Sieben Minuten reichen

Azubi-Speed-Dating am Elbcampus

Springt der Funke über? Beim Speed Dating, der schnellen Partnersuche, ist es allein der erste Eindruck, der über Sympathie entscheidet. Mehr Zeit bleibt nicht. Ob auf diese Weise auch Betrieb und künftige Auszubildende zueinanderfinden können – am Elbcampus erfolgte der Test.

Fragen stellen, Auskunft geben über sich und seine Ziele: Innerhalb von Minuten können Unternehmen und Ausbildungsanwärter beim Speed Dating feststellen, ob sie zueinander passen.
„Weißt du, was unsere Firma macht?“ In lockerem Plauderton lässt Hans-Joachim L’Estrade, Bereichsleiter bei der Firma TEREG Gebäudedienste, das Gespräch beginnen. Um Motivationen geht’s, um die Notwendigkeit von Schlüsseltugenden wie Teamfähigkeit und Flexibilität für den Beruf des Gebäude-reinigers. Ihm gegenüber sitzt antwortend und aufmerksam fragend Yasin Kiril, 17-jähriger Schüler, der überlegt, was nach dem Realschulabschluss kommen mag. Sieben Minuten sind Zeit für jedes Gespräch beim Azubi-Speed-Dating auf dem Harburger Elbcampus: sieben Minuten, die im Bestfall einen Ausbildungsvertrag als Konsequenz haben. Organisiert von der Beruf und Integration Elbinseln gGmbH in Kooperation mit der „Serviceagentur Anschluss Handwerk“ der Handwerkskammer Hamburg und der Internationalen Bau Ausstellung Hamburg wurde das Speed Dating initiiert als eine neue Möglichkeit, Berufseinsteiger und Arbeitgeber zusammenzubringen: „Wir wollen ungewöhnliche Wege gehen“, erklärt Mitorganisatorin Rabin Seyfi vom Projekt „BERA – SchülerInnen aktiv in den Beruf“ bei der Elbinsel gGmbH, „und wir sind damit in Hamburg bisher einmalig.“

Viel Aufklärungsarbeit

Nachahmer könnte das Ganze aber durchaus finden – angenommen wird es nämlich durchweg positiv. 54 Schülerinnen und Schüler, dazu 16 Unternehmen, die noch Auszubildende suchen, waren beim mittlerweile zweiten Speed Dating dabei. Unter ihnen Britta Stender, Bereichsleiterin beim Frisör Klier: „Ich brauche noch 16 Azubis für den Großraum Hamburg“, sagt sie. „Ganz spontan“ habe sie daher teilgenommen – und ist ebenso überrascht wie erfreut über diesen neuen Weg der Bewerberauswahl. „Sieben Minuten“, sagt sie, „reichen für einen ersten Eindruck.“

Drei Gespräche hatte sie bis zu diesem Zeitpunkt geführt, viel Aufklärungsarbeit musste sie dabei leisten, denn: „Natürlich kann man im Frisörberuf gutes Geld verdienen – man muss dafür aber auch etwas leisten“, räumte sie mit Vorurteilen auf. Aufstiegschancen gebe es, sie selbst habe eine Friseurausbildung absolviert, den Meister gemacht – und heute ist sie als Bereichsleiterin bei Deutschlands größtem System-Friseur mit mehr als 1.200 Filialen in der gesamten Republik für 300 Mitarbeiter verantwortlich. Das Azubi-Speed-Dating bietet Britta Stender Raum, in kurzer Zeit viele Fragen zu beantworten – und der Sorge um geeigneten Ausbildungsnachwuchs zu begegnen. „Vor ein paar Jahren hatten wir noch 400 Bewerbungen im Jahr – heute sind es zehn“, schildert sie ihr Problem, die richtigen Kandidaten zu finden.
Dass die es jedoch mit dem Ansinnen, einen passenden Beruf zu finden, außerordentlich ernst nehmen, wurde schnell klar: An Schautafeln hatten die Jugendlichen, häufig aus Hamburger Randbezirken, ihre Lebensläufe aufgehängt. Diese machten deutlich: Hier sind junge Leute, die starten möchten. „Eine Ausbildung ist mir sehr wichtig, da ich in meiner Zukunft sagen möchte, ich bin stolz auf mich“, schreibt eine 18-jährige Sofia und ergänzt: „Ich will keine Hartz-IV-Empfängerin sein. Ich will meine Ziele erreichen und unabhängig sein.“ Auch die 18-jährige Jennifer Bauer und die 16-jährige Anika Dürkop bestätigen dies. „Wir fragen – und kriegen Erklärungen“, beschreibt Anika das Speed Dating. „Ein bisschen kurz“ fand ihre Freundin Jennifer die Zeit. „Aber auf jeden Fall: sinnvoll“, sagt die Schülerin, die im nächsten Jahr ihr Abitur ablegen will, „um konkretere Vorstellungen zu bekommen, was ich später machen möchte.“

Und genau dafür war’s da, das Speed Dating: Orientierung geben, Möglichkeiten schaffen. So auch bei Hans-Joachim L’Estrade von TEREG Gebäudedienste. Seinem Kandidaten vom Anfang, Yasin, riet er, doch noch das Abitur zu machen. Ansonsten bescherte ihm das Dating fünf aussichtsreiche Kandidaten für die noch zu vergebenden Plätze. „Ich bin hochzufrieden“, so seine Bilanz.

jf