Verrückt nach Schlägen
„Tempest Drums“ aus Ahrensburg
Was wäre das Leben ohne das Handwerk? Ein Leben ohne Zivilisation? Jedenfalls auch ein Leben ohne Musik. Laute Musik. NordHandwerk-Redakteur Ulf Grünke hat sich beim Schlagzeugmacherbetrieb Felix Leyde umgehört.
Bis zu drei Monate Arbeit steckt Felix Leyde in ein Drum-Set. |
Ich bin zu Besuch bei „Tempest Drums“. Seit Ende letzten Jahres hat sich Felix Leyde in Ahrensburg den Traum von einer eigenen Werkstatt mit eigenem Schlagzeug-„Customshop“ erfüllt. „Ich möchte Schlagzeugern ihr Traumschlagzeug zu fairen Preisen auf den Leib schneidern“, sagt der 30-Jährige. „Meine Trommeln werden komplett von Hand gefertigt; unter Verwendung hochwertigster Materialien und Werkzeuge“, so der bekennende Soundfetischist. Sein Credo: „Es gibt nichts cooleres, als ein Set zu haben, das kein zweiter besitzt.
Snare-Drum und Tom Tom
Eigentlich hat Felix Leyde Informatik studiert, aber immer schon viel lieber mit den Händen gearbeitet. „Ich konnte Sachen nie so lassen, wie sie gekauft wurden.“ Schlagzeugmacher ist nun „genau sein Ding“. Man habe viel mit Kunden zu tun, könne kreativ sein, und am Abend sehe man, „was man geleistet hat“. Bei Felix Leyde wird die Leidenschaft für die Musik spürbar – und die Leidenschaft zum Beruf.
In der kleinen Werkstatt in Ahrensburg entstehen komplett von Hand gefertigte Sets. Zum Schlagzeug, dem „Drumset“, gehören verschiedene Schlaginstrumente, die individuell kombiniert werden. Bei der Grundausstattung nicht fehlen darf die „Snare-Drum“. Die kleine Trommel ist das Hauptinstrument. Sie steht direkt vor dem Musiker. Das zweite Hauptinstrument ist die „Bassdrum“. Hinzu kommen so genannte Tom Toms und verschiedene Becken. „Alles hängt von der Art der Musik ab“, erzählt Felix Leyde. Während in der Popmusik oder im Jazz zwei bis drei Tom Toms verwendet werden, nutzen Heavy-Metall-Schlagzeuger bis zu acht. Herstellen kann Felix Leyde bei Tempest-Drums alle Set-Arten.
Alles Handarbeit
Schauen wir Felix Leyde bei der Arbeit etwas über die Schulter. Für die Kessel stehen verschiedene Materialien zur Verfügung. Entweder besteht der Kessel aus mehreren Holzlagen wie Ahorn oder Buche, oder aus Metall. Felix Leyde fertigt derzeit Snares aus Stahl-, Aluminium-, Bronze- und Messingkesseln an. Wieso braucht man ein handgefertigtes Set, frage ich. Und wer gehört zu den Kunden? Felix Leyde klärt mich auf: „Wir haben die Möglichkeit, jedes noch so winzige Detail nach den Vorstellungen des Kunden umzusetzen. Egal ob es um die Kesselmaße, das Gratungsprofil, die Platzierung der Böckchen auf den Kessel, die Hardwarefarbe oder die zum Einsatz kommenden Felle geht.“
Während er erzählt, bearbeitet Leyde einen Ahornkessel, in den er die Gratung ausgiebig von Hand nachbearbeitet. Danach wird der Holzkessel zum Schutz vor Feuchtigkeit und Verschmutzung von innen aufwendig versiegelt und im Anschluss die Hardware mit Edelstahlschrauben am Kessel befestigt. Dann geht es zum Finish. Die Kessel werden nun mit speziell für Schlagzeuge hergestellten Folien versehen; das gibt ihnen das charakteristische Aussehen. Und gerade das wird von Leydes Kunden geschätzt. So zum Beispiel Domi Csergo, Drummer der Band „Urma“ aus Bukarest. Im Verbreitungsgebiet unseres Magazins mögen die Akustikrocker von Urma vielleicht noch nicht so bekannt sein; in Rumänien sind sie die Rockhelden schlechthin, wahre Chartstürmer. „Die Band hat sich so auf das neue Schlagzeug gefreut, dass sie die kompletten 4.000 Kilometer aus Rumänien nach Ahrensburg angereist sind, um das Schlagzeug direkt abzuholen“, erzählt Felix Leyde. Der Rumänischen Post haben die Jungs einfach nicht getraut. Dafür vertrauen sie Felix Leyde und Tempest-Drums. Und der freut sich, wenn seine Kunden zufrieden sind, schließlich möchte er, dass jeder bei ihm seinen „Wunschsound“ bekommt. Solche Qualität hat ihren Preis, schließlich dauert der Komplettbau eines Sets bis zu drei Monate. „Die Preise hängen natürlich von den individuellen Vorstellungen des Kunden ab, aber bei einem 4-teiligen Set mit Standardhardware muss man schon mit rund 2.000 € rechnen“, sagt Leyde.
Begeisterte Kunden
Auf Felix Leydes Internetseite www.tempest-drums.de finden sich zahlreiche Künstler, die auf Snares oder Drumsets aus dem Hause Leyde schwören. Ein besonders begeisterter Kunde schreibt: „Wenn Charlie Watts die Snare gehört hätte, wäre er jetzt scharf drauf.“
Ich stelle mir vor, ich sitze hinter einem kompletten Set, vielleicht dem „Purple Black Bronze“ (gebeizt, seidenglänzend lackiert mit Blacknickelhardware). Im Grunde habe ich das Zeug für einen Drummer. Sollte ich irgendwann Block, Kugelschreiber und Nikon gegen Drumsticks tauschen, schaue ich hier noch mal vorbei. Bestimmt!
Ulf Grünke

Bis zu drei Monate Arbeit steckt Felix Leyde in ein Drum-Set.