Geringfügig besser

Konjunkturumfrage für das II. Quartal 2009

Die vierteljährliche Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Flensburg erbrachte für das II. Quartal des Jahres 2009 ein schwächeres Ergebnis als zuvor prognostiziert. Zwar konnte eine minimale Verbesserung der Geschäftslage gegenüber dem I. Quartal festgestellt werden. Einige Branchen hatten aber eine deutlichere Belebung erwartet.

Rund 400 Betriebe aus dem Kammerbezirk (Kreise Dithmarschen, Nordfriesland, Rendsburg-Eckernförde, Schleswig-Flensburg und die Stadt Flensburg) nahmen an der Umfrage teil. Die Geschäftslage wurde von 20 % mit „gut“, von 50 % mit „befriedigend“ und von 30 % mit „schlecht“ beurteilt (Vorquartal: 19 %, 46 % und 35 %). Dabei verzeichnete das Handwerk einen leichten Personalrückgang. Auch die zukünftige Auslastung wurde von jedem zweiten Betrieb rückläufig gemeldet. Die anderen Kennzahlen blieben mit wenigen Ausnahmen unter dem Vorquartalsniveau.

Die Branchen im Einzelnen

Das Bauhauptgewerbe blieb unter seiner Prognose. Das Ergebnis von 18 % „gut“, 45 % „befriedigend“ und 37 % „schlecht“ lag nur leicht oberhalb des Vorquartals. Fast jeder zweite Betrieb sprach von weniger Umsatz und Auftragsbestand, jeder vierte entließ Personal. Besser als der Durchschnitt schnitten die Zimmerer ab. Die Branche bleibt aber für das III. Quartal 2009 optimistisch und hofft vermutlich auf die schnelle Umsetzung der Baumaßnahmen aus dem Konjunkturpaket II. An eine Verbesserung glauben 25 % (6 % an eine Verschlechterung). Die Mitarbeiterzahl wird ebenfalls leicht steigen.
Auch das Ausbaugewerbe blieb hinter den Erwartungen zurück. 24 % sprachen von einem guten, 47 % von einem befriedigenden und 29 % von einem schlechten Quartal. Besser als der Durchschnitt urteilten Maler und Glaser, schlechter die SHK-Berufe und die Fliesenleger. Investitionen, Umsatz und Auftragsbestand waren leicht rückläufig. Keine große Änderung wird im Sommer erwartet. 68 % gehen von gleichen Verhältnissen aus. Je 16 % glauben an eine Verbesserung bzw. Verschlechterung. 29 % der Betriebe werden allerdings wohl weniger investieren.
Die Handwerke für den gewerblichen Bedarf erreichten mit 21 % „gut“, 45 % „befriedigend“ und 34 % „schlecht“ ähnliche Werte wie im Vorquartal. Über weniger Personal berichtete jeder fünfte Betrieb, darunter besonders Informationstechniker und Metallbauer. Ursache für die Stagnation: der sinkende Auftragsbestand (bei 52 %) und Umsatzeinbußen (bei 47 %).

Verkaufspreise und Investitionen entwickelten sich bei ca. einem Drittel der Betriebe rückläufig. Uneinheitlich fällt die Prognose für das III. Quartal aus. Jeweils 26 %glauben an eine Verbesserung bzw. Verschlechterung, 48 % an keine Änderung. Bei konstanter Mitarbeiterzahl rechnen 43 % mit weniger Investitionen. Leicht verbessert präsentierte sich das Kraftfahrzeuggewerbe: 20 % „gut“, 60 % „befriedigend“ und 20 % „schlecht“ lauteten die Rückmeldungen. Obwohl Investitionen (bei 50 %) und Umsatz (bei 40 %) sanken, blieben Verkaufspreise, Auftragsbestand und Beschäftigtenzahl stabil. Das durch die „Abwrackprämie“ teilweise zu erklärende konjunkturelle Zwischenhoch erhält im III. Quartal einen leichten Dämpfer. Nur noch 10 % glauben an eine bessere, 30 % dagegen an eine schlechtere Konjunktur. Der erwartete Nachfragerückgang (bei 40 %) lässt jeden zweiten Betrieb weniger investieren.

Das beste Branchenergebnis erreichte das Nahrungsmittelgewerbe und legte gegenüber den Vergleichsquartalen sogar noch zu. 27 % „gut“ und 73 % „befriedigend“ lautete die Quartalsbeurteilung. Im Sog dieser guten Bilanz stellten vor allem Bäcker mehr Personal ein. Aber auch der Auftragsbestand (bei 18 %), die Investitionen (bei 27 %) und besonders der Umsatz (bei 45 %) entwickelten sich positiv. Auch die weitere Prognose zeigt Optimismus: 27 % glauben an eine Verbesserung, 73 % an vergleichbare Bedingungen. Fast jeder zweite Betrieb erwartet eine Nachfragesteigerung. Entsprechend der Prognose entwickelte sich das Geschäft im Gesundheitsgewerbe.60 % berichteten von einer befriedigenden, 40 % von einer schlechten Geschäftslage. Mehrheitlich zufrieden zeigten sich die Hörgeräteakustiker, anders verhielt es sich bei Orthopädie-schuhmachern und Augenoptikern. Umsatz und Investitionen gingen bei je 40 % zurück. Die übrigen Kennzahlen blieben konstant. Vom III. Quartal erwarten 60 % der Betriebe keine Änderung. Je 20 % glauben an eine Verbesserung bzw. Verschlechterung. Die Mitarbeiterzahl wird sich leicht reduzieren. Trotz einer erwarteten Nachfragesteigerung gehen auch die Investitionen tendenziell zurück (bei 40 %).
Etwas besser als im Vorquartal beurteilte das personenbezogene Dienstleistungsgewerbe die Konjunktur. 9 % sprachen von einer guten, 55 % von einer befriedigenden und 36 % von einer schlechten Geschäftslage. Bootsbauer und Zweiradmechaniker profitierten vom Frühjahr. Unter dem Durchschnitt dagegen das Ergebnis bei Gold- und Silberschmieden und Buchdruckern. Mitarbeiterzahl, Verkaufspreise und Investitionen blieben konstant. Rückläufig war dagegen der Auftragsbestand (bei 63 %) und der Umsatz  (bei 45 %). Im III. Quartal rechnet das Gros (82 %) mit keiner Veränderung. Jeweils 9 % rechnen mit einer Verbesserung bzw. Verschlechterung. Die übrigen Kennzahlen bleiben unverändert.

Prognose: wenig Belebung im Sommer
Die z. T. deutlich verfehlte Prognose für das II. Quartal hat viele Betriebe bei ihrer weiteren Einschätzung vorsichtiger gemacht. 66 % rechnen für das III. Quartal mit keiner Veränderung. 19 % glauben an eine bessere Konjunktur, 15 % an eine schlechte. Während die Beschäftigtenzahl nahezu konstant bleibt, entwickeln sich Nachfrage und Verkaufspreise leicht rückläufig. Tendenziell jedenfalls scheint die Wirtschaftskrise auch das Handwerk zunehmend zu verunsichern. Dies zeigt die vorliegende Prognose.

Andreas Haumann