„Bürger und Betriebe entlasten“

176. Sitzung der Vollversammlung

Bei der Herbst-Vollversammlung der Handwerkskammer Flensburg berichtete erstmals der im Mai 2009 neu gewählte Präsident Eberhard Jürgensen über handwerkspolitische Themen im Zeichen der neuen Regierungen auf Bundes- und Landesebene. Neben den Regularien waren die Imagekampagne, die Einführung neuer Obermeister und eine seltene Ehrung weitere Themen.

„Die Konjunkturumfrageergebnisse des Jahres 2009 bestätigen, dass das Handwerk weit weniger von der Wirtschaftskrise betroffen ist als andere Wirtschaftszweige“, stellte Präsident Eberhard Jürgensen zu Beginn seines Berichtes fest. Ca. 80 % der Betriebe würden nach wie vor ihre Geschäftslage positiv bewerten. Dabei zeige sich, dass „das Handwerk bis auf wenige Ausnahmen nicht vom Export abhängig ist, die Binnennachfrage sich unverändert robust präsentiert und sich die Themen Energie und Energieeinsparung steigender Nachfrage erfreuen“ würden. Kritik übte er dagegen an der schleppenden Umsetzung der Baumaßnahmen im Rahmen des Konjunkturpaketes II.

Gerda Sohst freute sich sichtlich über die Ehrung durch Präsident Eberhard Jürgensen (Bildmitte) und die lobenden Wortevon Hauptgeschäftsführer Udo Hansen.
Pläne zur Entlastung begrüßt
Mit Blick auf die schwarz-gelbe Koalition auf Bundesebene begrüßte Jürgensen die geplante Entlastung von Betrieben und Bürgern. „Auch die angedachten Korrekturen bei der Erbschaftssteuer werden dem Handwerk nützen“, so der Präsident zur geplanten Verkürzung der Haltefrist und der Absenkung der zu erhaltenden Lohnsumme. Die Lohnsummenregelung gelte zudem zukünftig nur noch für Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern. „Ein Großteil unserer Betriebe wird davon nicht mehr betroffen sein.“Über die Entscheidung zur Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes für Beherbergungsleistungen von Hotels und Gaststätten zeigte sich Jürgensen indes verwundert: „Die Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes wird schon seit längerem gerade für den personalintensiven Handwerken gefordert.“ Im Gegensatz zu dem nun begünstigten Wirtschaftsbereich habe vor allem das Handwerk bereits unter der Mehrwertsteuererhöhung auf 19 % gelitten. „Das hat Wachstum verhindert und der Schwarzarbeit genützt.“ Die Forderung nach „mehr Netto vom Brutto“, wovon vor allem die Mitarbeiter profitieren sollen, decke sich dagegen mit den gesteckten Zielen der neuen Regierung. Jürgensen freute sich generell über die namentliche Erwähnung des Handwerks im Koalitionsvertrag, in der auch die Bedeutung der Meisterqualifikation erwähnt sei. Sorgen bereitet ihm dagegen die Situation auf dem Kreditmarkt, da die günstigen Leitzinsen nicht weitergegeben würden und durch die restriktive Kreditvergabe eine Kreditklemme für die Betriebe spürbar werde.

Förderung beibehalten
Auch bei der ebenfalls schwarz-gelben Regierungskoalition auf Landesebene sei das Handwerk im Koalitionsvertrag genannt. „Ich hoffe natürlich, dass die darin erwähnte Förderung der überbetrieblichen Ausbildung weiterhin Bestand hat“, so Jürgensen. Bislang fördert das Land die Ausbildungsbetriebe im Handwerk für den Bereich der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung mit insgesamt 3,1 Mio. € pro Jahr. Für die weitere Entwicklung des Handwerks setzt der Kammerpräsident große Hoffnung in die 2010 startende und für zunächst fünf Jahre geplante Imagekampagne. Diese verfolge das Ziel, die Größe, Vielseitigkeit und Innovationskraft des Handwerks in der Öffentlichkeit bekannter zu machen, um besonders Schulabgängern die herausragenden beruflichen Perspektiven zu verdeutlichen.

Kammerhauptgeschäftsführer Udo Hansen
skizzierte die wesentlichen Kampagnenmaßnahmen des Jahres 2010. Offiziell startet die Kampagne am 16. bzw. 17. Januar 2010 als TV-Spot in den privaten und öffentlich-rechtlichen Fernsehprogrammen. Zeitgleich wird deutschlandweit mit Plakaten, Zeitungsanzeigen und vielem mehr geworben werden. „Wir haben die einzigartige Chance, über die knapp fünf Millionen Beschäftigten im Handwerk die Kampagne weiterzutragen. Es ist deshalb auch wichtig, dass möglichst viele Betriebe die Möglichkeiten der Kampagne für ihre eigenen Zwecke nutzen.“

Amtseinführung und Ehrung
Anlässlich der Vollversammlung führte Kammerpräsident Jürgensen auch die neugewählten Obermeister Johannes Thomsen (Tischler-Innung Flensburg Stadt und Land) sowie Peter Hermann Todt (Raumausstatter-Innung Nord) in ihr Amt ein und wünschte Ihnen für dieses verantwortungsvolle Ehrenamt viel Erfolg. Abschließend gab es dann noch eine Ehrung mit Seltenheitswert. Die Auszeichnung mit dem Ehrenmeisterbrief ging an eine Person, die nicht aus dem Handwerk stammt: Geehrt wurde im Namen beider Kammern mit Gerda Sohst eine langjährige Mitarbeiterin des Wirtschaftsministeriums. Laudator Udo Hansen zählte zahlreiche ihrer Verdienste für das Handwerk auf, für das sie 25 Jahre lang in verschiedensten Funktionen zuständig war. „Herausragend war dabei sicherlich Ihre Einflussnahme bei der HwO-Novellierung, bei der Sie gemeinsam mit dem damaligen Minister Rohwer dafür gesorgt haben, dass deutlich mehr Berufe der Anlage A erhalten geblieben sind, als ursprünglich geplant.“

Andreas Haumann