Vorteile für jeden Handwerker
Die Betriebsvergleiche der RGH
Andrea Böbs ist Prokuristin der BÖBS-WERFT GmbH, ausgebildete Bankkauffrau sowie Betriebswirtin des Handwerks, verheiratet und hat zwei Kinder. Schon seit dem ersten Betriebsvergleich für Bootsbauer, der 1964 von der Rationalisierungsgemeinschaft Handwerk Schleswig-Holstein e.V. (kurz RGH) durchgeführt wurde, nimmt die BÖBS-WERFT daran teil. Und seit 17 Jahren fällt dies in den Verantwortungsbereich von Andrea Böbs. Nun macht sie sich auch werbemäßig und dabei völlig unentgeltlich für die Arbeit der RGH stark. Nordhandwerk fragte nach ihren Beweggründen.

Frau Böbs, wie sind Sie zu dem Entschluss gekommen, sich in den Vergleich mit ihren Mitbewerbern
zu stellen?
Böbs Wir sind sozusagen „Täter der ersten Stunde". Die Möglichkeit, detaillierte Informationen über unseren Betrieb und unsere Positionierung im Wettbewerb für einen relativ geringen Aufwand zu erhalten, haben wir von Anfang an genutzt.
Mit welchen Erwartungen sind Sie zum Vergleich angetreten?
Böbs Mit der Erwartung, zusätzliche betriebswirtschaftliche Informationen über unser Unternehmen zu erhalten: betriebsspezifische Informationen, die über die Aussagekraft der reinen Bilanz-Kennzahlen hinausgehen und eine praxisgerechte Differenzierung der einzelnen betrieblichen Sparten widerspiegeln. Die Interpretation dieser Daten - gerade auch im Vergleich zu anderen Werften unserer Größenordnung - ist sehr aufschlussreich. Die Ermittlung dieses Zahlenwerkes ist bei uns besonders aufwändig, da eine Trennung in Betriebs- und Besitzgesellschaft wieder als rechnerische Einheit dargestellt werden muss und die grundsätzliche Differenzierung in die Bereiche „Handwerk" und „Yachthafen bzw. Winterlager" (Vermietung und Verpachtung) vorgenommen werden muss.
Sind Ihre Erwartungen erfüllt worden?
Böbs Ja! Schon das „Sezieren" unserer Daten in Zusammenarbeit mit den Fachleuten der RGH führt immer wieder zu äußerst interessanten Diskussionen und gibt aufschlussreiche Informationen über unsere Betriebsstruktur. Dann die Zahlen im Vergleich zu anderen Mitbewerbern nach identischem Ermittlungsschema zu erhalten, ist eine Freude. Wir haben damit ein wichtiges Steuerungsinstrument erhalten.
Hatten Sie keine Bedenken, Ihre Zahlen offenzulegen? Gibt man dabei nicht viel von sich bzw. seinem Unternehmen preis?
Böbs Zunächst hatte ich Bedenken wegen der Offenlegung unserer Zahlen, der Geheimhaltung und des Risikos der eventuellen Wiedererkennung durch Dritte. Meine anfänglichen leichten Zweifel, den betriebswirtschaftlichen Ansprüchen eines Profis von der RGH nicht gerecht zu werden, haben mich schon etwas nervös gemacht. Nach dem ersten Gesprächstermin habe ich allerdings festgestellt, dass unsere Informationen absolut vertraulich behandelt werden, die Fachleute von der RGH die Belange des Handwerks kennen und dass das Erarbeiten der Zahlen in einer hervorragenden Teamarbeit stattfindet.
Wie bewerten Sie die Kosten für die Teilnahme?
Böbs Ich werte die Kosten eher als kleinen Anerkennungsbeitrag, denn die decken sicherlich nicht einmal die Fahrkosten der Fachleute der RGH. Für diesen Anerkennungsbeitrag eine individuelle Auswertung und einen Vergleich zu anderen Betrieben der Branche zu erhalten ist in meinen Augen sensationell und unterstreicht die Stellung der RGH als gemeinnützige Einrichtung des schleswig-holsteinischen Handwerks.
Bedeutete die Teilnahme irgendeinen Mehraufwand für Sie? Mussten Sie sich darauf in irgendeiner Weise vorbereiten?
