Schwarze Zahlen mit grünen Ideen
Interview mit Andreas Tietze
Grüne Umweltminister gibt es schon viele, in Baden-Württemberg wurde vor kurzem zum ersten Mal ein grüner Ministerpräsident gewählt. Niemand bezweifelt grüne Kompetenz im Klimaschutz und der Umwelt. Aber verstehen Bündnis 90/DIE GRÜNEN auch etwas von Wirtschaft? Grund genug für NordHandwerk, bei Dr. Andreas Tietze, wirtschaftspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion in Kiel, nachzufragen.
Herr Tietze, warum führen Die Grünen einen Wirtschaftskongress durch?
Tietze Wir Grünen wollen deutlich machen, dass wir über fundierte Wirtschaftskompetenz verfügen. Wir brauchen eine gute wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes, um die Daseinsvorsorge für Forschung, Bildung, soziale Sicherung etc. zu finanzieren. Alle Wirtschaftsbereiche stehen im Wettbewerb, müssen innovativ sein und ihre Produktivität sowie die Effizienz verbessern.
Welche Zielgruppen wollen Sie mit dem Wirtschaftskongress erreichen?
Tietze Wir Grünen wollen Vertreter und Vertreterinnen aus allen Bereichen der schleswig-holsteinischen Wirtschaft ansprechen. Viele Handwerker und andere Selbstständige wählen DIE GRÜNEN, ihre Erwartungen und Motive müssen sich in unserer Politik wiederfinden. Mit ihnen wollen wir über die wirtschaftliche Zukunft und die Rahmenbedingungen diskutieren.
Was kommt nach dem grünen Wirtschaftskongress?
Tietze Das auf dem Kongress vorgestellte Gutachten zum grünen BIP (Anm. d. Red.: Bruttoinlandsprodukt) wollen wir nutzen, um eine Wirtschaftskonzeption für Schleswig-Holstein zu erarbeiten. Mit diesem Konzept wollen wir überall im Land mit der Wirtschaft und besonders auch mit den Handwerkskammern in den Sach-Dialog treten. Die bevorstehende Landtagswahl wird sicherlich auch in der Auseinandersetzung mit den wirtschaftspolitischen Konzepten der Parteien entschieden.
Thema Nachhaltigkeit. Wie beurteilen Sie, vor dem Hintergrund der Debatte um das Thema Nachhaltigkeit, die Zukunftsperspektiven des Handwerks, gerade hier in Schleswig-Holstein?
Tietze Ich schätze die Zukunftsaussichten des Handwerks in Schleswig-Holstein sehr positiv ein. Die hohe Qualität der Handwerksarbeit und die Zuverlässigkeit sprechen für diese wichtige Wirtschaftsbranche. Die energetische Gebäudesanierung, der Einbau energiesparender Geräte, die Installation klimaschonender Heizsysteme, der Aufbau von Solarthermie- und Fotovoltaikanlagen sind super Beispiele für die Nachhaltigkeit des Handwerks im wahrsten Sinne des Wortes.
Zum Abschluss die Frage nach der Imagekampagne. Aus Ihrer Sicht gelungen?
Tietze Die Imagekampagne des Hand-werks gefällt mir gut. Sie zeigt, dass die Leistungen des Handwerks aus unserem täglichen Leben nicht wegzudenken sind. Gleichzeitig werden mit witzigen Sprüchen und dem Video junge Leute angesprochen, um den notwenigen Nachwuchs für das Handwerk anzuwerben. In der Tat, was wäre die Welt ohne Handwerk.
Die Fragen stellte Ulf Grünke.
Das Grüne BIP
Unter der Federführung des Instituts für interdisziplinäre Forschung Heidelberg, des Wuppertal-Instituts, des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung Berlin und der Freien Universität Berlin hat die grüne Landtagsfraktion ein Gutachten über eine alternative Messung von Wachstum und Wohlstand sowie die Konsequenzen für Schleswig-Holstein erstellen lassen. Im Rahmen eines ganztägigen Fachkongresses am 8. Juni 2011 von 10 bis 17 Uhr im Kieler Landeshaus wird dieses Gutachten der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Rahmen des Kongresses ist auch ein Gespräch zwischen Prof. Mathias Binswanger (Autor des Buches „Sinnlose Wettbewerbe - Warum wir immer mehr Unsinn produzieren“) und seinem Vater Prof. Hans Christoph Binswanger (entwickelte die Idee einer ökologischen Steuerreform) vorgesehen. Außerdem ist eine Diskussionsrunde mit hochkarätigen Vertretern der schleswig-holsteinischen Wirtschaft über die Frage „wie man mit grünen Ideen Schwarze Zahlen schreibt“ geplant. Weiter wird Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker aus seinem Buch „Faktor Fünf“ vorlesen.
Anmeldung:
E-Mail: fraktion@gruene.ltsh.de
Tel.: 0431 98815-00, Fax: -01
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