Segelmacher bleibt eigenständiger Beruf

Entscheidung getroffen

Nach zwei Jahren Überzeugungsarbeit bleiben die Segelmacher ein eigenständiger Beruf und Bestandteil des Handwerks.

Auch künftig werden in Deutschland Segelmacher ausgebildet. Nach zwei Jahren Streit wendeten die Handwerker eine Zusammenlegung mit dem Industrieberuf des technischen Konfektionärs ab.
 „Dafür mussten wir hart kämpfen“, berichtet Gerhard Jagow, Obermeister der Hamburger Segelmacherinnung. Sein Beruf sollte mit dem Industrieberuf des technischen Konfektionärs vereint werden. Um dies zu verhindern, reiste er zu bundesweiten Sitzungen mit Vertretern von Gewerkschaften, Ministerien sowie Verbänden des Handwerks und der Industrie und lud diese auch in seine eigene Werkstatt ein.

Als Mitte Juni der endgültige Bescheid des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) vorlag, der dem Beruf die Eigenständigkeit bescheinigt, atmete Jagow auf: „Mit dieser Entscheidung wird sichergestellt, dass die Segelmacher auch nach 300 Jahren weiter dem Handwerk angehören.“ Das (BIBB) war 2008 auf die Segelmacher zugekommen und hatte ihnen vorgeschlagen, aus ihrem Beruf und dem mit der technischen Konfektionären einen zu machen. „Man erklärte uns, dass in beiden Berufen mit Nähmaschinen gearbeitet, geklebt und geschweißt werde. Deshalb sei es ein und derselbe Beruf. So sollten beispielsweise Berufsschulen eingespart werden“, erklärt Jagow.

Der Obermeister zeigte sich besonders verärgert über das Argument, dass es in Deutschland keine kleinen Segelmacher für den Privatmarkt mehr gebe. Er besuchte die Messe Hanseboot, wo 17 solcher Firmen sich präsentierten. Jagow fotografierte die Stände und sammelte mit der Unterstützung von Schleswig-Holsteins stellvertretendem Obermeister Kay Howold weitere Argumente gegen eine Zusammenlegung. Zum einen überzeugte der Fakt, dass Segelmacher sich in der Regel auf Einzelanfertigung spezialisieren und nicht auf Massenproduktion ausgerichtet sind. Zudem seien die Segelmacher noch immer stark in der Ausbildung. Eine Zusammenlegung wäre auch deshalb mit hohen Kosten für die Betriebe verbunden. Alle derzeit 70 Auszubildenden aus drei Lehrjahren hätten künftig nicht mehr zur Berufsschule am Priwall nahe Lübeck, sondern nach Köln reisen müssen. „Das hätte keinen Sinn gemacht – der überwiegende Teil unserer Betriebe sitzt hier im Norden“, so Gerhard Jagow.

 

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Jens Seemann