Anregungen für deutsch-dänischen Dialog

Minister Döring informierte sich beim Handwerk

Noch vor der Sommerpause traf sich der damalige schleswig-holsteinische Minister für Justiz, Arbeit und Europa, Uwe Döring, mit Vertretern des Handwerks in Flensburg. Neben dem Thema „Beschäftigung“ wurden auch Erfahrungen im grenzüberschreitenden Arbeiten erörtert. Der Minister nahm einige Anregungen mit nach Kiel. Gerade der EU-weit vereinbarte freie Waren- und Dienstleistungsverkehr stößt noch auf einige Hemmnisse.

 

Das Thema „Beschäftigung“ und deren zukünftige Entwicklung spielt für das Ministerium eine gravierende Rolle. „Momentan stehen wir im Vergleich zu anderen Bundesländern noch relativ gut da“, so Döring. Allerdings werde sich Ende des Jahres der Arbeitsmarkt eintrüben. In Dänemark sei dieser bereits eingebrochen. Das belege auch eine sinkende Grenzpend-lerzahl. „Dennoch gibt es schon bald einen Fachkräftemangel, für den die Wirtschaft beiderseits der Grenze geeignete Konzepte benötigt. Am besten mit passgenauer Weiterbildung.“ Wichtig sei u. a. aber auch die gegenseitige Anerkennung von Berufsabschlüssen. „Wir sind seit zwei Jahren mit den Dänen im Gespräch und wollen das erreichen, was bereits mit Frankreich und Österreich vereinbart ist“, so Döring.

In großer Runde wurde auch über Probleme im grenzüberschreitenden Wirtschafts- und Warenverkehr berichtet, die in den regelmäßigen Gesprächen mit der dänischen Seite erörtert werden sollen.


Deutsch-dänische Grenze

Gerade im Hinblick auf die Verhältnisse an der deutsch-dänischen Grenze fordert das Handwerk eine weitere Harmonisierung des Steuer- und Abgabensystems in Europa. Die bestehenden Unterschiede bei den Tariflöhnen würden den zukünftigen Wettbewerb um die besten Fachkräfte wieder anheizen. Zusätzlich erschwerten auf dänischer Seite neue Arbeitsschutzbestimmungen, Zusatzzertifikationen und sehr lange Wartezeiten auf die Zulassung in den Elektro- und SHK-Berufen das grenzüberschreitende Arbeiten. Darüber hinaus bestätigten die Handwerksunternehmer Einschränkungen bei der Materialeinfuhr. So sei man gezwungen, auf dänische Produkte zurückzugreifen. Döring versprach, dies auch zum Thema bei den regelmäßigen Koordinierungsgesprächen mit der dänischen Seite zu machen. „Protektionismus hilft auch der dänischen Seite nicht weiter“, so Döring.
Teilweise recht positive Erfahrungen machen derzeit die Gesundheitshandwerke. So würden dänische Kunden verstärkt Leistungen von Augenoptikern in Flensburg nachfragen. Auch die Versorgung von Patienten in Dänemark mit Waren und Dienstleistungen aus dem Orthopädie-technikbereich würde langsam anlaufen. Es gäbe zwar andere Versorgungswege im dänischen Gesundheitswesen, hinsichtlich Preis und Qualität seien deutsche Produkte aber absolut konkurrenzfähig.
Beim Thema „Beschäftigung“ kritisierte das Handwerk den Trend zu immer größeren Einkaufszentren auf der grünen Wiese. Dieser hätte die Arbeitsplatzvernichtung im innerstädtischen Bereich zur Folge. Auch Bäckereien und Fleischereien seien von einer zunehmenden Konkurrenz von Aldi & Co.  betroffen. Im Zuge der Landesentwicklung müsste zudem angestammten Betrieben in ihren Gemeinden eine betriebliche Erweiterung ermöglicht werden. „Der ländliche Raum darf nicht vernachlässigt werden“, so der Tenor. Und bei der Verkehrsinfrastruktur fordert das Handwerk an der Westküste „eine dem Verkehr gewachsene Nord-Süd-Verbindung“. Auch die Ost-West-Verbindung im nördlichen Landesteil bedürfe einer Verbesserung.

Andreas Haumann