Baustellen als Gesamtsystem verstehen

Branchenübergreifende Ausbildung im Bau

Die Ausbildungszentrum Bau in Hamburg GmbH entwickelt erstmals eine Zusatzqualifikation mit branchenüber­greifenden Ausbildungsinhalten für das Baugewerbe. Diese soll Lehrlingen Verständnis für die unterschiedlichen Gewerke am Bau vermitteln, um so Bauschäden vorzubeugen. Die erste Ausbildungsgruppe startet im Februar.

Uwe Meyer (re.), Ausbildungsleiter des Ausbildungszentrums Bau in Hamburg mit Lehrlingen.
Ein gewissenhafter Bauhandwerker agiert in der Regel sicher in seinem Fachgebiet. Eine Vielzahl von sehr kostspieligen Bauschäden sind auf Verständigungsschwierigkeiten der am Bau beteiligten Berufsgruppen zurückzuführen. Selbst für erfahrene Bauleiter stellt die Koordination der unterschiedlichen Berufsgruppen innerhalb eines Bauprojektes immer wieder eine große Herausforderung dar.

Im Rahmen seiner JOBSTARTER-Projektarbeit NeuBau entwickelt das Ausbildungszentrum Bau in Hamburg GmbH (AZB) für die Auszubildenden aller Berufsgruppen des Baugewerbes eine Zusatzqualifikation, dessen Inhalte weit über die normale Ausbildung hinausgehen. Torsten Rendtel, Geschäftsführer des AZB, erklärt: „Unser Ausbildungskonzept sieht vor, Auszubildende aus verschiedensten Berufsgruppen der Bauwirtschaft gemeinsam auszubilden. Die Auszubildenden sollen hierdurch miteinander und vor allem voneinander lernen.“

Ausbilden im Team
Professionelle Projektpartner aus dem Handwerk stehen dem AZB beim Entwickeln der Zusatzqualifikation zur Seite. Die Tischler-Innung Hamburg, der Fachverband und die Innung Sanitär Heizung Klempner Hamburg sowie das Bildungszentrum für Elektrotechnik Hamburg unterstützen das AZB mit Rat und Tat. Regine Böge, Tischler-Innung Hamburg erläutert: „Wir sehen in der Zusammenarbeit mit dem AZB und den weiteren Projektpartnern eine große Chance für die Ausbildung des Hamburger Handwerks. Der Handwerker von heute muss das Gebäude als Gesamtsystem verstehen, um Bauschäden bereits im Ansatz zu vermeiden.“

Vierzigstündige Zusatzqualifikation
Die vierzigstündige Zusatzqualifikation des AZB ist in zwei Teile gegliedert und umfasst sowohl theoretische als auch praktische Ausbildungsabschnitte. In Rollenspielen und Situationsaufgaben werden zwei Tage lang branchenübergreifende Bauabläufe mit den Auszubildenden trainiert. Die jungen Handwerker sollen hierdurch ein Verständnis für die Tätigkeiten der jeweils folgenden Berufsgruppe entwickeln. Im praktischen Teil der Zusatzqualifikation erarbeiten die Auszubildenden typische Schadenspunkte in der Praxis. Hierbei tauschen sie die jeweiligen Berufe und führen die Tätigkeit aus, die normalerweise dem Folge- oder Vorgewerk zugeordnet ist. Die erste Ausbildungsgruppe startet am 13. und 14. Februar.

Theorie begreiflich machen

„Unsere Ausbildungserfahrungen zeigen es uns immer wieder: Die Stärke unserer Auszubildenden liegt in der Praxis“, erläutert Uwe Meyer, Ausbildungsleiter des AZB. Insbesondere im Bereich des energieeffizienten Bauens sind die Anforderungen an alle Auszubildenden des Baugewerbes enorm gestiegen. Die jungen Auszubildenden müssen umfassende bauphysikalische Zusammenhänge in der Theorie verstehen und auf den Baustellen umsetzen. Meyer zum Ausbildungsansatz des AZB: „Um den Auszubildenden das Lernen zu erleichtern, machen wir auch in unserer Zusatzsatzqualifikation die Theorie durch praktische Ausbildungsinhalte begreiflich.“

Bildnachweis: Ausbildungszentrum Bau in Hamburg GmbH, hjr


Karin Gehle