Wir sind dann mal weg

Auslandspraktika

Während oder nach der Lehre der Heimat einmal den Rücken kehren und Berufserfahrung im Ausland sammeln? Hendrik Stapelfeldt und Niels Hondt haben ihren Wunsch nach einem Auslandspraktikum in die Tat umgesetzt. Zwei Beispiele, die zum Nachahmen anregen sollen.

Vamos a España!
Drei Monate wohnen und arbeiten in Spanien: Gleich im Anschluss an seine Lehre nutzte SHK-Anlagenmechaniker Hendrik Stapelfeldt die Gelegenheit und absolvierte ein Praktikum in San Sebastián. Seinen Auslandsaufenthalt hatte der Geselle gründlich geplant, auch mit intensiver Unterstützung der Mobilitätsberatung der Handwerkskammer Lübeck (siehe Infokasten). Nur die Suche nach einem Praktikumsplatz verlief Anfang 2010 wegen der Wirtschaftskrise zunächst schwieriger als erwartet. Viele Betriebe boten aufgrund ihrer wirtschaftlichen Lage zunächst keine Praktikumsstelle an. Fündig wurde Hendrik Stapelfeldt dann bei einem Sanitär-Großhandel. Dieser stellte den jungen Mann für Arbeiten in der Lagerhaltung und in der Angebotserstellung für Sanitärbetriebe ein. Für ihn hätten sich diese Tätigkeiten durchaus ausgezahlt, meint Hendrik Stapelfeldt rückblickend. „Da ich die Meisterausbildung anstrebe, war für mich insbesondere das Erstellen von Angeboten eine gute Übung.“

Auch sonst habe sich das Praktikum in jedem Fall gelohnt. In seiner Gastfamilie wurde er herzlich aufgenommen, von Kultur und Menschen im Baskenland war er beeindruckt. Nicht zu vergessen: das Meer vor der Haustür. „Mindestens einmal auf dem Surfbrett zu stehen ist hier fast schon Pflicht.“ Croissant, pain au chocolat, und – natürlich – das Baguette gelten in der ganzen Welt als die Inbegriffe französischer Backkultur. Für Bäckergeselle Niels Hondt stand schon lange fest, dass er nach Abschluss seiner Lehre auf jeden Fall ein Praktikum in Frankreich absolvieren wollte, um in die Geheimnisse französischer Backkunst einzutauchen. Mit Hilfe der Mobilitätsberatung der Handwerkskammer fand er ein Programm, über das er seinen Aufenthalt organisierte und finanzierte.

Vive la Baguette
Im März dieses Jahres war es dann so weit: Niels Hondt tauschte seinen heimischen Arbeitsplatz für sieben Wochen gegen eine Boulangerie in Marseille. Von Anfang an wurde er in alle Arbeiten einbezogen. Das
hieß vor allem: Backen von Croissants und Baguettes. Außerdem lernte er noch die Herstellung typisch französischer Backwaren wie Brioche kennen. Seinen Arbeitsalltag, der erst um 5 Uhr  morgens begann, meisterte Niels Hondt ohne Probleme. Das einzige, womit er auffiel, war seine weiße Berufskleidung. „Die französischen Kollegen trugen alle bis auf den Chef schwarz“, erzählt er. Gefragt, wovon er besonders beeindruckt war, sagt Hondt, dass ihm die quirlige Atmosphäre der Mittelmeerstadt noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Sybille Rhein von der Handwerkskammer Lübeck (li.) fand auch für Dachdeckerlehrling Joanna Wesolowska einen Praktikumsplatz in Spanien. Lesen Sie dazu die Reportage ab Seite 36.
Auslandspraktikum
„Sehr selbstständig und offen für Neues sollten Lehrlinge und junge Gesellen ein, die ein Auslandspraktikum absolvieren möchten“, rät Sybille Rhein. Sie ist Koordinatorin des Projekts „Fit für Europa“, der Mobilitätsberatung der Handwerkskammer Lübeck für Praktika im Ausland. Junghandwerker und Ausbildungsbetriebe berät Sybille Rhein unverbindlich zu allen Themen rund um das Auslandspraktikum und unterstützt bei der Suche nach einem geeigneten Praktikumsbetrieb. Das Projekt wird mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und nationalen Kofinanzierungsmitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) gefördert.

Kontakt:
Sybille Rhein,
Tel.: 0451 1506-267,
E-Mail:
srhein@hwk-luebeck.de,
www.fitfuereuropa.de

Bildnachweis: Schomakers / shutterstock

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