Liebe Handwerkskolleginnen und -kollegen

Peter Günther, Präsident der Handwerkskammer Schwerin

obwohl wir im vergangenen Jahr täglich neue Meldungen über die Finanz- und Wirtschaftskrise lesen oder hören konnten, kann das Handwerk insgesamt ein recht ausgeglichenes Fazit des vergangenen Jahres ziehen. Zwar hat die Herbstkonjunktur­umfrage eine etwas gedämpfte Stimmung gespiegelt, aber mehr eben auch nicht. Für einzelne Branchen und Betriebe hat sich die Situation sicherlich auch schwierig gestaltet. Wir können aber nicht davon sprechen, dass 2009 für das Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern ein Krisenjahr war. Insofern stimmt die Aussage von Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Rudolph, der unser Handwerk kürzlich als die Korsettstange  der Wirtschaft bezeichnet hat, die gerade in Krisenzeiten eine wichtige Stützfunktion ausübt.

Wir Handwerker haben in der Vergangenheit derartige Einschätzungen unserer Leistungen und unserer Bedeutung häufig vermissen müssen. Man kann sagen, dass unser Wert erst in Zeiten der Krise richtig gewürdigt wird. Auch die neue Regierungskoalition in Berlin hat dies erkannt. Ich möchte nur drei Sätze aus dem Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung zitieren:
„Das Handwerk sichert einen hohen Qualitätsstandard, eine gute Ausbildungsleistung und nachhaltig erfolgreiche Exis­tenzgründungen. Der Meisterbrief ist dabei ein Ausweis hoher Qualität. Wir wollen die freien Berufe und das Handwerk stärken und dafür sorgen, dass ihr besonderer Stellenwert auf europäischer Ebene besser anerkannt und geschützt wird.“

In früheren Verträgen, zum Beispiel zu Zeiten der rot-grünen Regierung, kam das Handwerk noch nicht einmal als Wort vor. Wir sind also, nicht zuletzt Dank einer deutlich stärker gewordenen Interessenvertretung, einen Riesenschritt weiter dorthin vorgerückt, wo wir hinwollen: In das Zentrum der Aufmerksamkeit von Politik und Gesellschaft. Bei aller Zuversicht dürfen wir uns jetzt aber keine Illusionen machen, dass bereits gedrehte Räder noch mal zurückgedreht werden. Das Bekenntnis der neuen Regierung zum Handwerk und zum Meis­terbrief bedeutet sicherlich nicht, dass die Novelle der Handwerksordnung von 2004 insgesamt auf den Prüfstand kommt oder auch nur der Teilbereich der Ausnahmebewilligungen.

Ohnehin ist der Blick nach vorne wichtiger als der zurück. Mittlerweile dürfte jedem von uns klar vor Augen stehen, dass die Nachwuchsfrage eine unserer entscheidendsten Zukunftsfragen geworden ist. Es kommen immer weniger und immer weniger gute Schüler aus den Schulen. Wir aber brauchen junge Menschen, die wir ausbilden können, damit das Handwerk auch in Zukunft weiter bestehen kann.
Das Handwerk hat längst erkannt, dass es mehr als früher tun muss, um Jugendliche für eine handwerkliche Ausbildung zu gewinnen. Unsere Kammer ist sehr aktiv, organisiert zahlreiche Maßnahmen und Aktionen und immer mehr Betriebe machen mit.

Kräftigen Rückenwind erhoffen wir uns alle von der in wenigen Tagen startenden bundesweiten Imagekampagne des Handwerks. In einer noch nie dagewesenen großen Gemeinschaftsaktion wird sich das Handwerk als das präsentieren, was es ist: Die Wirtschaftsmacht von nebenan. Gemeinsam können und werden wir damit einen wichtigen Meilenstein für die Zukunftsfähigkeit des Handwerks setzen. Wir gewinnen und stärken das Vertrauen unserer Kunden, wir sichern unseren Nachwuchs für die Ausbildung und unsere Fachkräfte und wir machen endlich unsere wichtige Rolle für die Volkswirtschaft und die Gesellschaft zu einem öffentlichen Thema. Ich wünsche Ihnen, Ihren Beschäftigten und Auszubildenden und Ihren Familien  ein gutes, ein erfolgreiches Jahr 2010.

Ihr

Peter Günther,
Präsident der Handwerkskammer Schwerin