Investieren und konsolidieren
Für die Zukunft des Handwerks in Hamburg
In den vergangenen Monaten ist die Handwerkskammer Hamburg mehrfach öffentlich angegriffen worden. Es geht um den Konsolidierungskurs und Investitionen des Handwerks in die eigene Zukunft. Hauptgeschäftsführer Frank Glücklich erläutert die Fakten im Detail.
Seit 2004 Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hamburg: Frank Glücklich. |
Finanzen: volle Transparenz
Um langfristig steuern zu können, hat die Kammer eine umfassende Transparenz über ihre Finanzen hergestellt. Dazu hat sie ihre Rechnungslegung umgestellt von der Kameralistik auf die kaufmännische Buchführung, die Doppik. Während viele öffentliche Einrichtungen in Deutschland traditionell allein Einnahmen und Ausgaben darstellen, zeigt die doppelte Buchführung das Gesamtbild der finanziellen Lage: künftig zu erwartende Belastungen in Form von Rückstellungen ebenso wie laufende Hypotheken oder die Werte der Immobilien. Als erste Handwerkskammer hat Hamburg – auf Empfehlung von Präsident Katzer – zudem ihre Bilanz und die Gewinn- und Verlust-Rechnung ins Internet gestellt und damit für jeden zugänglich gemacht.
Eigenkapital und Verbindlichkeiten
Der Prozess der Umstellung auf doppelte Buchführung läuft seit einigen Jahren. In einem letzten Schritt wird noch der Seniorenwohnpark, der zum Kammervermögen gehört, in die Bilanz einbezogen. Damit wird die Kammer ein positives Eigenkapital ausweisen.
Derzeit bilanziert die Kammer Verbindlichkeiten in Höhe von 24 Millionen Euro. Davon sind rund 21 Millionen Euro Hypotheken auf die verschiedenen Immobilien. Für den ELBCAMPUS hat die Kammer zum Beispiel derzeit 15,5 Millionen Euro aufgenommen. Dem steht ein Gebäudewert des Kompetenzzentrums von 56 Millionen Euro gegenüber.
Altersversorgung – jetzt und in Zukunft
Ein weiterer Punkt, der mit der Umstellung der Buchführung öffentlich ausgewiesen wird, ist die Altersversorgung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kammer. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts hat die Kammer die Altersversorgung für ihre pensionierten Mitarbeiter früher vollständig aus dem laufenden Haushalt getragen. Dieses System bürdet folgenden Generationen hohe finanzielle Verpflichtungen auf. Seit dem Jahr 2004 hat die Geschäftsführung deshalb das Altersversorgungssystem auf eine Kapitaldeckung umgestellt. Daraus ergeben sich Konsequenzen für die Bilanz.
Erstens: Die Kammer muss die Verpflichtung, die sie gegenüber allen bis Ende 2003 eingestellten Mitarbeitern eingegangen ist, als Pensionsrückstellung ausweisen. Diese beläuft sich in der Bilanz des Jahres 2010 auf 16,1 Millionen Euro. Der Betrag wird sich nach den vorliegenden Prognosen noch bis 2014 erhöhen und dann allmählich sinken. Für die Kammer ergibt sich daraus keine unmittelbare Belastung ihrer Liquidität. Dennoch belastet diese Summe die Bilanz.
Zweitens: Die Kammer zahlt aus ihrem Haushalt nach wie vor rund eine Million Euro jährlich für bereits laufende Pensionen.
Drittens: Selbstverständlich entrichtet die Kammer seit 2004 die Abgaben für die kapitalgedeckte Altersversorgung derjenigen Kolleginnen und Kollegen, die seither ihre Arbeit aufgenommen haben – jeweils mit den monatlichen Gehältern.
Höhere Belastung heute, mehr Spielraum morgen
Das bedeutet eine vorübergehende finanzielle Mehrfachbelastung, die nicht einfach ist. Doch der Weg ist der richtige, denn durch die Umsteuerung ist sicher: Seit 2004 entstehen keine neuen Pensionsverpflichtungen mehr, die von späteren Generationen eingelöst werden müssten.
Auch den jahrzehntelangen Investitionsstau ist die Kammer angegangen. Seit 2004 hat sie angefangen, ihn sukzessive abzubauen. Auch das wird noch einige Zeit benötigen: In den kommenden Jahren steht die Modernisierung des Gewerbehauses an, die noch einmal enorm aufwendig werden wird.
Ausgeglichenes operatives Geschäft
In der Gesamtbetrachtung heißt dies: Die Kammerfinanzen sind stabil. Mit einem mittel- bis langfristig angelegten Konsolidierungskurs werden Altlasten langsam abgetragen. Ihr operatives Geschäft organisiert die Kammer so, dass es zumindest ausgeglichen ist. Die Geschäftsführung überprüft dafür Service, Beratung und Weiterbildung kontinuierlich, optimiert das Angebot und richtet es an der Nachfrage aus. Vor allem die Weiterbildung muss qualitativ hochwertig und gleichzeitig auf dem Markt konkurrenzfähig sein und bleiben. Das heißt auch, dass bei Schwankungen – wie derzeit auf dem Weiterbildungsmarkt – entsprechende Anpassungen vorgenommen werden. Hier laufen aus früheren Jahren noch Arbeitsverträge nach den Bedingungen des öffentlichen Dienstes. Diese bringen die Kammer in Bezug auf die bestehenden Bedingungen im Weiterbildungsmarkt in eine besondere Position.
