Mittendrin – statt nur dabei!

Zukunftsthema Ausbildung

Lang ist es her, dass sich Betriebsinhaber erst im Frühjahr Gedanken über die Nachbesetzung einer Lehrstelle machen mussten. Die Suche nach einem geeigneten Lehrling ist zum zeitlosen Dauerthema geworden. Auch das Handwerk stellt sich dieser Aufgabe. Mit unterschiedlichen Ansätzen.

Betriebspraktika, Informationsbörsen, Praktikumswochen in den Werkstätten, Girls Day, Kindergartenwochen und anderes mehr – seit vielen Jahren werden insbesondere Schülerinnen und Schülern allgemeinbildender Schulen umfangreiche Angebote gemacht, um sich über verschiedene Ausbildungsberufe ein Bild machen zu können. Das Handwerk mischt dabei kräftig mit – als einzelner Betrieb, als Innung, als Kreishandwerkerschaft und als Handwerkskammer. Und dies ist nicht ganz uneigennützig, denn der demographische Wandel mit sinkenden Schülerzahlen in den kommenden Jahren wird den Wettlauf um die besten Nachwuchskräfte zwischen den verschiedenen Wirtschaftsbereichen noch verschärfen.

Imagekampagne

Um gerade bei den Jugendlichen an Image zu gewinnen und mit vielen Vorurteilen gegenüber dem Handwerk aufzuräumen, wurde mit Beginn des Jahres die bundesweite Imagekampagne des Handwerks gestartet. „Bei dieser Kampagne steht neben dem zukünftigen Nachwuchs auch die breite Öffentlichkeit im Fokus. Darüber hinaus soll die Kampagne auch nach innen wirken und Stolz bei den Handwerkern erzeugen“, sagt hierzu der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Flensburg, Udo Hansen. „Deshalb ist es wichtig, dass vor allem die Betriebe diese Kampagne aktiv unterstützen.“ (Siehe hierzu auch die Homepage der Kampagne unter www.handwerk.de.)

Gute Ausbildungszwischenbilanz

Seit Jahren blickt das Handwerk im Kammerbezirk Flensburg auf ein sehr hohes Ausbildungsengagement zurück. Ca. 2.500 neue Lehrverträge werden Jahr für Jahr in den Kreisen Schleswig-Flensburg, Rendsburg-Eckernförde, Dithmarschen, Nordfriesland und der kreisfreien Stadt Flensburg im Handwerk abgeschlossen. Nicht einmal die viel thematisierte Wirtschaftskrise konnte dem Handwerk im Jahr 2009 etwas anhaben. Auch im vergangenen Jahr blieb das Ausbildungsengagement auf vergleichbar hohem Niveau.

Da man sich gerade in Bezug auf dieses Engagement in Zukunft nicht ausruhen darf, ist es daher ermutigend, was die Ausbildungszwischenbilanz für das Jahr 2010 im Kammerbezirk Flensburg bislang registriert. „Natürlich ist es immer nur ein Stichtagsvergleich. Allerdings haben wir seit etlichen Wochen die erfreuliche Tendenz, dass der Zuwachs bei den neu abgeschlossenen Lehrverträgen zwischen 6 und 8 % pendelt“, so Kammerpräsident Eberhard Jürgensen. Aus seiner Sicht habe auch das Handwerk erkannt, wie existenziell wichtig die Bereitschaft zum Ausbilden ist. „Vielleicht“, so Jürgensen, „sind die positiven Zahlen auch auf den bundesweiten Start der Kampagne zuzuführen, deren extra dafür produzierter Imagefilm sich gerade bei der Jugend größter Beliebtheit erfreut.“

Wettbewerb um die Besten hat eingesetzt

Dass die Imagekampagne ihren Zweck erfüllt, das Handwerk aus seiner etwas „verstaubten Ecke“ herauszuführen und mehr Jugendliche für eine Ausbildung im Handwerk zu begeistern, ist für die weitere Entwicklung des Wirtschaftsbereiches Handwerk von großer Bedeutung. Die Erfahrung des „Bundesaktionstages Ausbildung“, bei dem Kreishandwerkerschaften und Kammern Informationen über Ausbildung im Handwerk und auch konkrete Lehrstellenangebote bereithielten und diese von Seiten der Jugendlichen vergleichsweise wenig nachgefragt wurden, verstärkt den Eindruck, dass schon jetzt ein Angebotsüberhang bei den Lehrstellen existiert. Die Jagd nach den besten Jugendlichen hat schon eingesetzt, so die nüchterne Feststellung.

Dies bestätigt auch der Ausbildungsberater der Handwerkskammer Flensburg, Hans-Hermann Lausen. „Bei den Berufsinformationsmessen Nordjob in Flensburg und Kiel haben wir die Erfahrung gemacht, dass deutlich weniger Schülerinnen und Schüler zu verzeichnen waren. Es hat tatsächlich bereits ein Trendwechsel eingesetzt.“

Selbst initiativ werden

Aber zwischen den allgemeinen Informationsveranstaltungen zu Berufsbildern und der Unterschrift unter einen Lehrvertrag besteht noch ein großer Unterschied. Als Fachmann in Sachen Ausbildung rät Lausen den Betrieben, bei der Suche nach geeignetem Nachwuchs selbst initiativ zu werden. „Natürlich machen sich auch Betriebsinhaber eine Vielzahl von Gedanken, wie man an gute Lehrlinge kommt. Aus meiner Erfahrung scheint häufig der direkte Weg der beste. Einfach einmal auf die Schule zugehen oder auch den Betrieb an einem Tag für Schulklassen öffnen.“

Natürlich weiß auch Hans-Hermann Lausen, dass nicht jeder Betrieb diese Möglichkeiten bieten kann. In einem solchen Fall würden aber die über das „Zukunftsprogramm Arbeit“ des Landes Schleswig-Holstein geförderten Ausbildungsplatzakquisiteure weiterhelfen können. „Diese besitzen aus ihrer praktischen Arbeit viel Erfahrung, wie man sich möglichst erfolgreich auf die Suche nach geeinigten Lehrlingen begibt.“

Weitere Informationen:

Handwerkskammer Flensburg,
Ausbildungsplatzwerbung:
Kreise Schleswig-Flensburg, Rendsburg-Eckernförde und Stadt Flensburg:
Svenja Kaszubowski,
Tel.: 0461-866 194,
E-Mail: s.kaszubowski@hwk-flensburg.de

Kreise Dithmarschen u. Nordfriesland:
Jens Waller,
Tel.: 0481-855 128,
E-Mail: j.waller@hwk-flensburg.de.

Ausbildung in Teilzeit:
Martina Jekat,
Tel.: 0461-866 138,
E-Mail: m.jekat@hwk-flensburg.de


Bildnachweis: Haumann

Andreas Haumann