Böbs Es ist eine Frage, was ich von einem Betriebsvergleich erwarte. Ich hatte natürlich die Möglichkeit, der RGH alle Zahlen zu überlassen, auf die bereits erwähnte Teamarbeit zu verzichten und nur auf Rückfragen zu reagieren. Dann hätte ich sicherlich auch einen aussagekräftigen Betriebsvergleich erhalten. Aber die Gelegenheit, von einen Fachmann bei der Ermittlung dieser Daten eingebunden zu sein, um die Differenzen zwischen Bilanz und Betriebsvergleich auch nachvollziehen zu können, wollte ich mir nicht nehmen lassen. Zur Vorbereitung hatte ich, soweit es nach vorheriger Rücksprache möglich war, schon einige Zahlen und Informationen zusammengestellt.
Können Sie mit den Ergebnissen arbeiten?
Böbs Ja! Allein hätte ich nicht so eine akribische Ermittlung der Daten für die entsprechenden Kennzahlen vorgenommen und somit auch nicht die entsprechenden Informationen ermitteln können. Die von der RGH erstellten Ermittlungsschemata haben sehr klar vorgegeben, welche Werte und Informationen für die Aussagekraft des Betriebsvergleiches unerlässlich sind. Der Vergleich der unterschiedlichsten Zahlen, die sich in keiner Bilanz widerspiegeln, wie Beschäftigtenstruktur, direkt verrechenbare Stunden mit Stundenverrechnungssatz und handwerkliche Wertschöpfungen pro Kopf oder Stunde im Verhältnis zu den Mitbewerbern zu sehen, ist sehr aufschlussreich. Das ermöglicht uns, sehr gut Rückschlüsse auf unsere Stärken und Schwächen zu ziehen und natürlich entsprechend zu reagieren.
Welche Erkenntnisse haben Sie für Ihren Betrieb aus dem Vergleich ziehen können?
Böbs Wir haben schon ein sehr waches Auge für unseren Betrieb und viele Informationen wurden von uns in der Form auch erwartet. Es ist aber ein Unterschied, ob ein waches Auge dies alles sieht oder die nackten Zahlen das belegen. So kommt es vor, dass unliebsame Entscheidungen, die man gerne vor sich herschiebt, nach der Analyse des Betriebsvergleichs doch vorgezogen werden. Die eigenen Stärken und Schwächen im Verhältnis zu unseren Mitbewerbern aufgezeigt zu bekommen, ist eine wertvolle Orientierungshilfe bezüglich der Frage, wo wir am Markt stehen.
Für welche Betriebe kann der Vergleich von Vorteil sein? Ist eine Teilnahme für jeden Betrieb geeignet?
Böbs Der Vergleich ist in der Tat für jeden Betrieb von Vorteil. Da eine Unterteilung nach Betriebsgrößen stattfindet, ist die Teilnahme auch für kleine Betriebe ratsam. Gerade in den kleinen Betrieben wird der betriebswirtschaftliche Bereich häufig vernachlässigt. Bei einem anschließenden Workshop wird der Vergleich noch einmal aufgearbeitet und es werden weitere interessante Informationen vermittelt.
Werden Sie sich auch in Zukunft wieder mit Mitbewerbern aus der Branche vergleichen lassen?
Böbs Selbstverständlich, ich warte schon auf den nächsten Betriebsvergleich. Ich habe auch bereits das Angebot der RGH genutzt, für einen geringen Kostenbeitrag eine Einzelauswertung zwischendurch zu erarbeiten. Damit habe ich einen sehr informativen Vergleich zu unseren Vorjahreszahlen.
Was ist Ihr persönliches Fazit über die Arbeit der RGH?
Böbs Wir haben in der RGH einen sehr kompetenten Partner für das Handwerk. Die Mitarbeiter sind mit Handwerksbetrieben unterschiedlichster Größe und Struktur vertraut und können daher ihr Wissen optimal einbringen. Die Auswertungen sind für Unternehmensstrategien viel aussagekräftiger als reine Bilanzanalysen. Bei den Bilanzanalysen einer Bank wurden wir als Boots- und Yachtwerft über Jahre hinweg dem Schiffbau zugeordnet.
Wir danken für das Interview.
Weitere Informationen unter:
RGH, Russeer Weg 167, 24109 Kiel,
Tel.: 0431 523460,
E-Mail: info@rghandwerk.de,
www.rghandwerk.de
Andreas Haumann

