Dem Datenklau vorbeugen
Wirtschaftsspionage
Als mittelständischer Unternehmer werden Sie sagen: Was habe ich mit Wirtschaftsspionage zu tun? Unter Umständen eine ganze Menge.
Untersuchungen gehen davon aus, dass jedes fünfte Unternehmen schon einmal das Interesse von Datendieben geweckt hat. Besonders gefährdet sind mittelständische Firmen, denen – im Gegensatz zu Großkonzernen, die sich vielfach mit umfangreichen Sicherheitssystemen schützen – das Problem meist gar nicht bewusst ist. Und der Schaden für die deutsche Wirtschaft ist immens: 20 Mrd. € jährlich lautet etwa die Verlustschätzung des ehemaligen Leiters des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning. Gefährdet sind alle Betriebe, die einen Wettbewerbsvorteil haben. Die Datendiebe sind nicht nur an technischen Zeichnungen oder Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionsunterlagen interessiert, sondern auch an Vertriebs- und Marketingkonzepten sowie an Kundendaten. Etwa 70 % der Datenverluste gehen auf die Fahrlässigkeit der Nutzer zurück – ein mangelndes Problembewusstsein ist hier also nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Die Gelegenheiten für die Datenklauer sind vielfältig – etwa bei Messe- oder Firmenbesuchen – , denn rund 40 % aller Unternehmensdaten sind heute mobil unterwegs.
Wer als Unternehmer selbst ins Ausland fährt oder Mitarbeiter reisen lässt, sollte deshalb eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen berücksichtigen, um nicht Gefahr zu laufen, Opfer von Datendiebstahl zu werden.
1. Lassen Sie niemals wichtige Unterlagen unbeaufsichtigt im Hotelzimmer – auch nicht im Zimmersafe.
2. Benötigen Sie Kopien oder Ausdrucke wichtiger Unterlagen (z. B. vom USB-Stick), machen Sie sie selber.
3. Lassen Sie keine Programme auf ihrem Notebook in Gesprächs- oder Verhandlungspausen laufen. Schließen Sie alle Anwendungen und blockieren Sie das Betriebssystem.
4. Lassen Sie Ihr Notebook in der Öffentlichkeit wie in Hotellobbys oder auf Flughäfen aus. Daten könnten sonst unbemerkt über Infrarotschnittstellen gelesen werden.
5. Mobiltelefone können technisch so manipuliert werden, dass sie als Abhörgeräte genutzt werden können. Lassen Sie deshalb ihr Mobiltelefon während vertraulicher Gespräche ausgeschaltet und entfernen, wenn möglich, auch den Akku.
6. In Ländern wie China und Russland wird der E-Mail-Verkehr überwacht. Nutzen Sie deshalb verschiedene Kommunikationswege und verteilen Sie wichtige Daten und Informationen auf diese Kanäle.
7. Meiden Sie kompromittierende Situationen, durch die Sie erpressbar werden. Dies gilt z. B. auch bei Angeboten illegale Geld zu tauschen oder Plagiate zu kaufen.
Kerstin Gwildis