Angriff auf Selbstverwaltung
Da weitere Vorwürfe trotz des klaren Konsolidierungskurses bei hoher Transparenz nicht auszuschließen sind: einige Worte zu den Zielsetzungen der Kammergegner. Der Verband „bffk“ hat sich vorgenommen, die Pflichtmitgliedschaft bei den Kammern zu desavouieren. Er kämpft gegen die starke Selbstverwaltung, gegen die Interessenvertretung des Handwerks und gegen die Solidargemeinschaft, die ein breites Serviceangebot für alle Mitglieder ermöglicht. Dies tut er mit der Methode der Skandalisierung. Der Effekt in der Öffentlichkeit ist wichtiger als Fakten und Tatsachen. Das zeigte sich bereits bei der Vollversammlungs-Wahl 2009, die die Kammer korrekt gemäß der Handwerksordnung durchgeführt hat. Der „bffk“ hat diese Wahl durch ein Mitglied der Kammer, das gleichzeitig im „bffk“-Bundesvorstand ist, als undemokratisch angefochten. Das Ziel solcher Aktionen scheint zu sein: Hauptsache, es bleibt in der Öffentlichkeit etwas hängen.
Für die Zukunft aufgestellt
Das ist besonders ärgerlich, denn tatsächlich hat sich die Kammer – auch über die Haushalts-Neuaufstellung hinaus – nach innen wie nach außen gut positioniert. Nach innen haben Geschäftsführung und Mitarbeiter Leistungsfähigkeit und Kundenorientierung durch einen umfassenden Modernisierungsprozess systematisch erhöht. Der Service für Mitglieder hat eine hohe Qualität. Beratungs- und Weiterbildungsangebote haben einen hohen Nutzwert.
Nach außen hat die Kammer als erfolgreiche Interessenvertretung die Rahmenbedingungen für das Hamburger Handwerk positiv beeinflusst. Der Masterplan Handwerk 2020 ist in dieser Richtung bundesweit wegweisend. In acht Handlungsfeldern hat die Kammer mit der Stadt vereinbart, wie die Entwicklung des Handwerks in Hamburg gestärkt werden soll. Dazu gehören Themen wie Fachkräfte- und Flächensicherung, die für das Handwerk von existenzieller Bedeutung sind.
Investitionen in zwei Feldern
Die Kammer hat außerdem in zwei Feldern massiv in die Zukunft des Handwerks investiert. Mit dem Bau des ELBCAMPUS hat sie für das Hamburger Handwerk eines der modernsten und qualitativ besten Bildungs- und Beratungszentren in Deutschland realisiert. Wer noch die alte GFA oder das alte ZEWU kennt, weiß, wovon die Rede ist.
Der zweite Punkt ist das starke regionale Engagement im Rahmen der fünfjährigen Imagekampagne des Handwerks. Seit 2010 hat die Kammer hier rund eine Million Euro pro Jahr investiert. Ziel ist es, das Image des Handwerks vor allem bei den Jugendlichen zu verbessern. Wir wollen im Handwerk die Nachwuchskräfte bekommen, die wir angesichts der demografischen Entwicklung dringender brauchen denn je. Um das zu erreichen, hat die Vollversammlung auf den Vorschlag von Präsident Katzer 2009 entschieden, zur Finanzierung der Imagekampagne die Mitgliedsbeiträge zu erhöhen. Nur wer in die eigene Zukunft investiert, wird das Rennen machen.
Das Engagement des Hamburger Handwerks zahlt sich hier bereits aus. Die Imagekampagne kommt gut bei den Jugendlichen an, die Resonanz ist stark. Das ist nicht zuletzt bei der Arbeit in den Schulen spürbar. Im vergangenen Jahr hat die Kammer mit einem Anteil von 13,6 Prozent Abiturientinnen und Abiturienten bei den Lehrlingen einen bundesweiten Rekord verzeichnet. Auch die Rückmeldungen aus Öffentlichkeit, Wirtschaft und Politik sind positiv. Bleibt zu wünschen, dass noch mehr Hamburger Betriebe sich mit ihrer Darstellung stärker in die Imagekampagne einbringen.
Eine Bilanz
Um all diese Fakten zusammenzufassen: Die Kammer folgt einer Doppelstrategie, die von Präsident Katzer seit seinem Amtsantritt im Jahr 2009 gezielt ausgebaut wurde. Die Kehrtwende ist eingeleitet, indem die Geschäftsführung weitere Belastungen für zukünftige Generationen gestoppt hat und Altlasten Zug um Zug abträgt. Gleichzeitig ist das Angebot der Kammer zukunftsfähig geworden. Mit Investitionen in den ELBCAMPUS und in massive Imagewerbung sind die Weichen in die Zukunft gestellt. Dazu kommt eine starke Interessenvertretung, um die Rahmenbedingungen für das Handwerk und die Entwicklung des Handwerks in unserer schönen Stadt günstig zu gestalten. Das Motto der Kammer bleibt: Wir arbeiten für die Zukunft des Handwerks.
Das Hamburger Handwerk investiert in ein besseres Image. Mit Erfolg. Die Kampagne kommt gut bei den Jugendlichen an. 2010 schlossen 13,6 Prozent Abiturienten einen Lehrvertrag im Handwerk ab: Bundesweiter Rekord. |
Bildnachweis: Seemann / Hfr /Pioch
Frank Glücklich

Seit 2004 Hauptgeschäftsführer der
Das Hamburger Handwerk investiert in ein besseres Image. Mit Erfolg. Die Kampagne kommt gut bei den Jugendlichen an. 2010 schlossen 13,6 Prozent Abiturienten einen Lehrvertrag im Handwerk ab: Bundesweiter Rekord.