Auf Augenhöhe

Landesweiter Obermeistertag in Güstrow

Nach der Bildung der neuen Regierungskoalition war es der erste Termin von Ministerpräsident Erwin Sellering im Handwerk. Er traf auf eine selbstbewusste „Wirtschaftsmacht von nebenan“, die von der neuen Landesregierung viel erwartet, aber nur dort etwas für sich fordert, wo es zwingend notwendig ist. Das Handwerk, so wurde deutlich, setzt in vielen Fragen auf die eigene Kraft.

In angeregter Diskussion untereinander und mit dem Plenum (v. li.): Michael Roolf, Präsident des Wirtschaftsverbands Handwerk M-V, Eckard Gauer für die Arbeits­gemeinschaft der Kreishandwerkerschaften M-V, Roland Setzkorn, Präsident der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern, Peter Günther, Präsident der Handwerkskammer Schwerin, Ministerpräsident
Erwin Sellering und Moderator Jürgen Seidel.

Die Reden waren kurz und damit blieb mehr Raum für die Diskussion. Der diesjährige landesweite Obermeis­tertag des Handwerks in Güstrow zeichnete sich durch lebendiges Diskutieren auf dem Podium und mit dem Publikum aus, wobei eine große Bandbreite von Themen angesprochen wurde. Für manch einen wohl überraschend spielte das Thema Mindestlohn dabei nicht die erwartete dominante Rolle. Ministerpräsident Erwin Sellering betonte gleich zu Beginn, dass dieser seiner Einschätzung nach im Handwerk keine große Relevanz haben dürfte, da der Großteil des Handwerks längst deutlich über den diskutierten 8,50 € zahlen würde. Die Regierung wolle ihren Vorstoß, über das Landesvergabegesetz eine Untergrenze für den Lohn bei öffentlichen Auftragnehmern anzusetzen auch nicht als Angriff auf die Tarifautonomie verstanden wissen. Es ginge vielmehr darum, eine „Spirale nach oben“ in Gang zu setzen, um das im Bundesvergleich niedrige Lohnniveau im Land schrittweise nach oben zu bewegen.

Auf die von Präsident Peter Günther damit verknüpfte Frage nach der Auskömmlichkeit öffentlicher Aufträge formulierte er das Angebot, sich gerne im Bund für einen vernünftigen Vorschlag einer neuen Vergaberegelung stark zu machen. Dazu meinte Günther: „Wir brauchen nichts Neues. Es genügt, wenn wir bereits vorhandene gute Strukturen konsequent anwenden und wenn der bewährte Wertgrenzenerlass weiterhin Bestand hat.“

 Größeren Raum in der Diskussion nahm die Situation an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen ein. Die Sorge um den zukünftigen Nachwuchs an Auszubildenden und Fachkräften sprach aus vielen Diskussionsbeiträgen der Handwerker. Ministerpräsident Erwin Sellering stellte eine künftige Schulpolitik im engen Dialog mit Wirtschaft und Gesellschaft in Aussicht. Er gab zu, dass die berufsschulische Bildung bisher eher ein „Stiefkind“ der Bildungspolitik gewesen sei, dies werde sich aber ändern.

Er wolle, so Sellering, mit dem Handwerk generell in ein dauerhaftes „Arbeitsverhältnis“ kommen, in dem Fragen und Probleme praxisgerecht und konstruktiv angegangen werden könnten.

 

Gerhard Klinckmann, Picher, Obermeister der
Innung des Kfz-Handwerks Ludwigslust/Hagenow:

„Wir haben aus der Politik immer viel über den Abbau von Bürokratie gehört, spüren im Handwerk davon aber nichts. Nach wie vor sind die Bürokratielasten zu hoch und werden noch verstärkt durch Auflagen aus der EU. Wann geschieht hier endlich etwas?“

 

Thomas Griewe, Eldena,
Landesinnungsmeister des Raumausstatter- und
Sattlerhandwerks Mecklenburg-Vorpommern:


„In den Gewerken, die nach der Novelle der Handwerksordnung zulassungsfrei geworden sind, ist die Ausbildung  spürbar zurückgegangen. Wie können wir es schaffen, dass auch für diese Gewerke Mindeststandards für die Qualifizierung gelten?“

 

Bildnachweis: Gansen

Petra Gansen