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Staatssekretärin Zieschang zu Gast in Flensburg

Neu im Amt und mit großem Interesse am Handwerk – so präsentierte sich Tamara Zieschang, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr des Landes, bei einem Besuch in Flensburg. Im Fokus stand dabei der persönliche Kontakt mit selbstständigen Handwerkern, um direkt etwas über deren aktuelle Situation zu erfahren.

Staatsekretärin Tamara Zieschang informierte sich umfassend
Was umtreibt Handwerk? Mit welchen Problemen haben Betriebe zu kämpfen? Um Fragen wie diese kreisten die Gespräche, die Staatssekretärin Zieschang mit Handwerkern aus dem Bereich der Lebensmittel- und Baubranche führte. Nicht exemplarisch, wie sie zum Abschluss selbst bekannte. „Mir ist klar, dass sich die Probleme von Betrieb zu Betrieb natürlich unterscheiden. Dennoch war es interessant und auch hilfreich, verschiedene Dinge vor Ort zu thematisieren.“

Innerstädtische Nahversorgung gefährdet
Beim Besuch der Flensburger Schlachterei Jepsen informierten Geschäftsführer Claus Jepsen und sein Sohn Malte über die Entwicklung und die derzeitige Situation des Betriebes. Sorgen bereitet vor allem die Ansiedlungen von Supermärkten auf der grünen Wiese. „Mittlerweile haben wir in Flensburg die höchste Supermarktdichte in Deutschland“, so Claus Jepsen. Supermärk-te und Lebensmittelketten würden aber mit ihren eigenen Zentral-Fleischereien die handwerkliche Struktur in der Fleischerbranche im innerstädtischen Bereich existenziell gefährden. Dies gelte zunehmend auch für Bäckereien. Auch spüre das Fleischergewerbe aufgrund der Umsatzentwicklung die Folgen des harten Winters. „Und wir haben leider aus betrieblichen Gründen nicht die Möglichkeit, Kurzarbeit anzumelden“, so der Seniorchef.
Besonders kritisch werteten Malte und Claus Jepsen auch die ausufernden Statis-tikpflichten. Die Staatssekretärin erhielt hierzu eine Auflistung von zahlreichen Statistiken, deren Bearbeitung viel Zeit und damit auch Geld kosten. „Mittlerweile füllen diese ganzen Statistiken eine Vielzahl von Ordnern“, so Malte Jepsen. Probleme bei der Besetzung von Lehrstellen – „leider ist der Beruf des Fleischers derzeit unpopulär“, so Malte Jepsen – und vor allem die mangelnde Ausbildungsfähigkeit vieler Schulabgänger waren weitere Themen. Hierzu bekräftigte die Staatssekretärin, dass sich die Landesregierung bemühe, beim Thema Ausbildungsfähigkeit zu Verbesserungen zu kommen.

Liquiditätssituation durchlangen Winter verschärft
Bereits in der dritten Generation befindet sich das Baugeschäft Jes Peter Clausen in Freienwill (Kreis Schleswig-Flensburg), das von Claus-Peter und Volker Clausen geführt wird. Der 26 Mitarbeiter starke Betrieb, der die komplette Hochbaupalette im privaten, gewerblichen und auch landwirtschaftlichen Bereich abdeckt, hat sich in letzter Zeit auch verstärkt dem Aufstellen von Photovoltaik-Anlagen gewidmet. „In diesem Bereich sind noch bis zum 1. Juli etliche Aufträge abzuarbeiten“, betonte Claus-Peter Clausen, denn mit dem 1. Juli ändert sich die Einspeisungsvergütung. Dadurch, dass der harte Winter auch Baugeschäfte mehr oder weniger zur Untätigkeit gezwungen hat, hätten auch sehr viele Dinge vorfinanziert werden müssen. „Natürlich weiß man, was für Zahlungen Anfang des Jahres kommen und man bereitet sich vor. Dieser Winter hat die Situation jedoch deutlich verschärft“, so Volker Clausen.

Beim Baugeschäft in Freienwill wie auch bei der Fleischerei in Flensburg wurde dabei festgestellt, dass die Kreditinstitute sich bei der Finanzierung von Betriebsmitteln mehr und mehr zurückziehen würden. Dadurch fehle gerade aufgrund des doch langen Winters sicherlich vielen Betrieben die notwendige Liquidität. Aufgrund der guten Auftragslage starten die Clausens aber zuversichtlich in das Jahr 2010.
Hinsichtlich der Erfahrung mit dem Konjunkturpaket II äußerten sich die beiden kritisch über die häufig sehr kurzfris-tige Abwicklung und die enge Terminsetzung. Zudem sei feststellbar, dass gerade bei größeren Bauvorhaben auch Betriebe aus Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern zum Zuge kämen. Dennoch konnten beide davon berichten, dass die ausschreibenden Stellen weitestgehend von den Möglichkeiten Gebrauch machen würden, die ihnen die veränderten Vergaberichtlinien erlauben.

Andreas Haumann