„Stipendium“ für den besten Nachwuchs

100 Jahre Friseur Wrage in Schwerin

Erfolgreich im Team (v. li.): Margitta Lübke, Anja Massow, Illja Zaytes und Claus Wrage.
Es war 1960. Claus Wrage war 12 Jahre alt, als seine Eltern mit ihm Schwerin verlassen mussten. Damals wurde die 1910 von seinem Großvater Gustav am Marienplatz begründete und von Vater Gerhard 1934 mit einem eigenen Salon in der heutigen Mecklenburgstraße ergänzte Firmentradition in der Stadt unterbrochen und im Westen fortgesetzt. Es war ein schwerer Schritt für die Familie, denn sie war trotz aller Weltoffenheit mit Schwerin eng verbunden.
Gerhard Wrage war ein Pionier seines Handwerks, das ihm in Schwerin viele Neuerungen zu verdanken hatte. Er nahm 1928 an der Weltmeisterschaft der Friseure teil und wurde Spezialist für die Dauerwelle. Er war es, der erstmals den Lockwellwickler in Schwerin einführte. „In den 50er Jahren“, erinnert sich Claus Wrage, „ging es uns hier richtig gut.“ Zum Ende des Jahrzehnts veränderte sich jedoch das politische und gesellschaftliche Klima. Gerhard Wrage folgte dem Rat guter Freunde und siedelte mit der Familie in den Westen über. Während die Eltern zunächst im niederrheinischen Moers, später in Plön ihre Selbstständigkeit fortsetzten, begann Claus Wrage seine Friseurlehre in Duisburg.

In die weite Welt hinaus
Die Entscheidung für den Friseurberuf fiel ganz ohne elterlichen Druck. Den Ausschlag gab die Möglichkeit, häufig ins Ausland reisen zu können. Claus Wrage ist seitdem viel herumgekommen. Auf Berlin und Zürich folgten Stationen beim „Friseur der Königin“ Alexandre in Paris und bei Vidal Sassoon in London. Im Auftrag eines Kosmetikkonzerns kam er bis nach Rio de Janeiro, San Francisco und nach Kalifornien. 1974 übernahm er dann aber den elterlichen Salon in Plön, um die Altersversorgung der Eltern zu sichern. Dann kam die Wende. Sofort zog es Claus Wrage nach Schwerin, und bereits beim ersten Besuch fiel der Entschluss, an den Stammsitz der Familie zurückzukehren. Die Neueröffnung verzögerte sich aber noch bis Januar 1996. Es gab viele Formalitäten zu klären, denn nachdem Familie Wrage die Stadt verlassen hatte, war der Salon einer PGH zugeordnet worden. Vom einst glanzvollen Interieur aus Marmor und Mahagoni war laut Claus Wrage nichts mehr vorhanden, stattdessen fand er „reichlich Pappmachee“ vor. Er gestaltete den Salon daher komplett neu.

Verantwortung übernehmen
In diesem Jahr feiert Claus Wrage nun das 100-jährige Geschäftsjubiläum und hat sich zu diesem Anlass etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Er stiftet einen Nachwuchs­preis für besonders talentierte Absolventen der Gesellenprüfung. Voraussetzung ist allerdings, dass der Nachwuchs aus einem Innungsbetrieb kommt, denn der stellvertretende Obermeister der Schweriner Friseur-Innung hält die Fahne des ehrenamtlichen Engagements sehr hoch.

„Ich könnte auch nur eine große Feier organisieren, aber ich denke, wir alle sollten mehr für die Gemeinschaft tun“, begründet Claus Wrage seinen Schritt. Der Preis soll zudem keine Eintagsfliege sein, sondern beginnend mit diesem Jahr regelmäßig ausgelobt werden. Ihn ärgert es, dass der Beruf des Friseurs überwiegend negativ dargestellt wird. „Immer heißt es, dass in diesem Beruf kein Geld verdient werden kann, aber das stimmt einfach nicht. Wer erkennt, dass wir eine Dienstleistung anbieten und nicht zur Selbstbefriedigung arbeiten, und wer zudem die Philosophie seines Salons kennt und lebt, der wird immer sein gutes Auskommen als Friseur haben.“ Mit dem Preis möchte er dazu beitragen, die Attraktivität des Friseurberufs beim Nachwuchs zu stärken. „Beständigkeit und Verbindlichkeit spielen heute im Berufsleben leider keine große Rolle mehr. Dies hat sicherlich auch viel mit der Erziehung zu tun, denn es wird heute kaum noch vermittelt, dass man eine Sache bis zum Ende durchziehen sollte. Junge Leute fangen heute vieles an und bringen es immer seltener zu Ende“, so der Friseurmeister, der bereits so viele Lehrlinge ausgebildet hat, dass er die Zahl gar nicht mehr zusammenbringt.

Der von ihm nun erstmals ausgelobte Preis zeichnet den besten Lehrling des Abschlussjahrgangs 2010 in den Kategorien Damen- und Herrenhaarschnitt im Bezirk der Friseurinnung Schwerin aus. Der Lehrling muss in einem Mitgliedsbetrieb der Friseurinnung Schwerin ausgebildet worden sein. Der Preis ist mit 500 € dotiert und wird für Zwecke der Weiterbildung, nämlich als Zuschuss für einen Schnittkurs gewährt.

Bildnachweis: Rainer Cordes

Petra Gansen