Drei Wochen über den Dächern von Marseille
Auslandserfahrungen für Auszubildende
August Hüners, Auszubildender des Zimmermannhandwerks, absolvierte ein dreiwöchiges Auslandspraktikum in Marseille. Mit nach Hause nahm er wertvolle Erfahrungen über andere Arbeitsweisen, die französische Kultur und knüpfte neue berufliche Kontakte.
August Hüners lernt im zweiten Lehrjahr den Beruf des Zimmermanns. Durch die anhaltende Kälte in diesem Jahr ist das Arbeiten im Moment recht eingeschränkt. Vor ein paar Wochen waren seine Arbeitsbedingungen noch ganz anders. Im November/ Dezember absolvierte Hüners ein dreiwöchiges Auslandspraktikum in Marseille. An der französischen Côte d‘Azur schien die Sonne, es waren herbstliche 20 Grad.
Der junge Mann sammelte viele neue Erfahrungen. „Sie haben in Frankreich eine ganz andere Verarbeitung von Holz. Das, was wir hier Dachlatten nennen, sind vier auf sechs Hölzer. Wegen anderer Wetterbedingungen hatten sie dort zwei auf drei, halb so dünn. Darauf hingen die Dachpfannen. Da sind wir drüber gelaufen. Ich dachte, gleich kracht es zusammen. Aber es hielt“, erzählt August Hüners von seinen Erlebnissen in einer französischen Zimmerei und Dachdeckerei. Auch die Mentalität sei eine ganz andere. In Frankreich sei man etwas gelassener, meint der 22-jährige Auszubildende, „Effektiv sind sie in Frankreich trotzdem.“ Das Auslandpraktikum habe ihn selbstbewusster gemacht. Es sei sehr interessant gewesen, eine neue Kultur und vor allem den Alltag und die Arbeit im Nachbarland kennenzulernen.
Auslandspraktika in Europa
Vermittelt hat das Auslandspraktikum die Mobilitätsagentur, die zum Verein Arbeit und Leben Hamburg e.V. gehört. Üblicherweise dauert ein Praktikum für Azubis drei Wochen an. Vermittelt werden Auszubildende und Fachkräfte aus allen Branchen ins Europäische Ausland. Der Verein stellt die Kontakte her und bereitet die Austausch-Azubis auf ihren Auslandsaufenthalt vor. In einem Vorbereitungstreffen erfahren sie die Grundkenntnisse über das entsprechende Zielland und lernen ihre Ansprechpartner vor Ort kennen. 2009 schickte die Mobilitätsagentur insgesamt 430 Auszubildende und Fachkräfte aus allen Branchen ins Ausland.
Gestärktes Selbstbewusstsein
Für August Hüners begann sein Aufenthalt in Marseille mit einer Woche interkulturellem Programm. Zusammen mit ihm nahmen noch drei Auszubildende des Friseurhandwerks am Austausch teil. In der ersten Woche besichtigten die vier zunächst einmal die Stadt Marseille. Ihre Ansprechpartner zeigten ihnen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und brachten ihnen die französische Kultur näher. In der zweiten Woche begann dann die Arbeit in den französischen Betrieben.
Auslandsaufenthalte bieten Auszubildenden einen erweiterten Horizont. Für viele Auszubildende ist es das erste Mal, dass sie auf eigene Faust ein anderes Land erkunden. Das schafft Selbstvertrauen. Auch können die Auszubildende und Fachkräfte durch ein Auslandspraktikum wertvolle Kontakte knüpfen.
Nutzen für Betriebe
Auch Betriebe profitieren von einem Auslandsaufenthalt ihrer Auszubildenden. Denn diese erweitern ihre Fachkompetenz und verbessern ihre Sprachkenntnisse. Darüber hinaus sprechen Auslandskontakte als Bestandteil der Unternehmensphilosophie gute potenzielle Auszubildende an. „Ein Auslandspraktikum ist für viele Azubis auch eine Form der Anerkennung durch ihren Betrieb. Dadurch erhöht sich ihre Motivation und die Identifikation mit dem Unternehmen“, berichtet Sonja Olejak vom Verein Arbeit und Leben. Sie leitet das vom Europäischen Sozialfonds finanzierte Projekt „Mobilität in der Aus- und Weiterbildung“.
Durch den Europäischen Einigungsprozess und die Internationalisierung der Wirtschaft steigt das Interesse sowohl von Arbeitnehmern als auch von Arbeitgebern, Kontakte ins Ausland zu stärken. Um mögliche Partnerschaften und Kooperationen mit ausländischen Unternehmen eingehen zu können, ist es entscheidend, die kulturellen Besonderheiten eines Landes zu kennen.
Austauschgäste in Hamburg
Zimmermann-Azubi August Hühners hat wertvolle Erfahrungen vom Auslandspraktikum mitgenommen.
Die Mobilitätsagentur betreut auch Austauschgäste aus dem Ausland, die in Hamburg ein Praktikum machen wollen.Vorzugsweise werden die ausländischen Auszubildenden und Fachkräfte in Gastfamilien untergebracht. Die Mobilitäts-agentur sucht immer nach Menschen, die die Gäste unterbringen möchten und selbstverständlich auch nach Betrieben, die Interesse an einem ausländischen Praktikanten haben.
August Hüners hatte in der Berufsschule von diesem Projekt erfahren. Sein Vater, ein Berufsschullehrer und Beauftragter für Internationales, hatte seinen Sohn darauf aufmerksam gemacht. Um die Austauschmöglichkeiten den Schülern näherzubringen, gibt es in jeder Berufsschule einen Beauftragten für Internationales, mit dem die Mobilitätsagentur eng zusammenarbeitet. Das Auslandspraktikum hat August Hüners darin bestärkt, nach seiner Ausbildung weitere Auslandserfahrungen zu sammeln und auf die Walz zu gehen.
Die Mobilitätsagentur
Die Mobilitätsagentur gehört zum Verein Arbeit und Leben Hamburg e.V. und unterstützt in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB) junge Leute darin, den Schritt nach Europa zu wagen. In mehr als 15 europäische Länder vermittelt die Mobilitätsagentur Auslandspraktika. Üblicherweise dauert ein Praktikum während der Ausbildung im Handwerk drei Wochen, es kann auch länger sein, und ist Teil der Ausbildung. Die Freistellung wird mit dem Betrieb und der Berufsschule abgesprochen. Auch für Weiterbildungen werden Auslandsaufenthalte vermittelt, die bis zu neun Monate andauern. Voraussetzung für ein Auslandspraktikum sind Grundkenntnisse in Englisch bzw. der jeweiligen Landessprache. Als Vorbereitung empfiehlt sich ein Volkshochschulkurs.
Information und Kontakt:
Olga Stelter, Tel.: 040 284016-66, E-Mail: olga.stelter@hamburg.arbeitundleben.de, www.mobilitaetsagentur-hamburg.de
Karin Gehle

