Lebensgefühl zum Anziehen
Esther John Modellwerkstatt in Schwerin
„Harris-Tweed ist mehr als ein Stoff. Er ist ein Lebensgefühl“, sagt Esther John. Maßkleidung aus dem handgewebten Material von den Äußeren Schottischen Hebriden ist eine der Spezialitäten ihrer feinen Modellwerkstatt in Schwerin. Vor kurzem präsentierte der Betrieb sogar die erste Jagdmodenkollektion aus Mecklenburg-Vorpommern.
Schloss Ulrichshusen im Herzen der Mecklenburgischen Seenplatte ist ein stilvoller alter Landsitz. Die perfekte Kulisse für die erste Jagdmodenschau von Esther John. Die gelernte Herrenschneiderin und Ingenieurin für Bekleidungstechnik hat die Jagdbegeisterten in Norddeutschland als neue Zielgruppe für ihre Landhausmode ins Auge gefasst. Die Präsentation wird ein Riesenerfolg. Der NDR berichtet im Abendprogramm ausführlich über das Event und in den Tagen danach stehen die Telefone nicht still. Mit ihrer Kollektion ist Esther John ein echter Coup gelungen.
Neue Traditionalität
Es ist aber auch alles andere als tristes Jägergrün, was in Ulrichshusen über den Laufsteg getragen wird. Feinster Harris-Tweed in gediegenen und unkonventionellen Varianten, Mode im Reiter- und Uniformstil, Knickerbocker, Mäntel, Westen, Kostüme und Anzüge überraschen mit Farb- und Stilvielfalt. So kommt der Traditions-Tweed auch schon mal in leuchtend pink und flieder kariert für ein Kleid mit passendem Bolero zum Einsatz. Junge Models zeigen eine „discofähige“ Version mit einer knappen, bauchfreien Weste über der Jeans.
„Es ging mir nicht darum, Funktionsbekleidung für Jäger zu machen“, so Esther John. „Ich möchte hier in Norddeutschland eine Mode etablieren, die das Lebensgefühl dieser auf das stilvolle Landleben orientierten Zielgruppe verkörpert.“ Der in ihrer Mode stark verankerte britisch-schottische Akzent passt für sie optimal zur Mentalität der Norddeutschen. „Für mich ist der Harris-Tweed gewebte Mentalität der Schotten. Er ist daher weit mehr als ein Stoff, er ist ein Lebensgefühl.“
Käufer müssen angesichts der Preise zwar einigermaßen wohlhabend sein, aber nicht reich. Ab 350 € ist eine maßgeschneiderte Tweedjacke zu haben. „Meine Kunden sind Persönlichkeiten, die ihr Bewusstsein für Qualität und Nachhaltigkeit auch in ihrer Kleidung zum Ausdruck bringen möchten. Meine Mode ist extrem robust und langlebig, aber nie konservativ und langweilig.“
Mehrmarkenstrategie
Unter dem Dach des Maßkontors in der Schweriner Puschkinstraße gibt es aber noch mehr. Neben Esther Johns Modelabels wird hier auch die „Stickkompanie.de“ betrieben und hinter der Marke „McRoby.com“ verbirgt sich hochklassige Schulkleidung für Privatschulen, die eine einheitliche Bekleidung vorziehen.
Diese beiden Bereiche betreut Helmut Habel, der Geschäftsführer der Modellwerkstatt GmbH. Mit der Stickkompanie.de spricht er überwiegend Firmenkunden an, die ein hochwertiges „CI“, also ein einheitliches Auftreten im Unternehmen schaffen wollen. Ob Logos, Schriftzüge oder Slogans auf Poloshirts, Schürzen oder Jacken, alles kann mit allem bestickt werden. „Im Gegensatz zum Druck oder Flock ist Gesticktes wesentlich haltbarer und langlebiger. Da wir zudem alle Aufträge speichern, sind sie immer wieder abrufbar und müssen nicht neu eingerichtet werden. Das spart Kosten, so dass das Sticken nicht nur besser aussieht, sondern sich langfristig auch rechnet“, sagt Helmut Habel.
Alles nach Maß
Als echte Maßschneiderei ist die Modellwerkstatt von Esther John natürlich auch für Spezialaufträge jeder Art zu haben. Zur Tweedjacke passende Taschen, Gürtel mit individueller Schnallenprägung oder Krawatten mit eingewebtem Logo oder Wappen gehören ebenso zum Repertoire wie der „Nachbau“ von Uniformen oder Kleidung nach historischem Vorbild. Nicht zu vergessen natürlich auch Abend- und Ballkleider oder Business-Bekleidung wie Hosenanzüge und Kostüme.
Sie hat sogar eine eigene „Mecklenburg-Linie“ kreiert, die der in Norddeutschland immer etwas deplatziert anmutenden bayerischen Trachtenbekleidung, vor allem dem „Janker“, etwas entgegensetzen will. Feine Wollstoffe werden zu Anzügen und Kostümen verarbeitet, die die Mecklenburgische Heimat mit einer speziellen Stickerei am Ärmel und durch ein mit Stierköpfen bedrucktes Seidenfutter verkörpern. Eigens für diese Linie hat sie passende Knöpfe mit dem für Mecklenburg typischen Stierkopf gießen lassen. Die aus Kiel stammende Esther John zog es 1997 ins Mecklenburgische Grevesmühlen. Hier arbeitete sie zunächst in einem ehemaligen Kleiderwerk, in dem Uniformen für Schützenvereine und für Theateraufführungen geschneidert wurden.
Kontinuierliche Entwicklung
Im November 2001 übernahm sie den Betrieb und gründete mit Helmut Habel die Esther John Modellwerkstatt GmbH. Mit der Umstellung auf Maßkleidung wurde der Betrieb jedoch zu groß und der Standort Grevesmühlen zu klein. So zog der Betrieb 2003 nach Schwerin um. 2005 begann Esther John dann mit der Verarbeitung von Harris-Tweed. Der Betrieb beschäftigt inzwischen eine Gesellin und zwei Aushilfen, bildet kontinuierlich aus und auch ein professioneller Sticker gehört zur Stammbelegschaft. Regelmäßig kommen auch Praktikanten hinzu. Esther John wirbt daher auch mit dem Argument der Arbeitsplatzbeschaffung in Deutschland.
„Unsere Bekleidung ist auch ein Ausdruck des nachhaltigen Wirtschaftens. Die Kleidungsstücke sind keine Wegwerfartikel, sie werden nicht mit ausbeuterischer Kinderarbeit in der dritten Welt gefertigt und sie schaffen Arbeitsplätze hier bei uns. Wir sprechen Kunden an, denen diese Prinzipien wichtig sind und dies mit dem Tragen unserer Mode auch nach außen zeigen wollen“, sagt Esther John.
www.masskontor.com
www.stickkompanie.de
Petra Gansen

