Wirtschaftskrise ade?
Standpunkt
Endlich wieder gute Nachrichten! Den Medien entnehmen wir: Die Wirtschaft ist jetzt auf Wachstumskurs. Die Stimmung bessert sich. Laut ARD glauben bereits über 50 %, dass es „mit der Wirtschaft wieder bergauf geht“ und dass „die wirtschaftliche Lage in einem Jahr besser sein wird“.
Frank Glücklich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hamburg |
Die Wirtschaft selbst bestätigt den Trend. Dr. Martin Wansleben, DIHK-Hauptgeschäftsführer, sagt: „Die Konjunkturerholung beschleunigt sich – und das über alle Wirtschaftszweige hinweg.“ Und DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann prophezeit sogar rund 100.000 neue Arbeitsplätze, die dieses Jahr im Mittelstand geschaffen werden.
Also: Alles paletti? Tschüs, große Wirtschaftskrise; Wachstumsjahre, ahoi? Vorsicht! Skepsis ist angebracht. Zugegeben: Wir haben erfreulicherweise eine deutliche Konjunkturerholung. Die staatliche Interventionspolitik mit Bankenrettung, Konjunkturprogrammen und Kurzarbeit hat Wirkung gezeigt. Die Krise konnte erfolgreich abgemildert werden. Nun nimmt die Investitionstätigkeit endlich erneut zu. Für 2010 erwartet der DIHK mit durchschnittlich 3,2 Millionen Arbeitslosen den niedrigsten Wert seit 1992. Das sind ohne Zweifel gute Nachrichten.
Doch wie stabil ist der Wachstumspfad? Die nach der Finanzkrise breit geforderte Regulierung der Finanzmärkte ist bislang kaum vorangekommen. Lehman scheint weitgehend vergessen, die „faulen Kredite“ der Banken sind nur zum Teil abgeschrieben und die Finanzspekulationen erleben bereits eine neue Blüte.
Griechenland bringt quasi über Nacht den Euro in erhebliche Probleme und die Euro-Staaten sehen sich gezwungen, einen Rettungsfonds für gefährdete Länder aufzulegen. Die Rettungsaktionen der letzten Jahre haben die Staaten – auch Deutschland – in die größte Überschuldung aller Zeiten getrieben, so dass langfristige Sparprogramme allerorten angesagt sind. Die gegenwärtigen Konjunkturmotoren China und einige Schwellenländer tendieren zur Überhitzung, und die Rohstoffpreise steigen. Diese Risikofaktoren dürfen nicht übersehen werden. Peer Steinbrück (SPD) stellt fest: „ Die Märkte steuern im Augenblick die Politik.“
Und das Handwerk: ist und bleibt relativ stabil. Weil es echte Werte schafft. Weil es regional ausgerichtet ist. Weil es für Qualität steht.
Natürlich ist das Handwerk auch von der Konjunktur abhängig. Doch die Auswirkungen der Weltmärkte treffen es nur in abgemilderter Form.
Herzlich grüßt Sie Ihr
Frank Glücklich

Frank Glücklich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hamburg