Im Traumbad baden gehen
Probleme mit dem Generalunternehmer
Eine Frau möchte ein neues Bad. Eine Baumarktkette macht ein attraktives Angebot. Ein Kooperationspartner verspricht qualifizierte Serviceleistungen. Vier Handwerksbetriebe erhalten vier Aufträge. Und dann läuft fast alles aus dem Ruder.
Eine gute Geschichte braucht in aller Regel ein Ende. Am besten ein gutes. Diese hat kein gutes Ende. Sie hat überhaupt keins. Jedenfalls kein richtiges. Dafür hat die Geschichte zahlreiche Akteure. Viel mehr als eine gute Geschichte verträgt. Da gibt es zunächst – und am Rande – die Baumarktkette Max Bahr. Sie betreibt seit Februar 2009 an heute 23 Standorten ihr Projekt „Traumbäder“. Die Idee: Aus dem Sortiment des Marktes wählen Kunden die für ein neues Bad benötigten Produkte. Ein Max-Bahr-Fachberater hilft bei der Planung des Traumbades. Und damit bei der Ausführung nichts schiefgeht, gibt’s die notwendige handwerkliche Dienstleistung auf Wunsch im Komplettpaket dazu.
Hier kommt die Münchener Firma MEB Projekt- und Dienstleistungs GmbH ins Spiel. Sie ist Kooperationspartner Max Bahrs und als Generalunternehmer damit beauftragt, qualifizierte Handwerker auf die Baustellen zu bringen. Nach Angaben von MEB-Geschäftsführer Michael von Maydell hat die Firma deutschlandweit mit rund 300 Betrieben Nachunternehmerverträge geschlossen. Das Miteinander funktioniere „im Grundsatz gut“, sagt er. Max Bahr bestätigt das. „Vermittlungsbedarf“ zwischen der MEB und ihren Nachunternehmern habe es bislang nicht gegeben, lässt sich die Pressestelle der Firmenzentrale zitieren. Tischlermeister Nikolai Sachse, Malermeister Markus Dremel, Installateur- und Heizungsbauermeister Kai Lingner und – im Fortgang der Ereignisse – Fliesenleger Martin Kahlfeld haben mit der MEB andere Erfahrungen gemacht.
Im Herbst vergangenen Jahres werden sie beauftragt, für eine Hamburger Kundin die Neugestaltung des in die Jahre gekommene Bades auszuführen. Eine normale Standardrenovierung, Auftragsvolumen um die 15.000 € inklusive Material. „Sechs Quadratmeter, keine Extras oder schwierige Dinge. Das hätte alles in zwei bis drei Wochen erledigt werden können“, sagt Monika Pech. In Wirklichkeit trägt sie einen anderen Namen. Doch den möchte sie nicht in der Zeitung lesen. Nach monatelangem Ärger auf ihrer Baustelle hat sie sich längst mit Max Bahr verständigt. In deren Richtung möchte sie „nicht nachtreten“, sondern das Chaos am liebsten vergessen. Nach einigem Überlegen spricht Monika Pech dann doch mit uns; den Handwerkern zuliebe. Aber der Reihe nach.
Ende September beginnen die Arbeiten. Das alte Bad wird rausgerissen. Es kommen schicke Fliesen an die Wände, Leitungen werden verlegt, die Sanitärinstallationen vorbereitet und ausgeführt. Kurzfristig springt der ursprünglich beauftragte Tischler ab. So kommt Nikolai Sachse mit ins Boot. „Ich habe mal für den Max-Bahr-Markt in Osdorf direkt gearbeitet. Das lief alles völlig reibungslos“, erinnert er sich. Die Erfahrungen hätten es ihm leicht gemacht, einen Auftrag für deren Servicepartner zu übernehmen. Zumal MEB einen soliden Eindruck macht. Gearbeitet wird nach VOB/B. Es gibt keine fragwürdigen Zusatzvereinbarungen. Der Nachunternehmervertrag – den Sachse nicht unterschreibt – ist im besten Sinne gewöhnlich.
Alles noch mal von vorn
Die Baustelle Pech steht unter keinem guten Stern. Kopfschmerzen bereitet die Qualität der Fliesenlegerarbeit. Mitte November trifft Max Bahr die Entscheidung, das Bad muss neu gefließt werden. Den Job übernimmt diesmal Martin Kahlfeld. Für die fast beendete Baustelle heißt das: Alles noch mal von vorn. Im Traumbad kommt Hektik auf. Manchmal wirbeln fünf Handwerker gleichzeitig auf sechs Quadratmetern. Der Arbeit tut das Chaos nicht gut. Monika Pech auch nicht. Sie arbeitet als Kreative viel zu Hause und braucht dafür vor allem Ruhe.
Mitte Januar sind die Arbeiten endlich beendet und alle Rechnungen geschrieben. Knapp drei Monate später sitzen Sachse, Lingner und Dremel in der NH-Redaktion. Trotz mängelfreier Abnahme ist von der MEB noch kaum ein Euro Werklohn geflossen. MEB-Geschäftsführer von Maydell argumentiert später auf Nachfrage, sein Unternehmen bezahle die Handwerker innerhalb von 21 Tagen nach Rechnungseingang. Zahlungsvoraussetzung sei aber die Vorlage der korrekten Originalrechnung, ein mängelfreies Abnahmeprotokoll und vom Kunden unterschriebene Nachweise über eventuell ausgeführte Zusatzleistungen. Mit Ausnahme Martin Kahlfelds hätten seine „Hamburger Freunde“ diese Minimalanforderung nicht erbringen können. Kahlfelds Abrechnung werde zurückgehalten, weil dieser bei einem anderen MEB-Auftrag einen Schaden verursacht habe. Das solle miteinander verrechnet werden. Im Übrigen verhalte sich die MEB den Nachunternehmern gegenüber genauso fair und kulant wie Max Bahr seinen Kunden. Die betroffenen Handwerker halten das für böse Ironie. Nikolai Sachse öffnet einen dicken Aktenordner, den er in der „Sache MEB“ angelegt hat. Darin finden sich, beginnend mit dem 17. November 2009, zahlreiche immer wieder auf Wunsch der MEB geänderte Rechnungen. „Das ist nichts als Hinhaltetaktik“, sagt er.
Fortsetzung folgt?
Nikolai Sachse, dessen Kleinstbetrieb durch die verzögerte Zahlung zwischenzeitlich in schwere Wasser geraten ist, hat bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe seinen Werklohn in voller Höhe (knapp 5.700 € abzüglich Provision) erhalten. Auf über 700 € Anwaltshonorar bleibt er sitzen. Martin Dremels Forderungen sind inzwischen zu zwei Dritteln beglichen. Die MEB hat angeboten, von den ausstehenden 800 € die Hälfte zu zahlen. Hierüber berät er sich mit seinem Anwalt. Kai Lingner hat einen Orderscheck erhalten. Ein paar Hundert € aus dem Auftrag Pech sind noch offen, sagt er. Ausgang ungewiss. Martin Kahlfeld hofft auf die Mitte Mai gemachte Zusage Michael von Maydells, den Konflikt um die Baustelle Pech (Forderungshöhe rd. 1.900 €) innerhalb weniger Tage klären zu wollen ...
Seit Kurzem verhilft Max Bahr interessierten Kunden in vier Märkten zu neuen Küchen. Das Konzept funktioniert ähnlich wie „Traumbäder“. Servicepartner ist wieder die Münchner MEB. Monika Pech winkt ab. Und die vier „Hamburger Freunde“ tun es auch.
Bildnachweis: shutterstock
Thomas Meyer-Lüttge

