Ein ganz besonderer Beruf
Betriebsbesichtigung der Handwerksjunioren
Die Hamburger Handwerksjunioren besuchten die letzte Etuimanufaktur der Stadt: die Firma Erich Ludwig in Hamm.
Ein Etuimacher stellt Etuis für Medaillen her. Das liegt nahe. Aber auch passgenaue Einlagen für Besteck- und Schmuckschubladen, für Tresore, für den individuellen Picknickkorb. Und für den zur Bar umfunktionierten Geigenkoffer. So stellte Andreas Ludwig (Bild unten), Urenkel des Firmengründers, die Produkte vor, die in Handarbeit individuell und in Kleinserien bei dem traditionsreichen Etuimacher Erich Ludwig in Hamburg-Hamm entstehen. Die Handwerksjunioren staunten bei ihrer Besichtigung des Familienbetriebs, der bereits seit 1887 besteht. Höhepunkt des Besuchs: die selbst gefertigte Ausstattung eines Privatjets, die Andreas Ludwig den Gästen zeigte. In den Schubladen des Möbelstücks hat alles seinen Platz, was über den Wolken lebensnotwendig sein könnte.
Ausbildung in Österreich
Andreas Ludwig, selbst einer der Handwerksjunioren, ist Betriebswirt des Handwerks und Etuimachermeister. Das ist ein Handwerksberuf, den es seit Mitte der 1960iger Jahre in Deutschland offiziell nicht mehr gibt. Gelernt und seinen Meister gemacht hat Ludwig in Österreich. Dort finden sich noch einige Betriebe, und noch funktioniert das Ausbildungswesen. Aber nicht nur in Österreich, auch in Hamburg besteht Bedarf für den Beruf: „Meine privaten Kunden suchen meist eine qualitativ hochwertige Einzelstück-Anfertigung und bringen häufig eigene Koffer und Möbel mit. Die statte ich nach Wunsch aus und beziehe sie mit Stoffen oder Leder. Am Ende findet darin meist ein Schmuckstück, ein Besteck oder auch ein Kristallglas einen neuen, passgenauen Platz", erklärt Ludwig. Der Etuimacher beliefert auch Großkunden wie die Hansestadt Hamburg, die in seinem Betrieb zum Beispiel einige ihrer Medaillen stilvoll einbetten lässt.
Kooperationspläne und Ideen
Die Handwerksjunioren waren beeindruckt von dem selten gewordenen Handwerk und der Qualität und Kreativität der Stücke aus der Etuimanufaktur. Bereits während des Besuchs schmiedeten sie Kooperationspläne. So mancher der Besucher ging zudem mit dem Gedanken an einen handgefertigten Aktenkoffer nach Hause - zum Beispiel aus dem besonderen Leder, mit dem auch seine Autositze bezogen sind.
Weitere Informationen:
www.erichludwig.de, www.hwk-hamburg.de/hamburger_handwerk/handwerks_junioren.
Oliver Thieß

