Jahresurlaub bei Kindern in Mosambik

Mathias Kohrt

Mathias Kohrt fliegt regelmäßig nach Mosambik. Dort hilft der Elektriker aus Neukloster ehrenamtlich beim Aufbau eines Zentrums für Aidswaisen und Straßenkinder. Er errichtete
beispielsweise eine Solaranlage, die ein Pumpe zur Förderung von Wasser aus einem Brunnen antreibt.

Seit der Fußballweltmeisterschaft ist Südafrika in aller Munde. Sein Nachbarland Mosambik bleibt nahezu unbekannt. Dabei ist es am südwestlichen Zipfel Afrikas mit 800.000 km2 doppelt so groß wie Deutschland. Über 50 % der 21 Millionen Mosambikaner leben nach Angaben des Deutschen Auswärtigen Amtes in absoluter Armut. Wirtschaftlich rangiert das Land mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von 400 € im Human Development Index der Vereinten Nationen auf Rang 172 von 182.

Darunter leiden ganz besonders die Kinder. Eltern können sie nicht versorgen oder sterben früh an Aids. 60 solcher Jungen und Mädchen hilft Mathias Kohrt, ein 25-jähriger Elektriker aus dem mecklenburgischen Neukloster. Das tut er nicht alleine. Kohrt ist ehrenamtlich engagiert beim Projekt „Fonte da Vida“. Aus dem Portugiesischen übersetzt, heißt das Quelle des Lebens. Die Helfer tun alles, um den Kindern das Leben erleichtern und ihnen eine aussichtsreiche Zukunft zu ermöglichen. Seit 2001 bauen sie 30 km nördlich der Hauptstadt Maputo nahe dem Dorf Maracuene auf rund 35.000 m2 ein Zentrum für Straßenkinder und Aidswaisen. Nach und nach entstehen sechs Häuser für jeweils zwölf Kinder, Wirtschaftsgebäude, eine Klärgrube, Werkstätten, Ställe und Gärten.

Reise ins unbekannte Land
Mathias Kohrt wird vom 25. Juli bis zum 23. August zum vierten Mal nach Mosambik reisen. Was durch einen Zufall begann, ist zum festen Bestandteil seiner Planung geworden. „Für Fonte da Vida nehme ich meinen Jahresurlaub“, sagt der Geschäftsführer von Kohrt Elektro & Gebäudetechnik. Sich vier Wochen aus dem Staub zu machen, ist für ihn wahrlich nicht einfach. Doch die Kinder sind ihm ans Herz gewachsen: „Ich bewundere die Lebensfreude der Menschen, die sie trotz ihrer schwierigen Lebensverhältnisse ausstrahlen.“

Mosambik – das war für ihn bis 2007 auch nur ein Name auf der Landkarte. Dann fragten ihn Organisatoren des Projektes, ob er sich vorstellen könne, sein Fachwissen als Elektriker für den Aufbau einer Solaranlage in Mosambik einzusetzen. Das war zwei Wochen vor dem Abflug. Kohrt, der zuvor nie geflogen war, entschied sich spontan für den 20-stündigen Trip ins 9.500 Kilometer entfernte Mosambik. Im Gepäck eine 70 Kilogramm schwere Solaranlage, für die jeder der Reisegruppe auf zehn Kilogramm Gepäck verzichtete. Mathias Kohrt packte viel Werkzeug ein. Schließlich wusste er nicht, was ihn erwarten würde. Die Ankunft wird er nie vergessen. Die Hauptstadt Maputo mit ihren 2 Millionen Einwohnern glich so gar nicht einer Großstadt, wie Kohrt sie kannte. Auf einer riesigen Fläche reihte sich Holzhaus an Holzhaus. Menschen kochten auf offenem Feuer vor den Türen ihrer Hütten. Durch die engen Gassen zog dichter Rauch. Mit Geländewagen erreichte die Gruppe über  steinige Sandpisten schließlich das Dorf.

Solaranlage spart bares Geld

Viel Zeit, um zu realisieren, wo er gelandet war, blieb nicht. In vier Wochen sollte die Solaranlage funktionieren. Beim Aufbau unterstützten ihn Mitreisende und Einheimische tatkräftig. Gemeinsam schaufelten sie einen 30 Meter langen Graben und installierten die Anlage. Gleichzeitig leistete Mathias Kohrt Aufklärungsarbeit. Schließlich war den Mosambikanern Solarenenergie völlig fremd. Der Fachmann erklärte die Funktionsweise und den Umgang mit der Anlage, um sicherzustellen, dass Probleme auch in seiner Abwesenheit behoben werden können. Das funktioniert reibungslos.

Seit die Anlage steht, produziert sie zuverlässig Strom, der eine Pumpe antreibt. Innerhalb von acht Stunden befördert diese 2.500 Liter Wasser aus dem Brunnen in einen Tank. Von dort aus wird es dann in die Häuser geleitet. Zuvor gelang dies nur mit einer Pumpe, die ein Generator antrieb. Und der benötigte teures Benzin. Dank Solar sparen die Dorfbewohner mit jedem Sonnstrahl bares Geld. Pro Jahr können so weitere 1.200 € in Bauarbeiten auf dem Gelände investiert werden. „Das ist eine Menge Geld bei einem monatlichen mosambikanischen Durchschnittsverdienst von rund 50 €“, sagt Kohrt. Für ihn ist Solar deshalb nicht nur an dieser Stelle sinnvoll und nützlich: „In solch einem sonnenreichen Land könnte auf einfache Weise Strom in den entlegensten Ecken produziert werden“ Deshalb setzte er auch für die nächtliche Beleuchtung des Zentrums auf kleine solarbetriebe Lampen. Seit die Abend für Abend leuchten, können die Erzieher den Kindern auch nach Einbruch der Dunkelheit noch Geschichten vorlesen. „Es ist einfach schön zu sehen, was man mit solch vergleichbar kleinen Sachen für Freude auslösen kann“, sagt Kohrt.

Mittlerweile reist er nicht mehr nur mit, um elektronische Probleme zu lösen. Heute packt er dort mit an, wo er gebraucht wird, um das Zentrum so schnell wie möglich fertigzustellen. Für die nötige finanzielle  Unterstützung wirbt er mit Vorträgen in Deutschland und stellt auf der Homepage des Projektes www.mosambikprojekt.de Kinder des Dorfes vor. Ihnen möchte er in den kommenden Jahren noch bessere Zukunftsperspektiven schaffen.

Projekt Fonte da Vida

Mit der Unterstützung vieler ehrenamtlicher Helfer ist es Jutta Pfistner von der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Berlin-Köpenick seit 1998 gelungen, verschiedenste Workcamps in Mosambik zu organisieren. Eines davon ist Fonte da Vida. Dabei handelt es sich um ein Zentrum für Aidswaisen und Straßenkinder, das seit 2001 nördlich der Hauptstadt Maputo entsteht. Jedes Jahr reisen Freiwillige aus Deutschland für vier Wochen nach Mosambik, um dort das Zentrum aufzubauen. Wichtigste Kontaktperson vor Ort ist Afonso Muendane. Er stammt aus Mosambik und arbeitete als Bauleiter in der DDR, bevor er in seine Heimat zurückkehrte. Dort baut er jetzt das Zentrum mit sechs Häusern für jeweils zwölf Kinder, die von Erziehern betreut werden auf. Das Projekt finanziert sich aus Spenden.

Weitere Informationen:
www.mosambikprojekt.de

Bildnachweis: hfr/Kohrt

Jens Seemann