Der Empfehlungsclub

Landwerk

Neun Betriebe mit seltenen Berufen und Werkstätten unter alten Dächern schlossen sich zum Landwerk zusammen. Ein Konzept, das auf Vertrauen und Miteinander setzt.

Im Norden Schleswig-Holsteins, im 200-Seelen-Dörfern Kalleby und Nübelfeld, wird der ländliche Strukturwandel gelebt. Neun Betriebe aus dem Handel und Handwerk schlossen sich in diesem Jahr zum Netzwerk „Landwerk“ zusammen. Unter anderem wollen sie gemeinsam zeigen,  dass Dörfer nicht sterben müssen und dass es auch möglich ist, abseits von Städten Arbeitsplätze zu schaffen.

Landwerk ist eine Wortkreation aus Leben, Handel und Handwerk und für die Unternehmer weit mehr als nur ein gewöhnlicher Handels- und Gewerbeverein, wie es ihn in vielen Kommunen gibt. Die Idee hatte Mathias Jürgensen, Händler alter Baustoffe. Er stellte fest, dass sich entlang der zwei Kilometer langen, idyllisch gelegenen Dorfstraße einige Selbstständige angesiedelt hatten. Jürgensen schrieb sie alle an und musste nicht lange auf eine Antwort warten. Alle waren begeistert, trafen sich und schmiedeten Pläne. Da jeder in einem alten Gebäude arbeitet, war ein gemeinsames Motto schnell gefunden: Arbeiten unter alten Dächern.

Sieben von neun Landwerkern: Torben Höner, Stefanie Höner, Jörg Müller-Kern, Claudia Litzki, Mathias Jürgensen, Hendrikje Müller und Jürgen Swoboda


Vom Vertrauen leben

Auf einen Kooperationsvertrag verzichteten sie. Bei ihnen zählt das Wort. „Wir treffen uns regelmäßig und planen Aktionen wie die Gestaltung eines Flyers oder einer Homepage“, sagt Jörg Müller-Kern, Metallbildner, für den die Kooperation gelebte Landtradition ist. Und die lebe von Vertrauen und einem gemeinsamen Hand in Hand. Müller-Kern nennt Landwerk einen Empfehlungsclub. Seit einigen Monaten steckt er in jede seiner Rechnungen einen Flyer und empfiehlt seinen Kunden die Leistungen seiner Partner. Die seien sehr dankbar für den Tipp und schätzen mittlerweile das umfangreiche Paket an selten Handwerksberufen, das sie in dem kleinen Dorf vorfinden. „Wir haben bemerkt, dass die Kunden uns zuvor in unseren Häusern weniger wahrnahmen, als wenn wir Hallen in Gewerbegebieten gehabt hätten“, sagt Mathias Jürgensen.

Tag der offenen Türen
Aus diesem Grund luden alle gemeinsam zum Tag der offenen Türen ein, der rund 1.000 Gäste in die Werkstätten lockte. Künftig wird dieser Tag alle zwei Jahre wiederholt – vielleicht sogar schon bald mit neuen Partnern. Unter den Gästen waren zahlreiche Handwerker. „In den Tagen danach hatten wir einige Anfragen von Firmen, die gerne in unser Dorf kommen würden“, berichtet Zimmerer Gerrit Zschiegner. Dies sei durchaus noch möglich, da immer noch einige Häuser und Werkstätten leer stünden. Viele der bisherigen Mitglieder seien schließlich auch als Wandergesellen nach Nübelfeld gekommen und machten sich dort selbstständig. Das Gelände des alten Getreidelagers konnte somit nach und nach zu Werkstätten umgebaut werden. „Es freut uns unsere Dörfer mit dem Landwerk zu einem Standort für traditionelles Handwerk und Handel gemacht zu haben“, sagt Jürgensen. So würden Arbeitsplätze vor Ort geschaffen und das historische Dorfbild mit seinen Gründerzeithäusern könne erhalten werden.

 

 

Die neun Landwerker
Diese Betriebe haben sich zum Landwerk in Kalleby zusammengeschlossen:
• Auto Höner (Kfz-Handel)
• Landhaus Höner (Windmühlen­urlaub)
• Holzbau Naumann & Zschiegner
• Metallbildnerei Jörg Müller-Kern
• Kai Müller (Antikmöbeltischler)
• Hendrikje Müller (Oldtimer-Hochzeitsfahrten)
• Jürgen Swoboda (Oldtimer-Restau­ration)
• Claudia Litzki (Architektin)
• Mathias Jürgensen (historische Baustoffe)

Internet: www.landwerk-nk.de

Jens Seemann