Das Handwerk ... überall unübersehbar

Standpunkt

Die „Wirtschaftsmacht. von nebenan“ ist morgens erst mal der Bäcker. Noch halb verschlafen locken Geruch und der rote Spruch auf der hellblauen Brötchentüte ein erstes Lächeln hervor. Zuhause duftet der Kaffee und leckerer Aufschnitt – natürlich vom Fleischer unseres Vertrauens – steht auf dem Tisch. Auf dem Weg zur eigenen Arbeit rufen die vorbeisausenden Heckklappen mit dem Spruch „Wenn die Arbeit ruft, kaum zu bremsen“ ein fröhliches Grinsen hervor.

Frank Glücklich
 An jeder Baustelle hängen an den Gerüsten riesige Banner mit flotten Sprüchen und Motiven der Handwerkskampagne. Die Lehrlinge tragen immer häufiger das Handwerks-T-Shirt. Selbst in den Gymnasien sind die „Werkzeugkoffer 2.0“-Taschen jetzt „in“. Die Youtube-Kanäle zur Handwerkskampagne sind „hip“ und die Graffiti-Plakate werden als „cool“ bezeichnet. An den Schulen werden bereits die ersten Karten für die große Lehrlingsfete im Sommer gehandelt. Fast schon nostalgisch erscheint da der Gedanke an den Start: Der Auftaktfilm, die Haiti-Irritationen, der Youtube-Boom und die ersten Diskussionen in den Betrieben. Derzeit stehen allerdings die Handwerk-Events, die mehrfach im Jahr sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten an die Bürgerinnen und Bürger richten, im Mittelpunkt. Das Handwerk ist in seiner Bedeutung unübersehbar geworden und in aller Munde. – Ein Traum? Noch! Denn es ist ein Traum, den wir gemeinsam wahr machen können!

Der Start unserer Imagekampagne liegt nun sechs Wochen zurück. Die Resonanz ist phantastisch. Der Stopp der Fernsehausstrahlung aufgrund einer von einigen empfundenen Assoziation mit der Katastrophe in Haiti hat uns kaum geschadet. Gerade dieses Aussetzen des Films hat einen Run auf ihn ausgelöst, insbesondere bei der Zielgruppe, die für uns als Nachwuchs am wichtigsten ist. Über 50.000 Zugriffe auf Youtube in wenigen Wochen und Kommentare wie „Jeder Scheiß läuft im TV und so ein super Spot wird verboten …???“, oder „Sehr gut gemacht, ich hoffe, alle Handwerker beteiligen sich auch an der Aufkleberaktion und hängen die Plakate hin. Die Allgemeinheit sollte den Wert des Handwerks erkennen. …“ oder einfach „aaah, o.k., danke“.

Die Medien – Zeitungen wie Werbefachzeitschriften – formulieren fast durchgängig Erstaunen, Anerkennung, selbst Begeisterung. Natürlich gibt es auch kritische Stimmen. Wir sind offen und lernbereit, allerdings darf der Geschmack Einzelner die Professionalität der Kampagne nicht beeinträchtigen. Auf die Wirkung in der Öffentlichkeit und besonders bei der Jugend, die wir dringend als Nachwuchs im Handwerk brauchen, kommt es an. Die Imagekampagne ist auf fünf Jahre angelegt. Im ersten Jahr wird es sich entscheiden, ob es uns gelingt, eine Aufbruchstimmung im Handwerk zu erzeugen, die auf die Öffentlichkeit „überschwappt“. Die Bundeskampagne läuft. Jetzt sind wir gefordert: Die Handwerkskammern, indem sie den Rückenwind der Bundeskampagne nutzen und regional durch eigene öffentlichkeitswirksame Aktionen verstärken. Die Innungen und Verbände, indem sie die Bedeutung ihres Gewerks herausstellen und die Betriebe, indem sie sich in der Kampagne sichtbar machen, denn sie sind jeden Tag tausendfach auf den Straßen und beim Kunden unterwegs.

Wenn uns das gelingt, wird die Kampagne ein großer Erfolg werden. Das Ziel ist aller Anstrengungen wert. Packen wir’s an!

Herzlich grüßt Sie

Frank Glücklich

Hauptgeschäftsführer der HandwerkskammerHamburg