Job und Kind kein Problem

Serie: die Berater der Kammer unterwegs

Bisher war es für junge Mütter und Väter, die noch keine Ausbildung abgeschlossen haben, schwierig, den Weg ins Berufsleben zu finden. Mit dem Projekt „Ausbildung in Teilzeit“ erhalten auch sie eine Chance, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen und dabei Spaß an der Arbeit zu haben. Ein Erfahrungsbericht.

Neumünster, Friseursalon Wasmund, Donnerstagvormittag. Alle Friseurstühle sind mit Kunden besetzt und es wird fleißig an neuen Haarkreationen gearbeitet. Neben Friseurmeisterin Doris Wasmund und ihrem Mann Gerd mit dabei: Michaela Poski. Hochkonzentriert bei der Arbeit, dennoch mit einem Lächeln auf den Lippen. Wenn man die junge Frau bei der Arbeit beobachtet, spürt man sofort, hier ist jemand mit Leib und Seele bei der Arbeit. Dabei hat Michaela Poski zwei Jobs. Sie ist nicht nur Friseurlehrling im 3. Lehrjahr, sie ist auch Mutter eines 5-jährigen Sohnes. Dies unter einen Hut zu bringen, gelingt durch eine ganz einfache Formel: das Projekt Ausbildung in Teilzeit der Handwerkskammer Lübeck.

Eltern ohne Ausbildung

Kerstin Frowein ist Projektmitarbeiterin der Kammer Lübeck und ein gern gesehener Gast im Friseursalon Wasmund. Die 45-Jährige informiert Handwerksbetriebe über diese neue Form der Teilzeitausbildung. „Teilzeitausbildung ist sinnvoll für junge Menschen, die noch keine Ausbildung begonnen haben, also während der Schule Eltern wurden und nun die Ausbildung beginnen möchten“, sagt Kerstin Frowein. Dabei seien grundsätzlich zwei Modelle umsetzbar. So könne man beispielsweise die Arbeitszeit einschließlich des Berufsschulunterrichts auf 25 Wochenstunden oder 75 % der wöchentlichen Arbeitszeit reduzieren. In der zweiten Variante der Teilzeitausbildung lässt sich die Ausbildungszeit um maximal ein Jahr verlängern.

„Für uns war das Thema Teilzeitausbildung völliges Neuland“, sagt Friseurmeister Wasmund. Heute ist er von dem Modell begeistert. Zum einen wird der Betrieb durch die reduzierte wöchentliche Ausbildungszeit finanziell weniger stark belastet; noch wichtiger sei aber, dass die Lehrlinge zeitlich passend zur Betriebsstruktur eingesetzt werden können. „Wichtig ist natürlich, dass die Betriebe Verständnis für die Situation der jungen Menschen haben“, ergänzt Projektmitarbeiterin Frowein.

„Nur Gutes erzählt“

So ist es auch bei Michaela Poski. Die 35-Jährige wollte immer schon Friseurin werden. Ihr erster Versuch mit einer Friseurlehre scheiterte, weil die Chemie einfach nicht stimmte. Zu dieser Zeit traf sie in der Berufsschule auf Sina Balsam, die bereits im Betrieb der Eheleute Wasmund lernte. „Wir hatten so ein typisches Pausenhofgespräch“, erzählt Michaela Poski. „Wie läuft es bei Dir? Und so weiter.“ Und Sina Balsam hatte nur Gutes von ihrem Ausbildungsbetrieb zu erzählen. Durch die Hilfestellung der Kammer konnte dann auch die Hürde der Teilzeitausbildung genommen werden, und als Michaela Poski dann zum ersten Mal im Salon stand, fühlte sie sich „sofort zu Hause“.

Vorteile für Lehrling und Betrieb

„Die betriebliche Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren, ist eine tolle Möglichkeit und eine echte Chance für eine berufliche Perspektive“, betont Kerstin Frowein. Gerade die Erfahrungen von Ausbildungsbetrieben wie dem Friseursalon Wasmund zeigen, dass die Arbeitsleistung und der Lernerfolg der Lehrlinge gleich hoch, die Zuverlässigkeit und Motivation im Vergleich zu anderen Lehrlingen in Vollzeit jedoch deutlich höher beurteilt werden. Dem stimmt auch Friseurmeister Wasmund zu: „Michaela ist mit Herz und Seele dabei.“ „Junge Menschen, die frühzeitig Verantwortung für ein eigenes Kind übernehmen, haben in der Regel eine besonders hohe Motivation, eine Ausbildung zuverlässig und erfolgreich zu absolvieren“, ergänzt Kerstin Frowein. Wie eben bei Michaela Poski, die nach ihrer Arbeit auf den Weg in den Kindergarten ist, um ihren 5-jährigen Sohn Joesephe abzuholen. Kein Problem mit der Ausbildung in Teilzeit.

Ausbildung in Teilzeit
Die Ausbildung in Teilzeit richtet sich an junge Mütter und Väter sowie in Pflege eingebundene junge Menschen. Die Mitarbeiter der Handwerkskammer beraten und informieren umfassend zum Thema Teilzeitausbildung und stehen sowohl Betriebsinhabern als auch jungen Müttern oder Vätern zur Seite. Betriebe, die sich für „Ausbildung in Teilzeit“ interessieren oder einen Teilzeitausbildungsplatz zur Verfügung stellen möchten, erhalten nähere Informationen bei den Projektmitarbeitern.

Kiel:
Kerstin Frowein,
Tel.: 0431 5194-229
E-Mail: kerstinfrowein@hwk-luebeck.de,
Katharina Reinhold-Schubert,
Tel.: 0431 5194-225,
E-Mail: reinhold@kiel.ihk.de

Lübeck:

Anja Paulsen,
Tel.: 0451 6006-251,
E-Mail: paulsen@ihk-luebeck.de

Pinneberg:

Antje Gerdau,
Tel.: 04101 821307,
E-Mail: antjegerdau@hwk-luebeck.de

Flensburg:

Martina Jekat-Reiche,
Tel.: 0461 866-138,
E-Mail: M.Jekat-Reiche@hwk-flensburg.de

oder im Internet unter www.teilzeit-ausbildung.de

Ulf Grünke