Ende eines Alptraums
Kreishandwerkerschaft hilft Flensburger Familie
Das Angebot des Baudiscounters war verlockend. Am Ende stand die vierköpfige Familie Klein fast vor den Trümmern ihrer Existenz. Die Flensburger Kreishandwerkerschaft, Innungsbetriebe und auch der Großhandel halfen. Jetzt kann die Familie wieder nach vorne blicken.
Das Ehepaar Klein (vordere Reihe 3. und 4. v. li.) mit den Vertretern der Firmen, die das Eigenheim realisieren wollen. |
Das Massivhaus vom Typ „Family“ schien das Familienglück der Kleins perfekt zu machen. Das junge Ehepaar mit zwei Kindern schloss mit dem Baudiscounter Partner Massivhaus Nord im Jahr 2010 einen Vertrag. Für sensationell günstige 102.000 € sollte das Haus schlüsselfertig gebaut werden. Doch aus dem Traum wurde schnell ein Alptraum.
Denn dank der Mithilfe des Baugeldverwalters floss bereits das meiste Geld an den Bauträger, ohne dass weitere Baufortschritte erzielt wurden, geschweige denn weitergearbeitet wurde. Statt zum vereinbarten Termin einziehen zu können, musste die Familie Klein, nachdem sie ihre eigentliche Wohnung gekündigt hatte, wieder in einer 3-Zimmer-Wohnung auf engstem Raum zusammenrücken und sahen kein Licht am Ende des Tunnels.
Im März 2011 rollte das Flensburger Tageblatt den Fall auf und auch die Kreishandwerkerschaft (KH) Flensburg nahm sich der Sache an, zumal auch der Ruf des Handwerks durch den Baudiscounter geschädigt wurde. Mit Erfolg. Mittlerweile ist die Firma insolvent und wird auch strafrechtlich verfolgt.
Durch das Engagement der Kreishandwerkerschaft erwuchs schnell auch die Idee, der Familie Klein zu helfen. Mithilfe eines zusätzlichen Baudarlehens der Investitionsbank konnte weiter gebaut werden. Die gutachterlich errechneten Restbaukosten in Höhe von 75.000 € lagen allerdings über der bewilligten Darlehenssumme. Doch auch diese Differenz konnte überbrückt werden.
Bei einer Vorbesprechung im Dezember 2011 in der Kreishandwerkerschaft wurden mit den beteiligten Innungsbetrieben gewerkeweise die Restarbeiten besprochen. Dank der großzügigen Unterstützung der Handwerksbetriebe, aber auch durch Sonderrabatte des Großhandels sowie Eigenleistungen des Bauherrn, konnten die restlichen Baukosten auf eine Größe gedrückt werden, die das Budget der vierköpfigen Familie hergibt.
Mittlerweile ist in der ehemaligen Bauruine wieder viel Bewegung. Bei den regelmäßig stattfindenden Baubesprechungen wird das weitere Vorgehen für die nächsten Wochen besprochen und die Gewerke koordiniert. Dann lässt sich wieder Zuversicht in den Gesichtern von Sengül und Andreas Klein ablesen, denn mit einer derartigen Professionalität hatten sie es bisher auf der Baustelle noch nicht zu tun.
„Es hat uns sehr betroffen gemacht, was Partner Massivhaus am Markt betrieben hat“, sagt Albert Albertsen, Flensburgs Kreishandwerksmeister. Und er stellt auch klar, dass Baudiscounter vom Typ Partner Massivhaus Nord nichts mit den Innungsbetrieben vor Ort zu tun haben. „Das kann uns nicht recht sein, das sind wir nicht.“
Die mangelhafte Tragfähigkeit eines solchen Discountangebots führte nicht nur zum Baustopp, sondern auch zu zahlreichen Mängeln in dem bisher erstellten Rohbau. Allein aufgrund mangelhafter Befestigung der Pfannen musste schon das Dach neu gedeckt werden. Auch sämtliche Außenfenster und Türen mussten neu eingebaut werden. Seitdem allerdings geht es auf der Baustelle spürbar voran. Mit dem Einzug der Kleins wird im Frühjahr gerechnet.
Bildnachweis: Haumann
Andreas Haumann

Das Ehepaar Klein (vordere Reihe 3. und 4. v. li.) mit den Vertretern der Firmen, die das Eigenheim realisieren wollen.