Verbindung zu den Schülern aufbauen
Jochmann GmbH schließt Schulkooperation
Nico Skiba, Vertriebsleiter des Sanitärfachbetriebes Jochmann in Parchim, hat beim Thema Ausbildung die Perspektive gewechselt. Oft wunderte er sich, dass zu Tagen der offenen Tür nur wenige Schüler in die Firma kamen – bis er wie ein Schüler dachte: „Welchen Grund gibt es für mich, wenn ich noch nicht weiß, was ich will, in ein Unternehmen zu gehen, das ich nicht kenne und das nicht meinen Vorstellungen entspricht? Keinen.“
Nico Skiba sucht nach Möglichkeiten, Schüler für eine Handwerksausbildung zu begeistern. |
Da Skiba selbst Vater eines Sohnes in der neunten Klasse ist, weiß er, wovon er spricht. Im nächsten Schritt stellte er sich als Unternehmer die Frage, welche Möglichkeiten seine Firma hat, an die Schüler heranzukommen. Er beschloss, in den Unterricht zu gehen, und lief am Gymnasium in offene Arme. Dort gab es eine Lehrerin, die die Wirtschaft stärker in den Fokus des Unterrichts rücken wollte. Gemeinsam entwickelten sie ein freiwilliges Schulfach „Angewandte Naturwissenschaften“, in dem sie beispielsweise mit Schülern die Vorteile einer energetischen Sanierung der Turnhalle erarbeiten. Nur zehn der über 500 Schüler nutzen dieses Angebot – und fast alle wollen lieber Arzt als Handwerker werden. Skiba weiß, dass das Gymnasium nicht die optimale Quelle für künftige Azubis ist. Doch die Schulleitung und Lehrer der Regionalschule in Parchim sperren sich gegen die Wirtschaft. „Die haben Angst, wenn ihnen Externe reinreden“, sagt Skiba. Er aber mscht sich nit in den Unterricht ein, sondernwill mit praktischen Projekten Begeisterung für seinen Beruf wecken. Dafür schloss sein Unternehmen vor wenigen Monaten einen Kooperationsvertrag mit dem Gymnasium. Meist wissen die Jugendlichen nicht, dass Sanitärbetriebe weit mehr Aufgaben erfüllen, als Rohre zu verlegen. Mit seinem Engagement möchte er künftige Fachkräfte finden und Jugendlichen in der strukturschwachen Region rund um Parchim zeigen, dass sie nicht abwandern müssen, um einen spannenden Beruf zu erlernen.
Jens Seemann