Handwerk genießt Vertrauen

Neujahrsempfang in Lübeck

Worin liegt der Unterschied zwischen Unternehmern und Managern? Wer kommt als erstes aus der Krise? Antworten auf diese und andere Fragen gab es beim Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft Lübeck.

Mit Optimismus ins neue Jahr (v. li.): Hans Falkenhagen, Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer und Dr. Josef Schlarmann.
Kreishandwerksmeister Hans Falkenhagen prangerte die hohe Staatsverschuldung an und warnte vor einem „Leben auf Pump“. Die Bundesrepublik habe 1,6 Billionen € Schulen angehäuft, müsse 40 Milliarden € Zinsen pro Jahr zahlen und die letzte Tilgung sei 1961 erbracht worden. Unterschiedliche Ansichten gab es daher auch zum Wachstumsbeschleunigungsgesetz. Während es Falkenhagen ablehnte, weil es „gigantische Löcher in die Haushalte“ reiße, sah Festredner Josef Schlarmann, Bundesvorsitzender der Mittelstandsvereinigung Deutschland (MIT), durchaus positive Aspekte. „Durch die Entlastung von 20 Milliarden € pro Jahr wird die Konjunktur angeschoben und Arbeitsplätze geschaffen. Nur durch eine starke und gesunde Wirtschaft und damit eine hohe Anzahl von Arbeitsplätzen können die Staatsfinanzen ausgeglichen werden“, so Schlarmann.

Familienunternehmen

In seinem Vortrag beschrieb Schlarmann die derzeitige Krise als Vertrauenskrise, aus der diejenigen als erstes herauskämen, die das Vertrauen der Kunden genössen. Das seien „Familienunternehmen des Mittelstands, besonders des Handwerks“, so der MIT-Vorsitzende. Mittelständler legten eine „unglaubliche Widerstandskraft“ an den Tag. Dies sei auch kein Wunder, denn wer einen Familienbetrieb in zweiter oder dritter Generation führe, gebe nicht auf. Das sei der entscheidende Unterschied zwischen einem Familienunternehmen und Kapitalgesellschaften, bei denen es um Rendite gehe. „Stimmt die Rendite nicht, wird das Unternehmen abgestoßen“, so sein Fazit. Daher tue die Bundesregierung gut daran, dem Mittelstand zu vertrauen.

Kleinbetriebe auch als Maßstab

Auch Horst Kruse, Präsident der Handwerkskammer Lübeck, sieht die Kleinbetriebe des Mittelstands als Bollwerk gegen die Wirtschaftskrise. Alle Gesetze im Bund und im Land müssten sich am Mittelstand ausrichten, denn dieser stelle die Mehrheit der Betriebe und Beschäftigten innerhalb der Wirtschaft. „Wir wollen keine Gesetze für die Großindustrie, die durch Sonderregelungen und Spezialklauseln für den Mittelstand einigermaßen erträglich sind. Wir wollen einen Strategiewechsel hin zu einer generellen Politik für den Mittelstand“, so der Kammerpräsident.

Andreas Katschke