Es geht auch anders

Serie: die Berater unterwegs

Die aktuelle Umfrage zur Betriebsnachfolge der Handwerkskammern in Schleswig-Holstein hat ergeben, dass sich zwar 60 % aller Befragten eine Fortführung ihres Betriebes durch einen Nachfolger vorstellen können, aber fast die Hälfte der Befragten haben sich mit dem Thema noch überhaupt nicht auseinandergesetzt. Dass es auch anders geht, beweist die Übergabe des Bauunternehmens Hildebrandt aus Lübeck.

Stefan Seestädt kennt sich aus. In der Theorie. Und in der Praxis. Deswegen ist sein Rat bei Handwerksbetrieben gefragt. Stefan Seestädt ist Betriebsberater der Handwerkskammer Lübeck mit dem Schwerpunkt Übergabeberatung und Mitautor einer aktuellen Umfrage der Handwerkskammern Flensburg und Lübeck zum Thema „Betriebsnachfolge im Handwerk“. „Ich weiß aus vielen Beratungsgesprächen, dass zahlreiche Handwerksunternehmer immer noch die Augen davor verschließen, dass sie für ihren Betrieb einen geeigneten Nachfolger finden müssen“, sagt der 43-Jährige. Diese Einschätzung spiegelt sich auch in den Ergebnissen der aktuellen Umfrage zur Betriebsnachfolge wider.

Schlüsselübergabe: Daniel Hildebrandt (re.) übergibt seinem Nachfolger Andreas Behrens symbolisch die Schlüssel.
Positives Beispiel
Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel von Bauunternehmer Daniel Hildebrandt. Ex-Bauunternehmer müsste man sagen, denn er hat seinen Betrieb vor Kurzem an Andreas Behrens übergeben. Reibungslos, ohne größere Probleme. Und: Mit Hilfe von Stefan Seestädt. Damit passe Bauunternehmer Hildebrandt so gar nicht in seine aktuelle Umfrage, berichtet der Betriebsberater. Während weit über 40 % der Befragten sich mit dem Thema bisher noch gar nicht beschäftigt haben, ist Daniel Hildebrandt an dem Thema schon seit drei Jahren dran: „Ichwollte den Betrieb auf jeden Fall an einen Nachfolger übergeben, das war klar.“ In einer Aus-
gabe des NordHandwerks las er dann von der Betriebsvermittlungsbörse Change/Chance, nahm Kontakt zu Stefan Seestädt auf und versuchte so, einen Nachfolger zu finden. „Das wurde aber nichts. Wir hatten zwar zwei heiße Kandidaten, aber irgendwie hat es nicht gepasst“, berichtet Hildebrandt. Diese Erfahrung ist für Betriebsberater Seestädt nicht neu. Nach seinen Erfahrungen könne nicht jede Betriebsübergabe beim ersten Mal reibungslos funktionieren. Nach seiner Ansicht sei ein rechtzeitiges Beschäftigen mit dem Thema zwar wichtig; man dürfte allerdings keinen zu langen zeitlichen Vorlauf wählen. Die Übergabe des Betriebes inner-
halb von ein bis drei Jahren sei ein vernünftiger Zeitraum. „Vielfach bringen sich die Betriebsinhaber in eine zeitliche Bedrängnis, weil sie möglichst kurzfristig einen geeigneten Nachfolger brauchen“, so Seestädt weiter.

Hindernisse der Betriebsübergabe
Über die Internetseite Change/Chance fanden Daniel Hildebrandt und Betriebsübernehmer Andreas Behrens dann doch zusammen. „Ein Kollege von mir kannte die Seite. Ich habe mir dann die Eckdaten angesehen und Kontakt mit Herrn Hildebrandt aufgenommen“, erzählt der 30-jährige Behrens. „Gleich beim ersten Telefonat haben wir dann über Geld gesprochen“, ergänzt Hildebrandt lachend.

Damit fällt er schon wieder aus dem Raster. Der aktuellen Umfrage zur Folge wurden nämlich die Höhe von Miete, Pacht und Verkaufspreis mit einem deutlich gestiegenen Anteil von fast 45 % als größtes Hemmnis bei der Betriebsübergabe genannt. Das Problem der Finanzierung – 1998 noch größter Stolperstein – folgt dann mit knapp 30 % an zweiter Stelle. Dies kann Bauunternehmer Daniel Hildebrandt allerdings bestätigen. „Nicht alle Banken sind super“, sagt er und Betriebsberater Seestädt nickt, kennt er doch das Problem mit vielen Geschäftsbanken.

Bis Ende des Jahres wird Hildebrandt dem Jungunternehmer Andreas Behrens noch als Berater zur Seite stehen. Dann ist Schluss. So ganz aufhören kann der 60-jährige allerdings nicht. In Zukunft will er sich verstärkt um seine Tätigkeit als Gebäudeenergieberater kümmern. Seinen Betrieb weiß er bei Andreas Behrens in guten Händen: „Gerade meine Mitarbeiter sind gut versorgt.“ Andreas Behrens ergänzt: „Die Mitarbeiter sind das Kapital des Unternehmens und Teamgeist ist unglaublich wichtig für mich.“ So ist dann auch Stefan Seestädt zufrieden, dass die Betriebsnachfolge in diesem Fall so gut geklappt hat.
Wenn Sie mehr zu diesem Thema lesen wollen: Die aktuelle Umfrage zur Betriebsnachfolge finden Sie im Internet unter www.hwk-luebeck.de oder Sie rufen Stefan Seestädt (Tel.: 0451 1506-230) an. Denn: Der kennt sich aus.

Ulf Grünke