Ein Fest fürs Handwerk

Meisterfeier im Michel

Festliche Stimmung im frisch renovierten Michel. Die Handwerkskammer und die technische Universität Hamburg-Harburg ehrten ihren Elite-Nachwuchs.


Der festliche Michel bildete einen strahlenden Rahmen für die Meisterfeier.

"Das war ne harte Zeit, Jungs und Mädels“, wandte sich Jungmeister Wolfgang Grottke an seine Mitstreiter und Mitstreiterinnen und sprach damit vielen aus der Seele. Der Feinwerkmechanikermeister machte in seiner prägnanten Ansprache deutlich, welche Herausforderung eine Meisterprüfung darstellt. Doch die Mühe hätte sich gelohnt. Denn genau das sei es, worauf es ankommt: sich neuen Aufgaben zu stellen und daran zu wachsen.

Zur diesjährigen Meisterfeier am 16. November waren 443 Meisterinnen und Meister aus 25 Gewerken aus dem Prüfungszeitraum August 2008 bis Juli 2009 geladen. Sie erhielten im frisch renovierten Michel ihre Meisterbriefe. Die im vollen Glanz strahlende Kirche unterstrich die meisterliche und festliche Stimmung des Abends vortrefflich.

Handwerkskunst im Michel
Zwei Wochen zuvor war das Hamburger Wahrzeichen nach einem Jahr Renovierungsarbeiten wieder eröffnet worden. Gastgeber Pastor Röder stellte in seiner Begrüßung dar, welche Handwerkskunst sich im glänzenden Innenraum verbirgt. Durch die Renovierungsarbeiten habe er das Handwerk ganz besonders gut kennengelernt. Die verschiedensten Gewerke hätten dazu beigetragen, dass der Michel wieder zu seiner alten Schönheit gefunden hätte. Allein 6.000 Kilo Farbe sorgten für den neuen Glanz in der Kuppel und 21 km Kabel seien verlegt, brachte er einige Beispiele. „Hier in der Hauptkirche St. Michaelis ist überall gutes Handwerk zu sehen, nicht erst seit der Renovierung. Es begann bereits mit dem Bau“, fügte Handwerkskammerpräsident Josef Katzer schmunzelnd hinzu.

Mut zu neuen Herausforderungen
Katzer gratulierte allen frisch gebackenen Meisterinnen und Meistern vor über 1.700 Gästen zu ihrem Abschluss. Er sei stolz auf jeden Einzelnen. Sie seien der Beweis, dass es leistungsbereite und vorwärtsstrebende junge Menschen gäbe, die mehr denn je gebraucht würden. Katzer ermutigte die jungen Leute dazu, mit Stolz auf ihre Leistungen und Mut zum Unternehmertum in die Zukunft zu gehen.

Auch Festredner Bernhard Meyer von der Meyer Werft in Papenburg betonte die Bedeutung von hoch qualifizierten Fachkräften und riet den Meistern und Absolventen, trotz Wirtschaftskrise zielstrebig den eigenen Weg zu verfolgen. Das Wichtigste jedoch, so schloss er seine Festrede, sei Leidenschaft und die Liebe zum Beruf.

Die neuen Meister
Wahre Liebe zum Beruf, das hat auch Stefanie Kleber. Die Maler- und Lackierermeisterin fühlt sich sehr wohl in der eher typischen Männerdomäne. Dabei war es eher ein Zufall, dass sie eine Lehre zur Maler- und Lackiererin begann. Doch während ihrer Ausbildung entwickelte sie schnell Begeisterung für diesen kreativen und abwechslungsreichen Beruf, erklärt sie. „Wir schaffen mit unserer Arbeit nicht nur Atmosphäre, sondern tun etwas wirklich Gutes für die Menschen. Sie fühlen sich durch uns wieder wohl in ihrem Zuhause.“ Als Meisterin möchte Stefanie Kleber jetzt selbst ausbilden, um Jugendlichen diese Begeisterung weiterzugeben.

Auch Dachdeckermeister Benjamin Ohrem geht voll in seinem Beruf auf. Schon während der Schulzeit jobbte er bei den Dachdeckern. Nach dem Abitur wollte er eigentlich studieren. Doch ihm wurde schnell klar: „Ich bin draußen besser aufgehoben.“ Nach seiner Lehre begab er sich drei Jahre auf die Walz, unter anderem ging es nach Korea und Australien. Als nächste Herausforderung kam dann die Meisterprüfung. Doch auch er möchte nicht stehen bleiben, und sucht stetig nach neuen Aufgaben. „Kann sein, dass ich den Klempnermeister hinterherschiebe.“

Bastian Werzner ist Tischlermeister und hat die beste Prüfungsnote seines Jahrganges. Mit sechs weiteren erhielt er den Meisterbrief vorne im Altarraum von Handwerkskammerpräsident Josef Katzer persönlich überreicht. Werzner blieb ganz gelassen über die guten Noten, freute sich aber riesig über die bestandene Meisterprüfung. „Dieser Schritt ist für mich und meinen beruflichen Weg sehr wichtig.“

Nie stehenbleiben
Zum Abschluss seiner Rede brachte Wolfgang Grottke die Bedeutung der Weiterbildung auf den Punkt: „Sobald man in einer Sache Meister geworden ist, sollte man in einer neuen Sache Schüler werden.“ So ließe sich im Leben etwas erreichen. In diesem Sinne wünschte er allen Meisterinnen und Meistern alles Gute für die Zukunft.

Karin Gehle