Kein Leben ohne Handwerk

Neujahrsempfänge der Kreishandwerkerschaften

Neujahrsempfänge gehören zur Tradition der Kreishandwerker-schaften. Viel Prominenz war daher beim Handwerkerfrühschoppen in Flensburg und der Amtsköste in Rendsburg vertreten. Thematisch standen einmal handwerkspolitische Forderungen und einmal die Imagekampagne des Handwerks im Mittelpunkt.

Auch der Ehrenpräsident der Handwerkskammer, Carsten Jensen (li.), wurde als Gast von Kreishandwerksmeister Albert Albertsen begrüßt .
„Was bewegt Handwerk?“ – Unter diese Frage stellte Kreishandwerksmeister Albert Albertsen seine Rede beim Handwerkerfrühschoppen in Flensburg. Seine erste Antwort: „Zunächst einmal sicherlich die Imagekampagne.“ Deren Notwendigkeit stünde außer Frage. Aus gutem Grund. „Auf politischer Ebene wird das Handwerk in Sonntagsreden oft hoch gelobt und gestreichelt. In Wirklichkeit aber kaum wahrgenommen.“ Doch alles, was mit Wohnen, Leben, häuslichem Luxus, Lebensmitteln, aber auch Gesundheit und Verkehrssicherheit zu tun habe, wäre ohne Handwerk undenkbar. „Das zeigt auch der TV-Spot zur Kampagne.“

Ende der Casino-Mentalität
Dennoch habe das Handwerk vielerorts mit Schwierigkeiten zu kämpfen, u. a. bei der Kreditgewährung. Dabei mahnte Albertsen vor allem eine Verbesserung der Finanzierungsmöglichkeiten für kleine und mittlere Unternehmen an. „Es gilt, ein deutliches Signal an die Akteure auf dem Kreditmarkt zu senden, sich im Kreditgeschäft stärker zu engagieren“, lautete seine Forderung nach spürbaren Erleichterungen bei der Kreditgewährung. Der Finanzcrash verlange eine Korrektur, aber auch ein generelles Umdenken in der Politik und im Finanzbereich. „Die Casino-Mentalität im Finanzsektor muss ein Ende haben. Dahinter stehen keine Werte.“ Forderungen nach handwerksgerechten Förder- und Finanzierungsinstrumenten seien berechtigt, da es sich häufig nur um kleinere Investitionen handeln würde. Albertsen riet den Betrieben aber auch, gut vorbereitet in Kreditgespräche zu gehen.

ELENA – „keine dunkelhäutige Tänzerin“

Albertsen forderte in Gegenwart zahlreicher Landtagsabgeordneter, den so oft versprochenen Bürokratieabbau mit mehr Ernsthaftigkeit zu verfolgen. Für die Auswüchse der Bürokratie für die Betriebe hatte der Kreishandwerksmeister ein gutes Beispiel parat: ELENA. Dahinter verstecke sich „keine dunkelhaarige Tänzerin“, sondern ein Gesetz, „von dem viele Kritiker bereits behaupten, dass dies ein neues Datenmonster werden könnte“. Der mit ELENA zu erbringende elektronische Entgeltnachweis sei in seiner Detailversessenheit, bei dem zum Teil auch höchst sensible Daten abgefragt würden, durchaus kritisch zu sehen. Selbst Datenschützer würden bereits von einem klassischen Vorratsdatenspeicher sprechen. „Die Liste der über ELENA zu meldenden Daten umfasst mittlerweile 41 Seiten“, so Albertsen.

Politikbilanz – Licht und Schatten

Differenziert äußerte sich der Kreishandwerksmeister zur 100-Tage-Bilanz der Koalitionen auf Bund- und Landesebene. Positiv bewertete er die Erwähnung des Handwerks in den Koalitionsverträgen. Allerdings seien, hinsichtlich der politischen Umsetzung der gemachten Versprechen, noch vieleFelder unbearbeitet. Angefangen von einer transparenteren und einfacheren Gestaltung des Vergaberechtes über die von der FDP angekündigte Lockerung des Kündigungsschutzes bis hin zum dringend erforderlichen Reformkurs bei den Sozialversicherungen.

