Frühjahrsaufschwung bleibt aus
Konjunkturumfrage
Nach dem überraschend moderaten Stimmungsrückgang im Winterquartal 2009 verspürt jetzt auch das Handwerk mit zeitlicher Verzögerung die eingebrochene deutsche Konjunktur. Neben den seit Monaten stark rückläufigen Exporten ist jetzt auch die zuletzt noch vergleichsweise stabile Binnenkonjunktur von der Wirtschaftskrise erfasst.
Die Stimmungslage der Handwerksbetriebe hat sich in den Frühjahrsmonaten 2009 nur geringfügig verbessert. Etwa 300 Handwerksbetriebe haben auch diesmal wieder an der vierteljährlichen Konjunkturumfrage teilgenommen und beurteilten ihre wirtschaftliche Situation gegenüber demI. Quartal 2009 wie folgt: 21 % nannten sie gut, 48 % befriedigend und 31 % schlecht (Vorquartal: 19 % gut, 50 % befriedigend, 31 % schlecht). „Kein Einbruch, aber auch kein Aufbruch“, brachte Horst Kruse, Präsident der Handwerkskammer Lübeck, die aktuelle Stimmungslage im Handwerk auf einen Nenner. Bei vielen Betriebsinhabern sei eine gewisse Verunsicherung zu spüren, dies betreffe insbesondere die Auftragsreichweiten. „Vielen meiner Kollegen fehlt einfach die Planungssicherheit, was die Aufträge der nächsten Wochen und Monate angeht“, so Kruse weiter.Der ausbleibende Frühjahrsaufschwung belegt, dass jetzt auch das Handwerk mit zeitlicher Verzögerung die eingebrochene deutsche Konjunktur verspürt. Die vielfältigen Konjunkturbelebungsmaßnahmen, insbesondere das Konjunkturpaket II, entfalten zum Teil aufgrund bürokratischer Hemmnisse noch gar nicht ihre Wirkung, so dass die Handwerksbetriebe noch vergeblich auf die so wichtigen staatlichen Investitionen und Aufträge warten müssen. Die erreichten Werte des II. Quartals 2009 lagen etwas unter den Erwartungen für das II. Quartal 2009 (Soll-Ist-Vergleich), denn 18 % der Betriebe prognostizierten dort eine
gute Geschäftslage, 62 % kaum Veränderungen und 20 % eine verschlechterte Situation.
Auch für das Sommerquartal 2009 rechnen die Betriebe mit keiner Belebung, denn nur 13 % der Betriebe prognostizieren eine Verbesserung, 68 % kaum Veränderungen und 19 % eine Verschlechterung ihrer Situation. Der Konjunkturindex, also der Anteil der guten und die Hälfte der befriedigenden Einschätzungen für einen langfristigen Vergleich, stieg leicht von 44 auf 45 Punkte. Dadurch blieb der durchschnittliche Konjunkturindex ab 1994 auf dem Niveau von 45,4 Punkten. Die weiteren Stimmungsindikatoren des II. Quartals 2009 wie Auftragsbestand, Umsatz, Investitionen, Beschäftigtenzahlen und Verkaufspreise lagen alle im negativen Bereich und untermauern insgesamt die enttäuschende Stimmung. „Zu der insgesamt sehr verhaltenen Prognose für den weiteren Jahresverlauf tragen die mit zeitlicher Verzögerung eingetretenen negativen Wirkungen des starken Konjunktureinbruchs bei“, so Kammerpräsident Kruse. Außerdem sei es kontraproduktiv, wenn angekündigte Konjunkturpakete nicht ihre Wirkung entfalten können, weil staatliche Investitionen „auf die lange Bank geschoben werden“. Jetzt sei es wichtig, dass diese erheblichen auftragswirksamen Maßnahmen für Handwerksbetriebe durchgeführt werden und nicht aufgrund von bürokratischen Hemmnissen ins nächste Jahr verschoben werden.
Die ausführliche Konjunkturumfrage lesen Sie wie gewohnt im Internet unter www.hwk-luebeck.de. 
Heiko Nissen

