Die weiteren Aussichten?

Herbstkonjunktur Handwerk 2009

„Prima Klima“ oder trüben sich die Aussichten im Handwerk bei der anhaltenden Wirtschafts- und Finanzkrise doch wieder stärker ein? Der Blick auf die aktuelle Herbstkonjunktur verrät mehr.

Die Herbstkonjunktur 2009 im Bezirk der Handwerkskammer Schwerin setzt ihren leichten Abwärts­trend der letzten Jahre fort. Angesichts der Dramatik und Schärfe der weltweiten Wirtschaftskrise steht das Handwerk aber erstaunlich stabil da. Die Befragung der Betriebe im Kammerbezirk hat ergeben, dass der Geschäftsklimaindex lediglich um 2 Punkte gegenüber 2008 gesunken ist.

Aktuelle Geschäftslage und Umsatz
Die Bewertung der Geschäftslage im abgelaufenen Quartal sinkt leicht unter das Vorjahresniveau. Eine schlechte Geschäftslage beklagt nahezu jeder Vierte der befragten Handwerksbetriebe (23 %). Insgesamt beurteilt aber fast die Hälfte der befragten Betriebe ihre derzeitige geschäftliche Lage als befriedigend und 29% als gut.  Auch die Umsatzentwicklung zeigt sich gegenüber dem Vorquartal stabil. Wie im Vorjahr geben 67% der befragten Unternehmen gestiegene oder gleich bleibende Umsätze an (Vorjahr 66%).

Überdurchschnittlich viele Handwerksbetriebe im Bauhauptgewerbe (41%) bewerten ihre derzeitige Geschäftslage als gut und 37% noch als befriedigend. Offensichtlich wirken neben den saisonalen Effekten auch erste Maßnahmen aus dem Konjunkturpaket in Form bereits ausgelöster öffentlicher Aufträge. Durch die Effekte der inzwischen ausgelaufenen Umweltprämie verläuft die Beurteilung der geschäftlichen Lage im Kfz-Gewerbe unterschiedlich. Einerseits bezeichnen 14% der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, während 33% eine schlechte geschäftliche Lage bilanzieren.

Personalsituation und -bedarf

Die Gesamtbeschäftigtenzahl ist ein weiterer Indikator für Stabilität. 78% der Handwerksunternehmen geben eine unveränderte Beschäftigtenzahl an. Während 13% der befragten Betriebe Neueinstellungen angeben (Vorjahr 6%), melden 10% einen Rückgang (Vorjahr 3%). Im Bauhauptgewerbe zeigt sich mit 19% ein überdurchschnittlicher Beschäftigungszuwachs.

Auftragslage und Auslastung
Die Auftragseingänge zeigen sich im Vergleich zum Vorjahr geringfügig verändert. Insgesamt geben 45% (Vorjahr 51%) der Unternehmen stabile und 19% (Vorjahr 15%) gestiegene Auftragseingänge im Berichtsquartal an. Bei den Auftragseingängen ist aber zwischen den Gewerbegruppen zu differenzieren: Während im Kfz-Gewerbe keine zusätzlichen Auftragseingänge generiert werden, verbucht vor allem das Bauhauptgewerbe (33% der Betriebe) und das Nahrungsmittelhandwerk (27% der Betriebe) gestiegene Auftragseingänge. Die durchschnittliche Betriebsauslastung ist im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig. Eine nahezu vollständige Betriebsauslastung geben 39 % der Handwerksunternehmen (Vorjahr 44 %)an. 15 % beklagen eine zu geringe Betriebsauslastung (Vorjahr 12 %).

Preisentwicklung und Investitionen
Die Einkaufspreise haben sich gegen­über dem Vorquartal nur noch für 31% der befragten Betriebe erhöht (Vorjahr 67%). Aber nur 7% können über gesunkene Einkaufspreise berichten. Insbesondere im Nahrungsmittelhandwerk sind die Einkaufspreise überdurchschnittlich (45%) gestiegen. Höhere Verkaufspreise konnten nur 10% am Markt durchsetzen (Vorjahr 22%), 77% haben ihre Verkaufspreise konstant gehalten und 14% haben sie gesenkt (Vorjahr 9%). Die Investitionsbereitschaft der Handwerksbetriebe stagniert überwiegend auf dem Vorjahresniveau (49%). Überdurchschnittlich rückläufig sind die Investitionen im Gesundheitsgewerbe und im Kfz-Gewerbe. Hier haben jeweils 56% der befragten Unternehmen weniger Investitionen vorgenommen. Auch im Zuliefererbereich haben die Handwerksunternehmen ihre Investitionstätigkeit überdurchschnittlich zurückgenommen.

Erwartungen und Aussichten
Trotz anhaltender und in den Folgen nicht abschätzbarer Wirtschaftskrise gehen die Handwerksbetriebe verhalten optimistisch in das neue Quartal. Die zukünftige Geschäftslage wird von einem Viertel der Handwerksbetriebe als „gut“ eingeschätzt. Allerdings erwarten gleichzeitig 23% künftig eine schlechte Geschäftslage. Insgesamt übersteigen aber die positiven Erwartungen die negativen Befürchtungen.
Im Branchenblick wird die künftige geschäftliche Entwicklung im Kfz-Gewerbe  vor dem Hintergrund der nicht verlängerten Umweltprämie besonders pessimistisch eingeschätzt. Überdurchschnittlich positiv fallen dagegen die Erwartungen im Ausbau- und im Nahrungsmittelhandwerk aus.

Edgar Hummelsheim, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwerin, wertet die Ergebnisse der Konjunkturumfrage als weiteren Hinweis darauf, „dass das Handwerk in der Krise eine unverzichtbarer Stabilisator der wirtschaftlichen Entwicklung ist“.

Petra Gansen