Vertrauen ist gut, Begeisterung ist besser!
Standpunkt
Na, wenn das keine guten Nachrichten für das Jahr 2012 sind: Die Welt schreibt in ihrer Ausgabe am 27. Dezember 2011 unter dem Titel „Neue Zukunftsbranche für Deutschland“ … „Das Handwerk erlebt einen Boom wie selten zuvor – und das dürfte ein Grund sein, warum die deutsche Wirtschaft insgesamt sich noch so wacker schlägt.“ Und in einer neuen Studie des GfK Vereins lesen wir, die Deutschen bringen dem Wirtschaftsbereich Handwerk das stärkste Vertrauen entgegen. Während der Wirtschaftssektor Banken und Versicherungen inzwischen mit 36 Prozent das Schlusslicht bildet, nimmt das Handwerk mit 88 Prozent den Spitzenplatz im Vertrauensranking ein.
Frank Glücklich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hamburg. |
Da war doch noch die Forsa-Studie mit ihren erschreckenden Zahlen über das Ansehen des Handwerks bei der jungen Generation. Zu Teilen ist den jungen Leuten gar nicht mehr klar, was Handwerk ist. Und wenn, finden sie es überwiegend altmodisch, unattraktiv – eben uncool. Die geringe Attraktivität des Handwerks beim potenziellen Nachwuchs und die demografische Entwicklung mit dem daraus folgenden Fachkräftemangel haben das Handwerk schließlich dazu bewogen, seine breit angelegte Imagekampagne 2010 zu starten. Frei nach dem Motto: Investiere rechtzeitig in deine Zukunft, damit du nicht zu den Verlierern gehörst.
Da ist die Frage erlaubt: Wo steht das Handwerk denn nun heute wirklich?
Wagen wir eine Standortbestimmung:
1. Das Handwerk genießt großes Vertrauen in der Bevölkerung. Das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können. Die Werte des Handwerks sind wieder modern und bewähren sich in Krisenzeiten in besonderer Weise.
2. Gerade in wirtschaftlich ungewissen Jahren erweist sich das Handwerk immer wieder als Stabilisator. Damit das so bleibt, müssen wir unsere Stärken wie Qualität, Kundenorientierung und Regionalität weiter ausbauen.
3. Die Zukunft des Handwerks wird an erster Stelle aber dadurch entschieden, ob es uns gelingt, die jungen Leute für das Handwerk zu begeistern. Die Imagekampagne zielt daher darauf, die Modernität des Handwerks zu vermitteln. Aber Zukunftssicherheit und befriedigendes Arbeiten reichen noch nicht allein, es müssen auch das gesellschaftliche Ansehen und der Verdienst stimmen. Handwerk muss cool werden.
4. Das Handwerk braucht angemessene Rahmenbedingungen. Hier ist die Politik gefordert. Eine zukunftsorientierte Mittelstands- und Handwerkspolitik muss von uns nachhaltig politisch eingefordert werden und darf nicht angesichts sich häufender kurzatmiger Kriseninterventionsversuche unter die Räder kommen.
Unsere Stärken haben uns das Vertrauen der Bevölkerung entgegengebracht. Lassen wir uns auf diese Stärken besinnen, sie ausbauen und den Nachwuchs dafür begeistern!
Herzlich grüßt Sie
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Frank Glücklich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hamburg.
