Handwerk aktuell
Auf der Reeperbahn gedrehte Kälberstricke sind passé. Heute setzt das Seiler- und Netzmacher-Handwerk auf Fasern wie „Dynamee“. Trotz geringen Gewichts hat das Produkt die Kraft von Stahl. Die Hightech-Erzeugnisse verkaufen sich gut, war auf der Jahrestagung der Branche in Oldenburg zu erfahren. Händeringend suchen die Seiler und Netzmacher Fachkräfte, um die Nachfrage zu befriedigen.
Es dürften gern noch mehr sein: Existenzgründer sind in Mecklenburg-Vorpommern dünn gesät. Die Tendenz im Handwerk aber ist viel versprechend. 2011 wuchs im Kammerbezirk Schwerin durch Neugründungen das zulassungspflichtige Handwerk. Voraussetzung in Gewerken wie Betonbauer, Friseur oder Kfz-Techniker ist der Meisterbrief. Die höhere Qualifikation geht oft mit einer langfristigen Perspektive der Betriebe einher. Dagegen wurden weniger Zugänge als im Vorjahr bei den zulassungsfreien Handwerksberufen verzeichnet. Gründungen in diesem Sektor stehen im Ruf, nicht selten aus der Not zu erfolgen, beispielsweise um Arbeitslosigkeit zu vermeiden.
Die energetische Gebäudesanierung ist für Bund, Länder und Gemeinden ein Gewinngeschäft – nicht nur im Sinne des Klimaschutzes. „Jeder Euro an Förderung löst rund neun Euro an Investitionen aus“, stellt Holger Schwannecke im Interview klar. Der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) kritisiert die anhaltende Blockade des Gesetzes zur steuerlichen Förderung der Gebäudesanierung sowie weiterer Vorhaben durch die SPD-regierten Länder im Bundesrat. Die Energiewende brauche Anreize. Die Steuermindereinnahmen durch die Regelung würden 2013 für die 16 Bundesländer zusammen lediglich 57 Millionen Euro betragen.
Auch Bundesländer mit CDU-Regierungsbeteiligung stellten sich quer: In der Frage der Solarförderung hat der Bundesrat jetzt den Vermittlungsausschuss angerufen. Die vorgesehenen Subventions-kürzungen von 20 bis 30 Prozent, die Umweltminister Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Rösler (FDP) auf den Weg gebracht haben, gehen gerade ostdeutschen Ländern wie Thüringen und Sachsen zu weit. Dort ist die Solarindustrie stark vertreten.
Mit 14 Jahren rührte er in London als Shampoo-Boy Haarwaschmittel an: Vidal Sassoon erlernte das Friseur-Handwerk von der Pike auf. Schon bald entwickelte er eigene Vorstellungen. Sassoon interessierte sich für Kunst und Architektur, besonders für den Bauhaus-Stil. Statt mit Toupier-kämmen und Lockenwicklern zu hantieren setzte er Trends mit geometrischen Kurzhaarschnitten. Sein größter Erfolg glückte ihm Anfang der 1960er Jahre: der „Bob“. Der Haarschnitt mit gerader, kinnlanger Konturlinie war flippig und einfach zugleich und wird bis heute in den Salons nachgefragt. Vidal Sassoon verstarb am Mittwoch 84-jährig in Los Angeles.
Der Landhausstil der 1990er Jahre kurbelte das Geschäft von Hans Zelger noch einmal kräftig an. Lampenschirme mit Fransen und schmückende Vorhangkordeln waren wieder in Mode – und die Posamentrie in Österreich gefragt fast wie zur k.u.k-Zeit. Doch ausländische Produzenten lieferten die textilen Schmuckelemente zuletzt billiger, die Mode wandelte sich. Als letzter Posamentenmacher in Tirol gab Zelger jetzt seine Werkstatt auf. Das Handwerk lebt gleichwohl fort: In Niederösterreich werden noch Borten, Quasten und Zierbänder auf althergebrachte Weise gefertigt.
Handwerksbetriebe bemühen sich immer frühzeitiger um Auszubildende. Ende April hatten die Handwerkskammern knapp 31.000 abgeschlossene Ausbildungsverträge gemeldet. Das teilte der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) anlässlich des „Aktionstags Ausbildung“ mit. Im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum bedeutet das für Westdeutschland ein Plus um 11,1 Prozent, für Ostdeutschland um 4,7 Prozent. Die Eile hat ihren Grund: 2011 blieben im Handwerk 11.000 Ausbildungsstellen unbesetzt, es wurden 2.370 Ausbildungsverträge weniger unterzeichnet als im Vorjahr. Gegen den Trend stemmte sich das Kfz-Gewerbe mit einem Zuwachs bei den Neuverträgen.
Das Internet läuft Gedrucktem den Rang ab. Der globale Umsatz der Druckmaschinenhersteller hat sich innerhalb weniger Jahre halbiert. Auf der Drupa, der 14-tägigen Mega-Messe in Düsseldorf, die nur alle vier Jahre stattfindet, fahndet die Druckbranche unter Hochdruck nach Strategien für die Zukunft, angefangen beim Digitaldruck, der qualitativ aufschließt zu den analogen Verfahren. Schneller, breiter, produktiver lautet eine Antwort der Industrie – bei schon vorhandenen Überkapazitäten. Eine andere heißt Veredelung. Effekte, wie sie heute mit Thermolacken oder Duftkapseln möglich sind, wären den Urvätern der Druckkunst wohl noch als Hexenwerk erschienen.
Das deutsche Reinheitsgebot von 1516 hat in Japan einen schweren Stand: Minibrauereien mit einer Produktion von nur wenigen hundert Hektolitern im Jahr sind ausgesprochen experimentierfreudig – und ihre handwerklich gebrauten Biere (Craft Beer) in Tokio gerade groß in Mode. Braumeisterin Tomoko Sonoda etwa, die für ihre Kreationen schon international ausgezeichnet wurde, stellt Trauben- und herbstlich-würziges Kürbisbier her, die japanische Sankt-Gallen-Brauerei wartet gar mit einem Kirschblütenbier auf.
Hölzerne Ackerwagen und Jagdkutschen sind aus der Mode gekommen – und mit ihnen der Beruf des Stellmachers. Theo Malches aus Braunschweig hat sich dem Handwerk, das in Ostdeutschland noch bis zur Wende verbreitet war, trotzdem mit Haut und Haaren verschrieben. „Eine schöne nachhaltige Fummelarbeit“ nennt er sein Metier. Darunter fällt zum Beispiel, das Holzgestell eines Lkw aus den 1950er Jahren wieder aufzumöbeln. Aber auch Prototypen von Eisenbahnwaggons sind in seiner Werkstatt schon entstanden.

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