Lebe Deinen Traum!

Kay Gundlack Schuhmanufaktur in Parchim

„Ich muss mich manchmal kneifen“, sagt Kay Gundlack, „sonst habe ich Angst, dass ich gleich aufwache.“ Seine rasante Karriere vom angestellten Orthopädieschuhmacher zum Inhaber
einer Maßschuhmanufaktur mit Promi-Kundschaft ist aber auch ganz schön traumhaft.

Geboren und aufgewachsen ist er im mecklenburgischen Goldberg. Seine Lehre zum Orthopädieschuhmacher hat er gleich um die Ecke in Parchim absolviert. Auf die Ausbildung folgten 15 Jahre Gesellenzeit als leitende Kraft im gleichen Betrieb. Er ist verheiratet und hat Kinder. Bodenständiger geht es eigentlich kaum und alles sieht danach aus, als ob da einer sein Leben fest geplant und eingerichtet hat.
Aber da lauerte noch ein ganz außergewöhnlicher Wunsch in Kay Gundlack, der erfüllt werden wollte. Als er 32 war, machte er ihn zur Realität. In der alten Tuchmacher- und Schuhstadt Parchim, die einst stolze 118 Schuhmacher gezählt hatte, eröffnete Kay Gundlack zum großen Erstaunen vieler am 4. Januar 2006 im Stadtzentrum seine eigene Schuhmanufaktur. Für die Gegend war dies ein so außergewöhnliches Ereignis, dass die Medien schnell auf den Jungunternehmer aufmerksam wurden.

Echte Leidenschaft
Sieben Fernsehbeiträge wurden seitdem über ihn gemacht und zahlreiche Presseveröffentlichungen, zuletzt in der Super Illu, haben ihm bundesweit viel Aufmerksamkeit und neue Kunden beschert. Das hat seinen Grund. Der Mann liebt Schuhe und diese Begeisterung für die eigene Arbeit strahlt förmlich aus ihm heraus. Mit seiner offenherzigen und ehrlichen Art, die, wie er selbst sagt, „leider auch vor Fettnäpfen nicht halt machen will“, begeistert er auch seine Kunden – so sehr, dass meist jeder Widerstand zwecklos ist.

Kay Gundlack ist davon überzeugt, dass seine Schuhe glücklich machen. Denn seine Maßschuhe sind nicht nur schön, sie passen perfekt und sind dank des individuell angepassten Fußbetts bequem und gut für die Fußgesundheit. Gundlacks erklärtes Lebensziel ist es nicht, so viel Geld wie möglich zu verdienen, sondern so vielen Kunden wie möglich mit seinen Schuhen das Leben zu bereichern. Er ist einer der wenigen, denen man so etwas wirklich glaubt. Im September letzten Jahres, erzählt er, hat er seine Kunden zu einer „Dankeschön-Feier“ in seine Manufaktur eingeladen. „Da sind etwa 60 Leute gekommen und alle liefen in meinen Schuhen herum. Das war einfach nur toll“, strahlt er.

Im Rampenlicht
Die Bandbreite seiner Kunden ist noch größer als die seiner Materialien. Da ist die Witwe, die sich Schuhe aus einer Schlangenhaut machen lässt, die ihr Mann ihr einst von einer Reise mitgebracht hat. Da ist die Lehrerin, die sich aus vielen bunten Lederstücken „Gute-Laune-Schuhe“ anfertigen lässt, die sie anschauen kann, wenn ihre Schüler wieder einmal besonders nerven. Und da ist Joachim Llambi, Jurymitglied in der RTL-Sendung „Let´s dance“, der nicht nur Kay Gundlacks Schuhe trägt, sondern mittlerweile auch Freund und Golfpartner geworden ist.

Die Welt der Stars und Sternchen ist ein lukrativer Markt, und so nutzt Kay Gundlack Kontakte und Gelegenheiten, sich hier bekannt zu machen. Bereits 2007 liefen seine Schuhe erstmals über die Berlinale. Im Februar 2010 konnte er sich bei der „Media meets Movie“ im Berliner Nobelhotel Ritz Carlton präsentieren. Die Liste prominenter Interessenten und Kunden wächst. „Leider darf ich nur wenige zu Werbezwecken nutzen, da viele durch Veträge gebunden sind, die das verbieten.“

Bei ersten Adressen zu Hause
Obwohl Kunden auch nach Parchim kommen, was, nebenbei bemerkt, der beschaulichen Kreisstadt Besucher beschert, die sonst wohl nie in diese Gegend gekommen wären, wirbt Kay Gundlack auch in den Nobelmeilen deutscher Großstädte für seine Schuhe. Bei Monsieur Albert, dem ältesten Herrenausstatter auf dem Berliner Ku’damm ist er ebenso zu Hause wie im Maßatelier von Stephan C. Görner in Frankfurt. Ähnliche Kontakte sucht er zurzeit noch in Hamburg und Köln. Unter der Woche findet man Kay Gundlack in seiner Werkstatt, in der er seit Anfang April auch seinen ersten Mitarbeiter beschäftigt. Sven Möller ist ebenfalls gelernter Orthopädieschuhmacher – mit 20 Jahren Berufserfahrung.

An den Wochenenden ist Kay Gundlack fast immer unterwegs. „60.000 Kilometer kommen bei mir im Jahr zusammen“, sagt er. Seit er 2006 mit einer Delegation der Handwerkskammer Schwerin und des Wirtschaftsministeriums in Mailand war, ist er dort alle drei Monate vor Ort. Auch die Niederlande, Österreich und Luxemburg gehören zu seinen „Exportländern“.

Hinzu kommen die Einkaufstouren, wobei er immer auch Ausschau hält nach dem ganz Besonderen. In seinem Lager finden sich feinste Leder vom Pferd, Strauß, Elefanten, Känguruh, Kaiman und demnächst auch vom Kamel. Er kann Schuhe aus Perlrochenleder machen, von dem wohl kaum einer weiß, dass es das überhaupt gibt. Natürlich kann man sich bei Kay Gundlack auch nur den Absatz reparieren lassen. Für ihn als guten Handwerker gehört sich das einfach.

Bildnachweis: Tölle, Schawe

Petra Gansen