Auf ein Neues

Neujahrsempfänge der Kreishandwerkerschaften

Natürlich liegen die Silvesternacht und die guten Vorsätze für 2013 schon einige Wochen zurück. Für das Handwerk beginnt das neue Jahr aber erst mit den traditionellen Neujahrsempfängen der Kreishandwerkerschaften.

So unterschiedlich die Kreishandwerkerschaften, so unterschiedlich ihre
Neujahrsempfänge: So zeigten sich Landespolitiker wie etwa Finanzministerin Monika Heinold von Bündnis 90/Die Grünen in Kiel oder der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD Landtagsfraktion Olaf Schulze im Herzogtum-Lauenburg. Daneben gab es interessante Festredner wie den Vielseitigkeitsreiter und Olympiasieger Hinrich Romeike in Mittelholstein, Ausführungen zur Euro- und Bankenkrise in Stormarn und eine prominent besetzte Talkrunde in Westholstein.


Trotz aller Unterschiede gab es jedoch eine Gemeinsamkeit: deutliche Worte der Kreishandwerksmeister und des Kammerpräsidenten Horst Kruse. Hier einige Auszüge:

 

Horst Kruse, Präsident der Handwerkskammer Lübeck:

„Ich freue mich auf das Jahr 2013, obwohl ich befürchte, dass es für die Verbesserung
der Rahmenbedingungen unserer Betriebe eher ein verlorenes Jahr werden wird. Ein Jahr, das von Wahl-
kampfgetöse dominiert wird, in dem sich Bundestag und Bundesrat gegenseitig blockieren und
es deshalb kaum zu konkreten Entscheidungen kommen wird. Also müssen wir uns auf andere Dinge und über andere Dinge freuen. Dazu gehört die gute wirtschaftliche Lage vieler Betriebe aus der ‚Wirtschaftsmacht
von nebenan.‘ Dazu gehört auch die gute Veran-
kerung des Handwerks auf der Landesebene."

 


Kreishandwerksmeister Uwe Riewesell, Kreishandwerkerschaft Herzogtum Lauenburg:

„Auf der politischen Bühne unseres Lebens werden in diesem Jahr zwei wichtige Ereignisse eine große Rolle
spielen, die Kommunalwahl und die Bundestagswahl. Liebe Politiker, behalten Sie bei all Ihren Entscheidungen,
die Sie auf regionaler und auf Bundesebene treffen, stets das Handwerk im Blick. Gehen Sie auf unsere Bedürfnisse ein, denn wir sind ‚Das Handwerk. Die Wirtschafts-
macht von nebenan‘ und das ist in Lütau, Lauenburg, Schwarzenbek, Ratzeburg und Mölln genauso wie in Kiel und Berlin. [...] Genau so lieb wäre es mir aber auch, wenn mehr Menschen bereit sind, sich für ehrenamtliche Tätigkeiten zum Wohle der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen und Verantwortung zu übernehmen."

 


Kreishandwerksmeister Björn Felder, Kreishandwerkerschaft Stormarn:

„Wir im Handwerk behandeln jeden Menschen gleich. Von jeher war es so, dass es egal ist, ob man farbig oder weiß, männlich oder weiblich ist. Bei uns macht man Karriere mit den Händen und nicht mit den Ellenbogen. Es spielt keine Rolle, wo jemand herkommt, sondern nur, wohin er will. Und so ist es auch keine Überraschung, dass gute Handwerker nicht unbedingt Abitur haben, sie haben aber einen starken Willen und ihr Ziel stets im Visier. [...] Das Handwerk ist der vielseitigste Wirtschaftsbereich Deutschlands und bildet mit seinen kleinen und mittleren Betrieben das Kernstück der deutschen Wirtschaft. Wir sind nicht nur Handwerker. Wir sind der Motor, der Deutschland antreibt. Das Handwerk, die Wirtschaftsmacht von nebenan. [...] Wir sind [...] auch eine Ausbildungsmacht. Immer bestrebt, das Können weiterzugeben. Hier ist es egal, ob hochintelligent oder sozial schwach. Bei uns haben alle dieselben Chancen."

 


Kreishandwerksmeister Michael Kahl, Kreishandwerkerschaft Mittelholstein:

„Die Energiewende ist [...] die mutige Entscheidung, eine ökologische Vorreiterposition in der Welt zu übernehmen. Die damit verbundenen Chancen [...] für das Handwerk sind riesig. Doch nun kommt die Umsetzung. [...] Hier agiert die Politik bislang weitgehend planlos und unkoordiniert. Statt den mit der Energiewende verbundenen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft, erlebten wir bisher einen Dauerstreit und ein Gezerre zwischen Bund und Ländern. Das Handwerk fordert, die Energiewende pragmatisch umzusetzen."

 

 

 

 

Kreishandwerksmeister Albert Overath, Kreishandwerkerschaft Kiel:

„Große Unruhe löst das vorgesehene Tariftreue- und Vergabegesetz aus. Hier wird weit über das Ziel hinausgeschossen. Was uns unabhängig von diesen Einzelfragen generell ernüchtert, ist vor allem die Art und Weise des Agierens und Regulierens. Allzu oft werden ideologisch geprägte einfache Antworten auf Probleme gegeben, die ein detailliertes Anhören und Abwägen von Standpunkten im Vorfeld erfordert hätten. Nicht verlässlich einschätzbar bleibt auch die Frage, was von der Landesregierung letztlich beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur - insbesondere Weiterbau der A 20 - zu erwarten ist. [...] Steigende Energiepreise, bürokratische Hürden, die nicht abgebaut werden, sowie Abgaben und Steuern, die trotz guter wirtschaftlicher Lage kaum sinken, belasten die Betriebe stark. Hier sind dringend Wachstumsimpulse seitens der Politik gefordert."

 

 

 

Kreishandwerksmeister Helmut Rohwedder, Kreishandwerkerschaft Westholstein:

„Im letzten Jahr haben wir auch eine neue Landesregierung gewählt und auch das Vorgehen der neuen Regierung geht uns Handwerkern durch den Kopf. Für uns Handwerker in Pinneberg und Steinburg ist als erstes wichtig, dass die
A 20 weitergebaut wird und die Westküste nicht abgehängt wird; denn manches Mal bekommt man den Eindruck, als wären wir gar nicht mehr da. [...] Die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre ist die Fachkräfte-Sicherung. [...] Fachkräftesicherung fängt beim Nachwuchs an. [...] Sorge bereitet uns aber jedes Jahr wieder, dass viele junge Menschen, die zu uns in die Lehre kommen, noch nicht lernfähig sind. Hier muss noch viel im Elternhaus und in der Schule getan werden. Viele Lehrer kennen immer noch nicht die Zusammenhänge im Handwerk und bei den einzelnen Handwerksberufen. Wir fordern deshalb schon seit Jahrzehnten die Lehrerfortbildung und das Lehrerpraktikum in den Betrieben."

 

 

 

grü