Was wäre die Welt ohne das Handwerk?

850 Jahre Schwerin

Schwerin ist jetzt 850 Jahre alt und die gesamte Stadtgeschichte ist ohne das Handwerk gar nicht denkbar. Im großen Festumzug zum Stadtjubiläum haben Betriebe und Innungen in beeindruckender Vielzahl gezeigt, dass Handwerk auch in der Gegenwart ein wirtschaftliches Schwergewicht ist. Eben eine Wirtschaftsmacht. Ja, genau, die von nebenan.

Die Dachdecker waren sowohl mit dem Landesinnungs-
verband als auch mit vielen einzelnen Betrieben stark
im Festumzug vertreten. Sie sorgten mit „Body Painting“ für höchste Aufmerksamkeit.

So wie die Stadtgeschichtsschreibung Schwerins, begann der bilderreiche Festumzug mit der Darstellung des Jahres 1160, als der Sachsenherzog Heinrich der Löwe siegreich in die Stadt einzog. Er endete in der Gegenwart. 

Gut 200.000 Besucher wurden während des Festwochenendes in historische Epochen entführt: Auf dem Altstädtischen Marktplatz fand ein Mittelalter-Spektakulum statt, das Schlossfest versetzte zurück in die Zeit des mecklenburgischen Adels und rund um die Schelfkirche gab ein Barockfest Einblicke in die üppige Prachtepisode. Absolutes Highlight und ein Muss für jeden Schweriner und Gast aber war der opulente, drei Kilometer lange Festumzug, der am Sonnabend mit Pferden, Wagen, Fahrzeugen und Menschen durch die ganze Innenstadt führte und die Stadtgeschichte bis hin zur Gegenwart abbildete.
Der Festumzug startete in der Alexandrinenstraße und führte etwa vier Stunden lang über die Alexandrinen-, Mecklenburg- und Geschwister-Scholl-Straße zum Alten Garten und danach in die Werderstraße, wo er in Höhe Knaudtstraße endete. Der bunte Bilderbogen durch die Geschichte und Gegenwart der Landeshauptstadt mit rund 3.100 Mitwirkenden, 550 historischen Kostümen, 49 Pferden und etwa 100 Fahrzeugen wurde vollständig über Spenden finanziert.

Handwerk mittendrin
Im ersten Teil des Festumzuges präsentierte sich Schwerin als Jubiläumsstadt mit den offiziellen Stadtvertretern und Honoratioren. Der zweite Teil zeigte die Historie des 850-jährigen Geburtstagskindes von der Stadtgründung 1160 bis heute in 37 historischen Bildern. Den dritten Teil des Umzugs gestalteten 110 Schweriner Vereine, Verbände, Schulen und Unternehmen. Insgesamt hatte der Festumzug 157 „Bilder“, von denen eine Vielzahl durch Handwerksbetriebe und Innungen aus Schwerin und Umgebung höchst phantasievoll gestaltet wurden.

Den von Handwerkern gestalteten Teil des Umzugs führte die Kreishandwerkerschaft Schwerin mit einem symbolischen kleinen „Rathaus des Handwerks“ an. Dem folgte eine beeindruckende Vielzahl von Gewerken, z. B. die Landesinnung der Schornsteinfeger, die Dachdeckerinnung Schwerin mit vielen Mitgliedsbetrieben, zahlreiche Elektro- und Malerbetriebe, die Schweriner Fleischer Lange und Rupnow, die Steinmetzbetriebe Lange und DHM und viele mehr. Mit großer Fahrzeugflotte vertreten war der Gerüstbaubetrieb des Schweriner Kreishandwerksmeisters Gerd Güll, der auch dem Ausbildungszentrum der Bauwirtschaft, der abc bau GmbH, auf großer Ladefläche Platz geschaffen hatte.

Die größte Aufmerksamkeit konnten aber sicherlich die Dachdecker für sich verbuchen. Auf den ersten Blick nahezu unbemerkt, hatten diese zwei junge Frauen in ihren Reihen, deren Kluft nicht aus Stoff, sondern nur aus Farbe bestand. Bei der hochsommerlichen Hitze war dieses Body Painting sicherlich angenehmer als der schwere schwarze Stoff der Traditionsbekleidung. Auf jeden Fall aber war das ein echter Hingucker.

 

Petra Gansen