Wo geht‘s lang?

Neujahrsempfänge der Kreishandwerkerschaften

Wie wird das Jahr 2010 laufen? Auch auf den Neujahrsempfängen der Kreishandwerkerschaften konnte diese Frage nicht beantwortet werden. Die Wirtschaftskrise ist noch nicht überwunden, Zahlungsmoral und Kreditkonditionen haben sich verschlechtert. Impulse erhoffen sich die Handwerker durch das Konjunkturpaket II.

„Das neue Bild des Handwerks“ (v. li.): Kreishandwerksmeister Uwe Riewesell und Geschäftsführerin Marion Fuchs informieren Innenminister Klaus Schlie.
Erleichterung herrschte bei den meisten Handwerkerinnen und Handwerkern darüber, dass das Jahr 2009 besser gelaufen sei als es vor einem Jahr zu erwarten war. Für Kammerpräsident Horst Kruse war dies gar nicht so erstaunlich: „Unsere Betriebe werden noch ganz direkt und mit vollem persönlichen Risiko von der Inhaberin oder dem Inhaber geführt. Damit hat der Kunde einen direkten Ansprechpartner, der darauf geeicht ist, kleinste Schwingungen und Veränderungen in seinem Umfeld wahrzunehmen und sich darauf einzustellen.“
Außerdem, so Kruse, würden die Verbraucher dem Handwerker vertrauen, weil die Betriebe überschaubar und die Leistungen nachvollziehbar sind: „In den meisten Fällen kennen unsere Kunden den Chef noch persönlich.“ Sorgen bereitet dem Kammerpräsidenten hingegen, dass Betriebe ihren Kreditbedarf im laufenden Jahr möglicherweise nicht decken können: „Wenn unsere Kollegen mit ihren Zahlen für 2009 in diesem Jahr Liquidität in Form von zusätzlichen Krediten oder Kreditlinien benötigen, werden sie auf Kreditinstitute treffen, die schon jetzt wissen, dass sie 2011 ihr Eigenkapital erhöhen müssen.“ Er befürchte, dass die Banken daher noch vorsichtiger bei der Kreditvergabe sein werden.

Wirtschaftsmacht von nebenan

Trotz aller Verunsicherung („Ich sehe keine klare Richtung“) freut sich der Kammerpräsident auf das Jahr: „Das Handwerk geht endlich daran, sein Image bei der Bevölkerung und bei den Schulabgängern aufzupolieren.“ Kruse spielte damit auf die bundesweite Imagekampagne an. Das Handwerk habe oft aus Unkenntnis der Verbraucher an Ansehen und Bedeutung in der Öffentlichkeit verloren. „Als ‚Wirtschaftsmacht von nebenan‘ gehen wir jetzt endlich in die Offensive, um Vielfalt und Leistung des Handwerks zu zeigen“, betonte er.

KH Herzogtum Lauenburg: an Handwerk in der Region denken
Daher stand der zwischenzeitlich nicht mehr gesendete Auftaktfilm der Imagekampagne im Mittelpunkt der Diskussionen beim Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft des Kreises Herzogtum Lauenburg. „Großartig gemacht, gute Musik und eine eindeutige Botschaft“, lauteten die Bewertungen der zahlreichen Gäste, die Kreishandwerksmeister Uwe Riewesell begrüßte. Ein Heimspiel hatte dabei Innenminister Klaus Schlie, der versprach, die vorliegenden Entwürfe des Landesentwicklungsplanes umfassend zu überarbeiten und handwerksfreundlichere Rahmenbedingungen zu schaffen: „Wir wollen gerade für die ländlichen Räume Entwicklungsmöglichkeiten schaffen.“

Entwicklungsmöglichkeiten sieht Uwe Riewesell auch aus anderen Gründen gefährdet, durch das auch nach 20 Jahren noch unterschiedliche Preisgefüge zwischen dem Herzogtum und dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Er appellierte an alle privaten und öffentlichen Auftraggeber: „Denken Sie zuerst an den Handwerker in unserer Region.“ Denn der Handwerksmeister, der in seiner Heimatgemeinde seine Steuern zahlt, der den Gesellen Arbeit gebe, der junge Menschen ausbilde und Schülern Jahr für Jahr Praktikumsplätze zur Verfügung stelle, der habe es verdient, dass er die Aufträge bekommt, die zu vergeben seien.

KH Kiel: Klönschnack im Schnee

Schulfrei, Salzmangel und ein eingestürztes Dach: Tief „Miriam“ hatte Anfang Februar massenhaft Neuschnee nach Norddeutschland gebracht und dabei Gebietsweise für Chaos gesorgt. Auch bei der Kreishandwerkerschaft Kiel, die zu ihrem traditionellen „Klönschnack des Kieler Handwerks“ geladen hatte. Aufgrund des widrigen Winterwetters musste Kreishandwerksmeister Jürgen Gebhardt auf zahlreiche Gäste verzichten, darunter auch Horst Kruse, Präsident der Handwerkskammer Lübeck, der eigentlich als Festredner vorgesehen war. Rund 80 Gäste aus Politik, Handwerk und Gesellschaft hatten jedoch dem Schnee getrotzt und ihren Weg zum Könschnack gefunden. Dafür wurden sie mit guter Unterhaltung belohnt. „Auf unsere Stammgäste ist eben Verlass“, freute sich auch Geschäftsführer Alfred Bridstrup.
Kreishandwerksmeister Gebhardt sparte in seiner Rede allerdings nicht mit Kritik an der Politik. Sein Fazit nach 100 Tagen Regierungszeit: „Als Tiger gestartet, als Bettvorleger gelandet.“

KH Mittelholstein: politische Verantwortlichkeiten
Gastgeber und Kreishandwerksmeister Manfred Arp begrüßte rund 190 Gäste, zum Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft Mittelholstein. Er machte unmissverständlich klar, dass dem Handwerk in der Region ein schwieriges und arbeitsreiches Jahr bevorstehe. „Die Krise ist nicht vorüber. Auch wenn die wirtschaftlichen Signale wieder nach oben weisen“, so die Überzeugung des Kreishandwerksmeisters.
Im Koalitionsvertrag des Bundes gebe es zwar wichtige und richtige Ansätze, die Umsetzung sehe aber in manchen Bereichen ganz anders aus, betonte Arp. „Von dem billigen Geld, das die Banken erhalten, muss auch etwas bei den Betrieben ankommen.“

Die Entwicklungsperspektiven der norddeutschen Wirtschaft beleuchtete Ulrich Wachholtz, Präsident des Unternehmensverbandes Nord. Er sah durchaus positiv in die Zukunft. Wenn in die Struktur des Landes investiert werde, dann komme dies den Arbeitsplätzen von morgen zugute, so der Verbandspräsident weiter. Als Beispiele nannte er wichtige Verkehrsinfrastruktur-vorhaben, wie den sechsspurigen Ausbau der A7 und A20 sowie die Fehmarnbelt-Querung.

Andreas Katschke, Ulf Grünke, Christian Maack