Auch die Nachbesserungen im Bereich des Erbschaftssteuerrechts und die Ausweitung des Prinzips der Ist-Besteuerung fanden Albertsens Zustimmung. Im Bezug auf die geplante Einkommenssteuerstrukturreform zum Erreichen von mehr Steuergerechtigkeit fordert er eine Tarifreform, der den sogenannten Mittelstandsbauch begradige. „Die kalte Progression ist nichts anderes als eine fiskalische Enteignung.“ Die Erhöhung des Steuerbonus für Handwerksleistungen sowie den Versuch zu starten, ähnlich wie in anderen europäischen Ländern haushaltsnahe Dienstleistungen mit einem reduzierten Mehrwertsteuersatz zu belegen, waren weitere Forderungen des Kreishandwerksmeisters.

Amtsköste: Imagekampagne im Fokus
Weit weniger politisch waren die Ausführungen von Kammerpräsident Eberhard Jürgensen bei der Amtsköste in Rendsburg. Sein Fokus lag erneut auf der Imagekampagne. Diesmal aber nicht, um die Handwerksvertreter zu informieren, sondern die Gäste aus Gesellschaft und Politik vom Sinn und Zweck der Kampagne zu überzeugen. Angesichts der Forsa-Umfrage zum Image und Bekanntheitsgrad des Handwerks und der ernüchternden Ergebnisse ginge es bei dieser Kampagne primär darum, das Ansehen des Handwerks zu verbessern. Nicht nur in Bezug auf die breite Öffentlichkeit. „Gerade im Hinblick auf die Nachwuchsgewinnung sollen die Karrierechancen und die Technologie-Orientiertheit vieler Handwerksberufe stärker herausgestellt werden“, so Jürgensen. „Über die Themenschwerpunkte Größe, Vielfalt und Innovationsfähigkeit soll auf informative Weise über den deutschlandweit vielseitigsten Wirtschaftsbereich informiert werden.“ Vor allem den Jugendlichen solle die Realität im Handwerk nähergebracht werden „Wir wollen sie für die Individualität der Produkte und Dienstleistungen begeistern.“

Die Bedeutung des Handwerks, die häufig selbst für Handwerker unbekannt ist, soll bei diesen auch Stolz und Selbstbewusstsein fördern. „Der Erfolg der Kampagne ist deshalb auch davon maßgeblich abhängig, wie viele Betriebe und Mitarbeiter die Imagekampagne aktiv unterstützen. „Nimmt man allein die knapp 5 Millionen Beschäftigten und die rund 900.000 Betriebe des Handwerks, erahnt man förmlich die Vielzahl potenzieller Werbeträger“, so Jürgensen.

Handwerk – mehr als Arbeitgeber und Ausbilder
Standorttreue, Mitarbeiterloyalität und eine gesellschaftliche Verantwortung für die Region seien weitere Wesensmerkmale des Handwerks. „Es gibt für diese gesellschaftliche Verantwortung einen schönen modernen Begriff ‚Corporate Social Responsibility‘. Das Handwerk macht seit Jahrhunderten nichts anderes“, so Jürgensen. In dieser Weise sei auch das Engagement in der Kommunalpolitik oder anderen Ehrenämtern von Vereinen, Kirche etc. zu werten. Zum Abschluss bat Jürgensen nicht nur seine Handwerkskollegen, sondern vor allem die übrigen Repräsentanten des öffentlichen und gesellschaftlichen Lebens um Unterstützung. „Ich würde mich freuen, wenn Sie in Ihrer jeweiligen Position die Idee unserer Imagekampagne sozusagen als Multiplikator für eine gute Sache weitertragen.“

Andreas Haumann