Handlungsplan für Energieeffizienz

Standpunkt

Um den Gegensatz zu überbrücken zwischen dem weltweit zunehmenden Energiehunger und abnehmenden Ressourcen gilt die „Energieeffizienz“ als Schlüsselbegriff. Knappe und damit teure Güter müssen besonders sorgfältig genutzt werden. Kreativität, Innovationsfreude und der spitze Bleistift sind hier gefragt. Nur so kann dem Anstieg der Betriebskosten begegnet, die Wettbewerbsfähigkeit verbessert und Aufträge für das Handwerk ausgelöst werden.

Edgar Hummelsheim, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwerin.

Das Thema Energieeffizienz genießt nach einer aktuellen Umfrage der Förderbank des Bundes (KfW) bei kleinen und mittleren Unternehmen hohe Aufmerksamkeit. Knapp 50 % aller befragten Unternehmen halten das Thema für wichtig, rund zwei Drittel sehen Möglichkeiten, den Energieverbrauch in ihrem Betrieb zu reduzieren. Im Vergleich zur Vorgängerstudie aus dem Jahr 2005 hat sich die Anzahl der in Energieeffizienz investierenden Unternehmen auf gut 60 % verdoppelt. Der Schwerpunkt der durchgeführten Verbesserungsmaßnahmen liegt im Gebäudebereich. So ist im letzten Jahr der Anteil verlegter Wärmeverbundsysteme trotz Wirtschaftskrise auf 40,9 Millionen Quadratmeter leicht angestiegen.

Als größtes Hindernis geben Unternehmen unzureichende Finanzmittel zur Durchführung von Energieeffizienzmaßnahmen an. Teilweise fehlt das für die Investition benötigte Kapital vollständig. Aber immerhin 46 % aller befragten Unternehmen haben Beratungsleistungen im Energiebereich in Anspruch genommen. Seit 2008 steht Ihnen Ihre Handwerkskammer als KfW-Regionalpartner im Rahmen des „Sonderfonds Energieeffizienz für KMU“ zur Verfügung. Handwerksbetriebe erhalten für Initialberatungen zur Energieeffizienz sowie für vertiefende Detailberatungen Zuschüsse.

Weil Energiesparpotenziale im Handwerk aber häufig mangels Kapital nicht realisiert werden, brauchen wir eine Verbesserung der Anreize. Günstige Förderkredite reichen nicht aus. Ähnlich wie in den wohnwirtschaftlichen Programmen wären Investitionszuschüsse für interessante Ein­spartechniken in den Betrieben hilfreich. Stattdessen hat die Bundesregierung bei der Förderung erneuerbarer Energien den Rotstift angesetzt. Wir brauchen aber ähnlich wie in der EU einen neuen Handlungsplan für Energieeffizienz. Dazu gehört auch ein Markt-Anreizprogramm für erneuerbare Heizenergie, den „schlafenden Riesen im Klimaschutz“, das mit dem geringsten Mitteleinsatz die größte CO2-Minderung erreichen könnte.

Auch die Mammut-Aufgabe der Gebäudesanierung muss machbar gestaltet werden. Nach derzeitigem Stand würde es nahezu 100 Jahre dauern, bis alle Gebäude einen ausreichenden Energiestandard erreicht hätten. Wenn wir durch entsprechende Anreize jährlich nicht 1,5 sondern 3 % und mehr der Gebäude sanieren, wäre die Aufgabe in 30–40 Jahren zu bewältigen.Das Handwerk hat bewiesen, dass es bei der energetischen Gebäudesanierung und der Optimierung der Haustechnik ein zuverlässiger Partner für private und gewerbliche Auftraggeber ist. Um Betriebe und Immobilienbesitzer für energetisch sinnvolle Investitionen zu gewinnen, brauchen wir einen langfristigen Handlungsplan für Energieeffizienz. So schaffen wir Planungs- und Investitionssicherheit, die durch den richtigen Mix von Förderanreizen unterlegt werden muss.

 

Edgar Hummelsheim