Rezepte und Stromschnellen inklusive
Lehrlingsaustausch und Vorstandsbesuch in Poitiers
Einer Herausforderung der besonderen Art stellten sich im Sommer 20 Lehrlinge aus Mitgliedsbetrieben der Handwerkskammer Lübeck. Sie waren Teilnehmer des 35. deutsch-französischen Lehrlingsaustausches. Zwei Wochen erlebten sie hautnah die Arbeitswelt in einem Betrieb ihres Berufes im französischen Poitiers.
Ein interessantes Programm erwartete die Lehrlinge in Frankreich: Viele neue Eindrücke in den Betrieben und Spaß bei ungewöhnlichen Freizeitaktivitäten. |
Ein Gewinn für alle
Die gemeinsame Arbeit im Betrieb brachte beiden Seiten Vorteile. So gewannen nicht nur die Lehrlinge neue Eindrücke und Erfahrungen, auch den Betriebsinhabern und ihren Mitarbeitern gab der Besuch aus Deutschland neue Anregungen. Schnell waren auch die letzten sprachlichen Barrieren gefallen und die wichtigsten Begriffe konnten in beiden Sprachen benannt werden. Die gute Zusammenarbeit ging sogar so weit, dass bei den Konditoren Rezepte ausgetauscht wurden, und einigen der 17 bis 24 Jahre alten Lehrlingen angeboten wurde, nach ihrer Gesellenprüfung als neue Mitarbeiter nach Poitiers zu kommen. Dementsprechend stießen die beiden Begleiter der Fahrt, Frank Roth und Nikoline Lafrenz, bei ihren Betriebsbesuchen auf zufriedene Lehrlinge und Betriebsinhaber. Um Land und Leute besser kennen zu lernen, gab es an den Wochenenden eine Reihe von Aktivitäten wie einen Ausflug an die Atlantikküste, einen Stadtrundgang durch Poitiers und eine Kanufahrt durch Stromschnellen.
Hochoffiziell wurde es dann beim Empfang im Regionalrat der Vienne. Die Präsidentin Ségolène Royal ließ es sich nicht nehmen, die 20 Norddeutschen persönlich zu begrüßen. Dabei machte sie deutlich, dass der „Blick über den Tellerrand“ und die Mobilität für junge Leute in Europa auch in Frankreich einen hohen Stellenwert besitzt. Als Nachweis für ihren Auslandsaufenthalt erhalten alle Teilnehmer von der Handwerkskammer Lübeck den „Europass Mobilität“, mit dem die Lehrlinge bei zukünftigen Bewerbungen punkten können.
Interessenvertretung
Auch vom parallel zum Lehrlingsaustausch stattfindenden traditionellen Treffen der Vorstände der beiden Kammern profitieren alle Teilnehmer immer wieder. In diesem Sommer standen in den Gesprächen die Imagekampagne und die europäische Berufsbildung im Vordergrund der Gespräche. So hat das französische Handwerk schon 1999 sein „Schicksal selbst in die Hand genommen“ und eine Imagekampagne ins Leben gerufen. Ebenso wie in Deutschland sollte das Ansehen des Handwerks als Wirtschafts- und Gesellschaftsgruppe verbessert und die Leistungen des Handwerks, aber auch des einzelnen Betriebes ins rechte Licht gerückt werden.
Die erfolgreich gestartete Imagekampagne des deutschen Handwerks stellte Kammerpräsident Horst Kruse anhand des vielfältigen Medienmaterials vor. Dabei setzte der französische Kammerpräsident Joël Godu gleich eine Zielmarke: In Frankreich stehen 86 % der Bevölkerung dem Handwerk positiv gegenüber. „Dies ist für uns Ansporn genug, dem französischen Handwerk nachzueifern“, so Horst Kruse. Ein weiterer Schwerpunkt war die Aner-kennung und Gleichwertigkeit von Berufsabschlüssen in Europa. Die EU plant, mit Hilfe eines Punktesystems, Ausbil-dungseinheiten und Berufsabschlüsse vergleichbar zu machen. Für die deutschen und französischen Vorstandsmitglieder ist dies ein positiver Grundgedanke. „Man weiß, wer kommt und welche Qualifikation er mitbringt“, so Zimmerermeister Ralf Stamer.
Innovatives Handwerk (v. li.): Horst Kruse und Joël Godu testen gemeinsam ein Elektroauto.
Info: Partnerschaft mit Lehrlingsaustausch
Seit 1971 besteht eine enge und lebendige Partnerschaft zwischen der Handwerks-kammer Lübeck und der Handwerkskammer der Vienne mit Sitz in Poitiers, Frankreich. Wichtigster Bestandteil dieser Partnerschaft ist der wechselseitige Lehrlingsaustausch, der seit 1976 jährlich durchgeführt wird und finanziell vom Deutsch-Französischen Jugendwerk unterstützt wird. Bisher profitierten rund 850 deutsche und französische Lehrlinge davon.
Der nächste Austausch findet im Sommer 2011 in Lübeck statt. Dann kommen 20 französische Lehrlinge, um in Lübecker Betrieben ihres jeweiligen Ausbildungsberufes zu arbeiten. Wenn Sie einen Handwerksbetrieb mit Sitz oder Filiale in Lübeck haben und bereit sind, während des zweiwöchigen Aufenthalts einen französischen Lehrling für je 4 bis 5 Tage in der Woche im Betrieb aktiv mitarbeiten zu lassen, informieren Sie gern jetzt schon einen der Ansprechpartner:
Frank Roth, Tel.: 0451 1506-224 oder
Ines von Jagow, Tel.: 0451 1506-195,
Fax: 0451 1506-262,
E-Mail: Lehrlingsaustausch@hwk-luebeck.de,
www.hwk-luebeck.de/lehrlingsaustausch
Bildnachweis: Katschke/Lafrenz
nl/ak

Ein interessantes Programm erwartete die Lehrlinge in Frankreich: Viele neue Eindrücke in den Betrieben und Spaß bei ungewöhnlichen Freizeitaktivitäten.