Fachverbänden des Handwerks vereinbart. Einen Preisvergleich und weitere Informationen hat die Handwerkskammer Hamburg unter www.hwk-hamburg.de >> Beratung&Service >> Präqualifizierung eingestellt. Dort sind auch die Anträge der Wirtschaftsbehörde auf Übernahme der Präqualifizierungskosten hinterlegt.

Zum Hintergrund
Hamburg hat die verpflichtende Präqualifizierung zum 30. Juni eingeführt. Beschränkte Ausschreibungen, also Aufträge mit einem geschätzten Auftragsvolumen von bis zu einer Million €, werden seither nur noch an präqualifizierte Unternehmen vergeben. In Zeitungen und im Internet werden diese Aufträge nicht mehr veröffentlicht.
Stattdessen suchen die Vergabebeamten in der PQ-Liste nach geeigneten Firmen und fordern drei bis acht von ihnen auf, ein Angebot abzugeben. Nur wenn die PQ-Liste zu wenige Betriebe verzeichnet, können die Mitarbeiter der Stadt auf nicht-präqualifizierte Betriebe zugehen. Hier wird die Liste des Amts für Bauordnung und Hochbau (ABH) weiter eine Rolle spielen, in die sich auch neue Betriebe eintragen lassen sollten. Dafür reicht im ersten Schritt eine E-Mail mit den Kontaktdaten an aroennau@hwk-hamburg.de. Auch freihändig zu vergebende Aufträge mit einem Volumen von bis zu 100.000 €  können an dort gelistete Unternehmen vergeben werden.

Weitere Informationen:
Andreas Rönnau,
Tel.: 040 35905-326,
E-Mail: aroennau@hwk-hamburg.de.

Andreas Rönnau