Mein Freund, der Baum

Zukunftsmarkt Umwelt

Vom grünen Fetisch einer kunterbunten Subkultur hat sich der Umweltschutz zu einem milliardenschweren Wachstumsmarkt gemausert. Für Handwerksbetriebe als Berater, Problemlöser, Bereitsteller und Entwickler gibt es viel Geld zu verdienen.

„Im Grunde macht die Energieeinsparverordnung fast jede Baumaßnahme an einer Immobilie zu einer energetischen Sanierung. Sobald mehr als 10 % der Gebäudehülle angefasst werden, sind vom Gesetzgeber verlangte bautechnische Standardanforderungen zum effizienten Betriebsenergieverbrauch zu erfüllen“, sagt Andreas Behrends. Behrends weiß, wovon er spricht. Als Bauleiter betreute der studierte Architekt eine Reihe von größeren und großen Baustellen. Im Juni  vergangenen Jahres hat er sich durch die Übernahme der Bad Schwartauer Firma „Bauunternehmen Hildebrandt“ selbstständig gemacht. Acht Beschäftigte arbeiten hier, zwei kommen bald dazu. Und im Sommer – mit etwas Glück – ein neuer Azubi.

90 % des Umsatzes macht der Betrieb mit hochwertigem Bauen und Sanieren im Bestand. Dazu kommt ein bisschen Neubau. Der Markt ist die Region, der Kunde in aller Regel privater Eigenheimbesitzer. Wettbewerb läuft nicht über den Preis, sondern über Qualität. Und das funktioniert: Die überwiegende Zahl der Auftraggeber sind Empfehlungskunden. Von den Auswirkungen der Wirtschaftskrise ist Bauunternehmen Hildebrandt verschont geblieben. „Wir haben schon vor 30 Jahren mit dem energetischen Bauen angefangen“, erzählt der Firmengründer und vormalige  Chef Daniel Hildebrandt. Energieeffizienz ist sein Thema. Fenster mit dreifachem Isolierglas und Wärmedämmung von zehn Zentimetern haben wir schon verbaut, da haben viele davon nicht einmal geträumt.“

Zukunftsmarkt ohne Alternative
Seitdem ist viel geschehen. Energetische Gebäudesanierung durch Wärmedämmung, moderne Brennwerttechnik und Nutzung erneuerbarer Energien bilden heute das milliardenschwere Zentrum eines dynamisch wachsenden Zukunftsmarkts Umwelt- und Ressourcenschutz. Kein Wunder. Mit vernünftiger Sanierung lässt sich der Energieverbrauch auch im Altbau um über 80 % senken. Die Entwicklung und der Einsatz erneuerbarer Energien schaffen Versorgungssicherheit, Innovation, Beschäftigung, Exportchancen und stabilisieren perspektivisch die Energiepreise. Angesichts des sich abzeichnenden Klimawandels und der an der Energiepreisentwicklung ablesbaren Endlichkeit fossiler Energieträger ist die Entwicklung dieses Marktes alternativlos. An der Bewältigung der enormen Herausforderung entscheidet sich zu guten Teilen die Zukunft.

Klima- und Ressourcenschutz sind zu Schlüsselthemen der deutschen und internationalen Politik geworden. Für die deutsche, überaus ambitionierte Umweltpolitik setzt das im August 2007 vom Bundestag beschlossene „Integrierte Energie- und Klimaschutzprogramm“ (IKEP) den Orientierungsrahmen. Danach sollen bis 2020 die Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 um 40 % gesenkt werden, der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung bei mindestens 30 %, an der Wärmeerzeugung bei 14 % liegen, und der Ausbau der Biokraftstoffe vorangetrieben werden.

Bauunternehmer Andreas  Behrends und Gebäudeenergieberater Daniel Hildebrandt (v. li.).
Zuckerbrot und Peitsche
Erreicht werden sollen die Ziele mit den klassischen Instrumenten Fiskalpolitik und Ordnungsrecht, Zuckerbrot und Peitsche: Einerseits fördert der Staat Investitionen in den Klimaschutz finanziell in Form von zinsverbilligten Krediten und Zuschüssen – andererseits wird das Umweltrecht in seinen Normen und Standards fortlaufend verschärft. Diese Strategie verfängt. Im vergangenen Jahr erreichte der Anteil der erneuerbaren Energien am Energieverbrauch in Deutschland einen Anteil von 10 %.  Auf über 16 % stieg ihr Anteil an der Stromerzeugung. Weniger überzeugend fällt die Zwischenbilanz bei der CO2-Gebäudesanierung aus. Der Gebäudebereich hat einen Anteil von rund 40 % am gesamten Endenergieverbrauch in Deutschland. Experten schätzten, dass etwa 1 % des Bestands energetisch saniert sind. Bedenkt man, dass der Gesamtbestand fast 17,3 Mio. Wohngebäude und 1,5 Mio. Nichtwohngebäude umfasst (darunter etwa 40.000 Schulen), lässt sich erahnen, welches Marktpotenzial sich den Baubetrieben öffnet.

Automobiler Umweltschutz

Ein ganz anderes Segment im Umweltmarkt bedient Martin Dankert.  Kerngeschäft des Diplom-Ingenieurs Kfz sind „alternative Kraftstoffe“ für Pkw – darum heißt sein Betrieb in Wittenburg (Mecklenburg-Vorpommern)  auch so. Im Mittelpunkt steht das Autogas. Viele Werkstätten bieten die Nachrüstung an. Die allermeisten erledigen das aber nebenbei. Martin Dankert hat sich auf Autogas spezialisiert. Sein Know-how hat sich herumgesprochen. In ganz Deutschland sind seine Kunden zu Hause.

„Autogas“, erzählt Martin Dankert, „gibt Autofahrern die Möglichkeit, ohne großen Aufwand gleichzeitig etwas für die Umwelt zu tun und Spritkosten zu sparen.“ Der Gesamtschadstoffausstoß bei Gasbetrieb beträgt 20 % dessen, was ein Benziner in die Umwelt bläst. Und die Kosten der Umrüstung hätten sich bereits nach 25.000–35.000 Kilometern amortisiert: Ein Liter Autogas kostet um die 65 Cent, bei einem um 15 % geringeren Brennwert als Benzin. „Wenn ich den Mehrverbrauch berücksichtige“, rechnet Dankert vor, „bin ich bei der Hälfte der Kraftstoffkosten.“ Früher bedeutete Autogas einen Leistungsverlust von 25 %. Heute liegt der reale Verlust bei 2 %. Martin Dankerts Ingenieursneugier und Entwicklereifer richtet sich seit geraumer Zeit auf die Elektromobilität. „Es muss da Möglichkeiten geben, diese Antriebstechnik zu einem bezahlbaren Preis auf den Markt zu bringen“, sagt er. Ideen habe es schon, aber mehr will er noch nicht verraten.

Bildnachweis: Seemann

Thomas Meyer-Lüttge