Das Handwerk zu Besuch in Schulen
Berufsorientierung
Zum vierten Mal tourte das Handwerk Ende September eine Woche lang zu fünf Hamburger Schulen. Über 5.100 Schüler und Schülerinnen lernten in diesen fünf Tagen moderne Handwerksberufe kennen – und waren begeistert.
„Wenn Ihr als ausgelernte Bäckergesellen nach Florida reist, werden sie Euch am liebsten gleich dabehalten“, erzählt Reinhardt Schwabroh, Berufsschullehrer der Bäcker und Konditoren. „Denn es gibt in keinem anderen Land so viele unterschiedliche Brotsorten wie hier in Deutschland. In der Ausbildung zum Bäcker lernt Ihr die verschiedenen Rezepte kennen. Übrigens fährt auch kein einziges Luxus-Kreuzfahrtschiff, auf dem nicht ein deutscher Bäcker mit an Bord wäre“, schließt Schwabroh seinen kleinen Exkurs über die Möglichkeiten im Bäckerberuf. Etwa zehn Schülerinnen und Schüler an der Schule Stübenhofer Weg in Wilhelmsburg hören aufmerksam zu.
Für die meisten ist es eine einmalige Gelegenheit, so anschaulich von einem Experten etwas über einen bestimmten Beruf zu erfahren. Viele von ihnen haben kaum Berührungspunkte mit dem Berufsleben; ganz besonders nicht mit Handwerksberufen.
Modernes Handwerk kennenlernen
Schülerlotsen halfen den Gästen aus den Nachbarschulen gerne bei der Orientierung.
Die Handwerk-Jobtour hat sich zum Ziel gesetzt, das zu ändern. Schülerinnen und Schüler sollen sich ein Bild über das moderne Handwerk machen. Zum vierten Mal tourte Ende September das Handwerk eine Woche lang durch Hamburger Schulen. 14 Innungen, zwei Fachbetriebe und fünf weitere Partner der Berufsbildung präsentierten in den Schulen Handwerk zum Anfassen. In Aulen oder Turnhallen bauten die Vertreter der Innungen jeden Tag aufs Neue ihre Messestände auf, so dass Schülerinnen und Schüler typische Tätigkeiten der Berufe ausprobieren konnten. Darüber hinaus stellten Experten und Ausbilder die einzelnen Berufe in den Klassenzimmern näher vor. Sie gaben den Schülerinnen und Schülern auch konkrete Tipps für die Suche nach einem Praktikumsplatz oder für die Bewerbung.
Bergfest in Lohbrügge
Am Mittwoch in der Gesamtschule Lohbrügge feierte die Handwerk-Jobtour zum ersten Mal ein Bergfest. Den Start machte die Schulband Lohbrügge, die mit ihrem Vortrag gleichermaßen Schüler und prominente Gäste begeisterte. Handwerkskammerpräsident Josef Katzer begrüßte die Anwesenden und ermunterte die Schüler und Schülerinnen: „Seid neugierig und fragt, fragt, fragt. Ich kann Euch nur empfehlen: Nutzt die Chance der Orientierung! Findet heraus, was Euch Spaß macht und wo Eure Stärken liegen. Denn dann werdet Ihr Erfolg haben.“
Als Vertreter des Senats kam Rainer Schulz, Geschäftsführer des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung. In seinem kurzen Grußwort an die Jugendlichen machte er deutlich, wie vielfältig und perspektivenreich die duale Ausbildung heute ist. Auch Helmut Schulte, Sportchef vom FC St. Pauli, war zum Bergfest gekommen und zeigte sich beeindruckt über die vielen Möglichkeiten im Handwerk. Begeistert probierte er die einzelnen Tätigkeiten bei den Messeständen aus. Er appellierte an die Schülerinnen und Schüler, sich frühzeitig um eine Ausbildung zu kümmern. „Das ist wie im Sport: Setzt Euch Ziele und verfolgt diese dann. Das macht Ihr für Euch selbst.“
Frühe Berufsorientierung ist wichtig
Um eine erfolgreiche Ausbildung zu absolvieren, ist es wesentlich, die eigene Neigung und Eignung herauszufinden.Josef Katzer machte deutlich, dass gerade in Bezug auf den zunehmenden Fachkräftemangel, Berufsorientierung und Nachwuchswerbung zu den Kernaufgaben des Handwerks gehören. Er wies darauf hin, dass dies nur gelingen kann, wenn Schule und Wirtschaft zusammenarbeiten.
Die diesjährige Tour startete in der Max-Brauer-Schule in Altona, dann ging es nach Stellingen zur Schule Sportplatzring. Bergfest wurde in der Gesamtschule Lohbrügge gefeiert, am Donnerstag machte die Tour halt in Wandsbek in der Erich-Kästner-Gesamtschule. Zum Finale am Freitag war die Handwerk-Jobtour zu Gast in der Schule Stübenhofer Weg in Wilhelmsburg. Insgesamt begegneten die Aussteller in dieser Woche über 5.100 Schüler aus 40 teilnehmenden Schulen.
Teilnehmer und Partner
Mit dabei waren in diesem Jahr das Ausbildungszentrum-Bau in Hamburg, die Innungen der Bäcker, Dachdecker, Elektrohandwerke, Gebäudereiniger, Kfz, Maler- und Lackierer, Metall, Parkett- und Fußbodentechnik, Sanitär Heizung Klempner, Kupferschmiede, Apparate- und Rohrleitungsbau, Tischler sowie der Fachverband Garten-, Landwirtschafts- und Sportplatzbau, die Landwirtschaftskammer Hamburg, die Fielmann AG und die hair & make up company. Außerdem informierten die Agentur für Arbeit, AOK Rheinland/Hamburg, Berufsakademie Hamburg, das Mädchenprojekt des Fachbereich Erstausbildung der Handwerkskammer Hamburg und die Lehrstellenagentur Handwerk die Schülerinnen und Schüler.
Unterstützt wurde die Handwerk-Jobtour 2009 von SAGA GWG, Vattenfall Europe Hamburg AG, Hamburger Volksbank und der AOK Rheinland/Hamburg.
Karin Gehle

