Kunst aus Pelz und Holz
Gewinner des Gestaltungswettbewerbs „Gute Form“
Eines ist aus hartem Holz und das andere aus weichem Pelz. Eines jedoch haben die Gesellenstücke von Holzbildhauer Jakob Hahn und Kürschnerin Finja Paustian gemeinsam – sie wurden mit dem Gestaltungspreis „Gute Form“ ausgezeichnet.
Mit dieser Skulptur eines Markthändlers gewann Jakob Hahn den Gestaltungswettbewerb „Gute Form“. |
Sie ist 92 Zentimeter hoch. Die Arme lehnen auf einem Sockel, über dem eine Schürze hängt. Der flüchtige Betrachter kann nur erahnen, wie viel Zeit und Liebe zum Detail in Jakob Hahns Skulptur stecken. 150 Stunden blieben dem 24-jährigen Holzbildhauer aus Lüneburg zum Planen, Zeichnen, Modellieren einer Gipsfigur und anschließenden Bearbeiten des Ulmenholzes. Seine Arbeit überzeugte die Ausbilder der Eckener Schule in Flensburg ebenso wie die Jury des Gestaltungswettbewerbs „Gute Form“, die die Skulptur als bundesweit beste 2011 auszeichnete. Sobald er sie zurückbekommt, wird er das Gipsmodell, das als Vorlage diente, seinem Bruder Laurin schenken. Der stand als Modell viele Stunden in der Werkstatt. Ob Jakob Hahn weiterhin künstlerisch arbeitet, weiß er noch nicht. Das bestimmt die Nachfrage nach seiner selten gewordenen Handwerkskunst. In Lüneburg teilt er sich seit einigen Wochen eine Werkstatt mit einem Bootsbauer und arbeitet zusätzlich in der väterlichen Zimmerei. Die Denkmalpflege wäre ein Bereich, der ihn reizen würde.
Viel weicher als Hahns Holzskulptur ist der Persianermantel der Kieler Kürschnerin Finja Paustian. Ihr Gesellenstück wurde ebenfalls mit dem Gestaltungspreis „Gute Form“ ausgezeichnet. Einen tragbaren und leichten Mantel für jeden Anlass wollte die 22-Jährige gestalten und anfertigen. Das ist ihr gelungen. Sie musste Felle nach Größe, Farbe und Struktur sortieren, verlängern und verbreitern, Schnitte legen und schließlich zusammennähen. Die Arbeit mit den edlen Pelzen erforderte viel Geschick. Obwohl sie die kreativen Designmöglichkeiten des Kürschners begeistern, legte sie die scharfen Messer in der Kieler Werkstatt vorerst beiseite und zog hinaus – Auslandserfahrungen sammeln. In den kommenden drei Jahren studiert Finja Paustian in Oberösterreich Marketing und Elektronik-Business. Ihr Wunsch, Kürschnermeisterin zu werden, bleibt. Spätestens dann kehrt sie in die Kieler Werkstatt ihrer Familie zurück.
Bildnachweis: Seemann / Hfr
Jens Seemann

Mit dieser Skulptur eines Markthändlers gewann Jakob Hahn den Gestaltungswettbewerb „Gute Form“.