Handwerk aktuell

Die Eiszapfen reichen bis zum Boden. In der Kronenbrauerei im Ulmer Stadtteil Söflingen werden sie regelrecht gezüchtet. Das Familienunternehmen in dritter Generation kühlt sein Bier auf althergebrachte Weise in einem Eiskeller. Bis in den Spätsommer hinein ist das möglich. Die Methode ist nicht nur umweltfreundlich, sondern sorgt auch für "eine ganz besondere Reifung", sagt Braumeister Josef Russ. Die Brauereispezialität Eisbock wird sogar komplett in Eis gebettet.
Den deutschen Zahntechnikern und Zahnärzten geht die Arbeit nicht aus. Bis 2030 entstehen laut einer Studie des Darmstädter Wifor-Instituts und des Instituts der Deutschen Zahnärzte 76.000 neue Arbeitsplätze im Dentalsektor. Als Grund sehen die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung und die Bundeszahnärztekammer, die die Studie in Auftrag gegeben hatten, den demografischen Wandel. Die Menschen würden immer älter und legten immer mehr Wert auf gesunde Zähne. Die Nachfrage wachse vor allem bei Vorsorgeleistungen.
Computertechnik wandert in die Wolke (englisch: Cloud). Der Trend zum Cloud Computing erfasst immer mehr IT-Anwendungen. Die Auslagerung der entsprechenden Infrastruktur erspart gerade kleinen und mittelständischen Betrieben die Anschaffung von teurer Hard- und Software – wenn ihr Bedarf in der "Wolke" wirklich abgedeckt wird. Lösungen für die spezifischen Anforderungen von Handwerksbetrieben will das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation nun mit einem Forschungsprojekt voranbringen – und sucht dafür Mitstreiter aus der Praxis.
Der offene Wettbewerb hält Einzug, die EU will es so: Ab Januar 2013 konkurrieren Schornsteinfeger um die Gunst der Haus- und Wohnungseigentümer. Das Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk erhofft sich ein Zusatzgeschäft durch Emissionsschutzmessungen an Heizungen. Innungen und Handwerkskammern rüsten Vertreter beider Gewerke mit Seminaren für die neue Situation. Ob der Service der Schornsteinfeger durch Konkurrenz günstiger wird, ist fraglich. Nach Ansicht von Lutz-Matthias Peters, Vorstandsmitglied der Hamburger Schornsteinfeger-Innung, werden längere Anfahrtswege zu Buche schlagen.
Der goldene Boden im Handwerk war hier einmal wörtlich zu nehmen: Rund drei Kilo Gold in Barren und Münzen mit einem Wert von über 100.000 Euro, dazu noch Silbermünzen und -besteck entdeckte ein Fliesenleger hinter den Blenden einer Einbauküche in Hannover. Er hatte die Küche nach dem Tod des Mieters für ein Wohnungsunternehmen renoviert. Ehrensache: Der selbstständige Fliesenleger meldete den Fund sofort der Hausverwaltung.
Hinter der Bäckereitheke ist Berna Cakir seit mehr als 20 Jahren für die Kunden da. Ihr Gesellenbrief als Bäckereifachverkäuferin aber ist noch ganz frisch. Cakir hat im Rahmen des Modellprojektes "Nachqualifizierung im Handwerk" der Handwerkskammer Hamburg einen viermonatigen Kurs zur Vorbereitung auf die Prüfung absolviert. Dieser vermittelt Ungelernten das fehlende breite Fachwissen - und eröffnet vor allem Migranten neue Perspektiven: Berna Cakir startet jetzt als Regional- und Verkaufsleiterin einer Hamburger Traditionsbäckerei durch.
Energieeffiziente Sanierungen und Neubauten sind gewollt. Doch tritt die Politik auf der Stelle, wenn es um förderliche Rahmenbedingungen geht. Erneut kam in dieser Woche im Vermittlungsausschuss von Bund und Ländern keine Einigung über den Steuervorteil bei energetischen Gebäudesanierungen zustande. Mit Skepsis sieht das Handwerk zudem die neue Liste der Deutschen Energie-Agentur für qualitätsgeprüfte Energieberater. Diese soll künftig maßgeblich sein für die Vergabe bestimmter KfW-Fördermittel, etwa für die Planung und Baubegleitung der KfW-Effizienzhäuser 40 und 55.
Als Fliesenleger kennt sich Stefan Wehner mit Staub und Dreck bei einer Renovierung aus – und mit der Herausforderung, bewohnte Bereiche staubfrei zu halten. Weil er mit den gängigen Systemen nicht zufrieden war, wurde der 44-Jährige aus Hamburg zum Erfinder. Zwei Jahre lang tüftelte er an einer Folientür zum Selbsteinbau, bis sie marktreif war. Wie Benno Hansen, Sandsackfüllmaschinen-Konstrukteur unserer Titelgeschichte, vergaß Wehner den entscheidenden Schritt nicht: seine Erfindung durch ein Patent zu schützen.
500 Handwerksbäcker mussten sich nach einem Bericht der "Deutschen Handwerks-Zeitung" 2011 der Billigkonkurrenz von Lidl & Co. geschlagen geben und ihr Geschäft schließen – ein Rekordwert, wie schon 2010. Der Duft nach Gebackenem und Brötchen, die noch ofenwarm sind, führen viele Verbraucher in die Irre. Die Backwaren aus den Backstationen der Supermärkte und Tankstellenshops sind nur vermeintlich frisch. In aller Regel werden sie aus tief gefrorenen Teiglingen hergestellt.
Es gibt sie noch, die handgefertigten Holzspielzeuge. Ob eine Giraffe, ein Pferd oder eine Gans entsteht, entscheidet sich in der Werkstatt von Holzgestaltung Lipkowsky oft erst, wenn Kopf und Beine an den Torso kommen. Der traditionelle Handwerksbetrieb aus Sachsen ist ebenso auf der derzeit laufenden Spielwarenmesse in Nürnberg vertreten wie Heimotion. Mit Elektronikern, Schreinern und Schneidern erschafft das Unternehmen hoch technisierte Erlebniswelten wie „Tabalugas Abenteuer“ im pfälzischen Holiday-Freizeitpark.