Wo selbst Neptun ins Schwärmen kommt
Niro Petersen in Flensburg
In einer Garage gestartet und sich mit Thyssen Krupp wegen des Namenszusatzes „Niro“ erfolgreich gestritten – einiges erinnert bei der Firmengeschichte der Flensburger Firma Niro Petersen an Bill Gates´ Anfänge, anderes an den Kampf Davids gegen Goliath. Doch abseits netter Anekdoten schreibt dieser Betrieb täglich neu an seiner weltweiten Erfolgsgeschichte.

Wenn Segler ins Sinnieren kommen, stehen wohl die Glücksmomente beim Dahingleiten über die Wellen im Vordergrund. Auch Bootstypen und Zubehör beflügeln Seglerträume. Bei Letzterem lässt der Name „Niro P“, so die etablierte Kurzbezeichnung, die Augen leuchten. Denn das, was den Betrieb am Flensburger Hafen verlässt, besticht durch Glanz, hohe Funktionalität, zeitloses Design und hohe Qualität.
Rückblende: Bei der Firmengründung 1965 in einer Garage in der Innenstadt stand noch eine andere Idee im Vordergrund: der Vorrichtungsbau. Doch die große Nachfrage nach Bootsbeschlägen gab schnell die neue Richtung vor. Und nun wollte man auch unbedingt ans Wasser. Es dauerte aber noch eine weitere gemietete Immobilie lang, bis dies glückte. Anfang der 80er Jahre erwarb Firmengründer Gerd Niro Petersen den ehemaligen Seegrenzschlachthof. 6.000 m2 Betriebsgelände, überwiegend bebaut, mit kleiner Seebrücke, die vormals zur Anlandung des Schlachtviehs diente. „Unternehmerisch ein gewagter Schritt. Die Immobilie war groß und sanierungsbedürftig“, sagt Birthe Reimer, Tochter des Firmengründers und heutige Chefin, rückblickend. Viele Investitionen folgten, auch in neue Bootsstege. Der firmeneigene Hafen bietet nun 120, das aus den ehemaligen Viehställen entstandene Winterlager 80 Booten Platz.
Ca. 1.200 Produkte aus Edelstahl bzw. Titan umfasst das Standardprogramm von Niro P – nachzulesen in einem zweisprachigen Katalog auf 200 Seiten. Von Ankern, Augbolzen, Klampen, Verriegelungen bis hin zu diversen Scharniertypen reicht das Sortiment. Nicht davon erfasst sind die vielen Sonderanfertigungen gerade für den Megayachtbau. Die hochmoderne Fertigung – darunter eine der seltenen Wasserschneidanlagen – leistet Präzisionsarbeit. Kontrollen auf jeder Verarbeitungsstufe sichern die vielerorts gelobte Qualität. Das Credo: „Reklamationen dürfen einfach nicht sein und müssen die absolute Ausnahme bleiben“ (Reimer). Mit einem Umsatzanteil von ca. 10 % ist die Produktion von Stützgriffen und Halterungen für den Reha-Bereich ein zweites Standbein. 37 Mitarbeiter beschäftigt Niro P, die überwiegende Mehrzahl in der Produktion. „Wenn es mal eng wird, packt jeder mit an“, sagt Reimer. Auch sie hilft schon mal beim Postversand mit.
Der Standort am Brauereiweg hat sich kontinuierlich entwickelt. Die Wasserlage mit dem direkten Kundenkontakt ließ neue Ideen reifen. „Ende der 90er Jahre nahmen wir weitere maritime Dienstleister als Mieter auf.“ Der Ergebnis: Mit einem Bootsbauer, einem Segelmacher, einem Yachtelektriker und einem Motorenservice bietet der Standort nun bei Bedarf eine Rundumsorglos-Betreuung.
In Sachen Werbung bedient sich die Firma internationaler Bootsmessen wie in Hamburg und Amsterdam. Weltweite Vertretungen und Versand tun ein Übriges für den Bekanntheitsgrad. Daneben werden Yachtwerften persönlich betreut. „Das ist wichtig, um vor Ort neue Produktideen zu entwickeln“, betont Birthe Reimer. Dank der Produktqualität ist Niro P zudem als Zulieferer bei renommierten Werften gelistet, die u. a. auch Megayachten herstellen. Für wen bleibt aber geheim. „Wir müssen stets eine Vertraulichkeitserklärung unterschreiben.“
Und wie steht es mit der Krise? „Wir merken sie etwas“, gesteht Reimer. „Dadurch haben wir aber mehr Zeit für andere Dinge. Derzeit kooperieren wir mit einem englischen Möbelbauer und bieten mit der Firma Swarovski auf der Bootsmesse in Monaco erstmalig mit Kristallglas-Applikationen veredelte Beschläge an.“ Schön, wenn sich eine Krise so bewältigen lässt.
Andreas Haumann

