Erhellendes zum Thema Krise

Obermeistertagungen in Niebüll

Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen ist seit 2002 regelmäßig Referent auf der Herbsttagung der Kreishandwerkerschaften Nordfriesland Nord und Süd. Doch von Abnutzungserscheinungen keine Spur. In gewohnt süffisanter, provokanter und auch erhellender Art sezierte er einmal mehr politische Aussagen und Maßnahmen.

Bernd Raffelhüschen (Mitte) im Gespräch mit Hans-Jürgen Grube (li.) und Ingwer Christophersen.
Humorvoll und mit kleinen Seitenhieben versehen, verstand es Bernd Raffelhüschen auch in Niebüll wieder, wissenschaftliche Zusammenhänge verständlich zu präsentieren. Im Fokus stand dabei die Finanz- und Wirtschaftskrise. „In den Medien wird die aktuelle Krise gerne als größte Wirtschaftskrise aller Zeiten dargestellt. Das ist ganz einfach falsch“, stellte der  Professor klar. Beim Blick zurück reichten bereits wenige Jahre, um auf eine noch größere Krise zu stoßen: die Internetblase der 90er Jahre. „Damals sank der DAX von 8.000 auf 2.600 Punkte. Deutlich tiefer als zuletzt.“ Auch die Ölkrise in den 70er Jahren hätte weltweit größere Folgen gehabt. „Die wirtschaftliche Entwicklung verläuft stets in Sinuskurven. Die jetzige Krise ist bei weitem nicht die größte, vom Verlauf her aber die steilste“, stellte der Professor klar. Daraus konstruiere die Regierung jedoch schon wieder ein Einnahmenproblem. „Auch das ist falsch.“ Dies belege bereits der Blick in die Monatsberichte der Bundesbank oder das statistische Jahrbuch.

Ausgabenproblem
Anhand von Grafiken zeigte Raffelhüschen, dass Bund, Länder und Gemeinden im Jahr 2008 das höchste jemals erzielte Steueraufkommen hatten. Das Ergebnis des „Krisenjahres 2009“ werde nur geringfügig darunter liegen. „Also haben die Politiker kein Einnahmen- sondern ein Ausgabenproblem.“ Statt Schuldentilgung würden jedoch jährlich 70 Milliarden € Zinsen gezahlt – exakt der Betrag, der bislang für Bildung vorgesehen sei. „Der Staat muss aber mehr in die Bildung investieren. Nur das garantiert zukünftig Wachstum.“ Kritik ernteten auch Rettungsaktionen wie zuletzt bei Opel. „In den nächsten zehn bis zwölf Jahren verschwindet jede dritte Marke“, so seine Prognose. „Und Opel ist seit 1928 auch keine deutsche Firma mehr, sondern eine Betriebsstätte eines US-Konzerns.“ Jede Bestandsgarantie sei daher „Blödsinn“.
Zuvor hatten schon Ingwer Christophersen, stellvertretender Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Nordfriesland Nord, und Bernd Eichner, seit Mai 2009 Vizepräsident der Handwerkskammer Flensburg, das Thema Wirtschaftskrise aufgegriffen. So stellte Christophersen die rhetorische Frage: „Was hat uns das Jahr gebracht?“ Seine Antwort lautete: „Eine Finanzkrise, eine Wirtschaftskrise, die Abwrackprämie und nun auch noch die Schweinegrippe.“ Eichner unterstrich, dass Krisen wie diese relativiert werden müssten, was auch die weitestgehend stabile Entwicklung im Handwerk in letzter Zeit belege. „Handwerk hat vielleicht keinen goldenen Boden mehr, aber es ist auch noch lange kein glattes Parkett“, lautete sein Fazit.

Andreas Haumann